News

Bau­prei­se in Nie­der­sach­sen stei­gen 2026 deut­lich: Woh­nungs­bau wird 5 Pro­zent teurer

Veröffentlicht

am

Bau­prei­se in Nie­der­sach­sen stei­gen im August 2026 um 5,0 Prozent

Neu­bau von Wohn­ge­bäu­den so teu­er wie seit drei Jah­ren nicht mehr – Roh­bau und Aus­bau deut­lich teurer

HANNOVER. Die Bau­prei­se für Wohn­ge­bäu­de in Nie­der­sach­sen sind im August 2026 deut­lich gestie­gen. Wie das Lan­des­amt für Sta­tis­tik Nie­der­sach­sen (LSN) mit­teilt, ver­teu­er­ten sich die Prei­se für den Neu­bau kon­ven­tio­nell gefer­tig­ter Wohn­ge­bäu­de im Ver­gleich zum August 2025 um 5,0 Pro­zent. Damit wur­de der stärks­te Preis­an­stieg seit August 2023 ver­zeich­net. Damals waren die Prei­se im Jah­res­ver­gleich um 6,1 Pro­zent gestiegen.

Auch gegen­über dem vor­he­ri­gen Berichts­mo­nat Mai 2026 leg­ten die Bau­prei­se wei­ter zu. Der Bau­preis­in­dex für den Neu­bau von Wohn­ge­bäu­den erhöh­te sich inner­halb von drei Mona­ten um 1,1 Pro­zent. Im August 2026 lag der Index bei 141,8 Punk­ten, bezo­gen auf das Basis­jahr 2021 mit einem Wert von 100.

Roh­bau­ar­bei­ten fast 5 Pro­zent teurer

Bei den Roh­bau­ar­bei­ten an Wohn­ge­bäu­den stie­gen die Prei­se im August 2026 gegen­über dem Vor­jah­res­mo­nat um 4,9 Pro­zent. Einen beson­ders gro­ßen Anteil an den Roh­bau­ar­bei­ten und damit auch am Gesamt­in­dex haben Beton- und Mauerarbeiten.

Die Prei­se für Beton­ar­bei­ten erhöh­ten sich gegen­über August 2025 um 3,9 Pro­zent, bei Mau­er­ar­bei­ten betrug der Anstieg 3,5 Pro­zent.

Noch deut­li­cher ver­teu­er­ten sich ver­schie­de­ne wei­te­re Arbei­ten. Beson­ders stark stie­gen die Prei­se für:

  • Erd­ar­bei­ten: +8,2 Prozent

  • Ramm‑, Rüt­tel- und Press­ar­bei­ten: +7,1 Prozent

  • Abdich­tungs­ar­bei­ten: +7,1 Prozent

  • Zim­mer- und Holz­bau­ar­bei­ten: +7,1 Prozent

  • Dach­de­ckungs­ar­bei­ten: +6,1 Prozent

  • Klemp­ner­ar­bei­ten: +5,4 Prozent

Damit lagen zahl­rei­che wich­ti­ge Leis­tun­gen beim Bau eines Wohn­ge­bäu­des deut­lich über dem Preis­ni­veau des Vorjahres.

Aus­bau­ar­bei­ten ver­teu­ern sich um 5,1 Prozent

Noch etwas stär­ker als die Roh­bau­ar­bei­ten ent­wi­ckel­ten sich die Prei­se für Aus­bau­ar­bei­ten. Sie lagen im August 2026 5,1 Pro­zent über dem Niveau des Vor­jah­res­mo­nats.

Beson­ders kräf­ti­ge Preis­stei­ge­run­gen regis­trier­te das Lan­des­amt für Sta­tis­tik Nie­der­sach­sen bei Dämm- und Brand­schutz­ar­bei­ten an tech­ni­schen Anla­gen. Die­se ver­teu­er­ten sich um 9,2 Pro­zent. Bei raum­luft­tech­ni­schen Anla­gen betrug der Anstieg 8,0 Pro­zent.

Auch ande­re Aus­bau­leis­tun­gen wur­den deut­lich teurer:

  • Tisch­ler­ar­bei­ten: +6,8 Prozent

  • Maler- und Lackier­ar­bei­ten: +6,8 Prozent

  • Metall­bau­ar­bei­ten: +6,3 Prozent

  • Heiz­an­la­gen und zen­tra­le Was­se­r­er­wär­mungs­an­la­gen: +5,1 Prozent

Tisch­ler­ar­bei­ten und Metall­bau­ar­bei­ten zäh­len dabei eben­so wie Heiz­an­la­gen und zen­tra­le Was­se­r­er­wär­mungs­an­la­gen zu den anteils­stär­ke­ren Berei­chen inner­halb der Ausbauarbeiten.

Nahe­zu unver­än­dert blie­ben dage­gen die Prei­se für Auf­zugs­an­la­gen, Fahr­trep­pen, Fahr­stei­ge und För­der­an­la­gen. Hier wur­de gegen­über August 2025 ein leich­ter Rück­gang von 0,3 Pro­zent festgestellt.

Auch Instand­hal­tung und Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren wer­den teurer

Nicht nur der Neu­bau von Wohn­ge­bäu­den ist von der Preis­ent­wick­lung betrof­fen. Auch bei bestehen­den Woh­nun­gen und Gebäu­den zogen die Prei­se deut­lich an.

Die Kos­ten für Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren in einer Woh­nung stie­gen im August 2026 gegen­über dem Vor­jah­res­mo­nat um 5,6 Pro­zent. Bei Instand­hal­tungs­ar­bei­ten an Wohn­ge­bäu­den ohne Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren lag der Anstieg bei 5,5 Pro­zent.

Damit müs­sen auch Eigen­tü­mer, Ver­mie­ter und Bau­her­ren bei Reno­vie­rungs- und Instand­hal­tungs­maß­nah­men mit höhe­ren Kos­ten rechnen.

Bau­prei­se auch bei Büro- und Gewer­be­ge­bäu­den gestiegen

Die Preis­stei­ge­run­gen beschränk­ten sich nicht auf den Woh­nungs­bau. Auch bei ande­ren Bau­werks­ar­ten wur­den im August 2026 deut­lich höhe­re Prei­se festgestellt.

Der Neu­bau von Büro­ge­bäu­den ver­teu­er­te sich gegen­über August 2025 um 5,4 Pro­zent. Bei gewerb­li­chen Betriebs­ge­bäu­den betrug der Anstieg 5,1 Pro­zent.

Beson­ders deut­lich fiel die Preis­ent­wick­lung beim Stra­ßen­bau aus. Die Prei­se lagen im August 2026 6,2 Pro­zent über dem Niveau des Vor­jah­res­mo­nats. Damit setz­te sich die über­durch­schnitt­li­che Preis­ent­wick­lung im Stra­ßen­bau gegen­über den übri­gen betrach­te­ten Bau­werks­ar­ten fort.

Bau­kos­ten blei­ben ein wich­ti­ger Fak­tor für Bauherren

Die aktu­el­len Zah­len des Lan­des­am­tes für Sta­tis­tik Nie­der­sach­sen zei­gen, dass sich das Bau­en in Nie­der­sach­sen im Jah­res­ver­gleich erneut spür­bar ver­teu­ert hat. Beson­ders betrof­fen sind sowohl der Roh­bau als auch der Aus­bau. Mit einem Plus von 5,0 Pro­zent beim Neu­bau von Wohn­ge­bäu­den wur­de im August 2026 der höchs­te Anstieg seit drei Jah­ren erreicht.

Für pri­va­te Bau­her­ren, Woh­nungs­un­ter­neh­men und gewerb­li­che Inves­to­ren bedeu­tet die Ent­wick­lung, dass die Kal­ku­la­ti­on von Neubau‑, Reno­vie­rungs- und Instand­hal­tungs­pro­jek­ten wei­ter­hin mit stei­gen­den Bau­kos­ten ver­bun­den ist.

Anzeige 

Stei­gen­de Bau­kos­ten und Bau­zin­sen erschwe­ren den Weg ins Eigenheim

Der Traum vom eige­nen Zuhau­se wird für vie­le Men­schen in Deutsch­land zuneh­mend schwe­rer erreich­bar. Die Bau­prei­se stei­gen seit Jah­ren, und gleich­zei­tig müs­sen Bau­her­ren deut­lich höhe­re Finan­zie­rungs­kos­ten ein­kal­ku­lie­ren. Anfang Okto­ber 2026 lagen die Bau­zin­sen für eine zehn­jäh­ri­ge Zins­bin­dung je nach Finan­zie­rung bei rund 4,5 Pro­zent; seit Anfang Juli sind die Zin­sen laut Finanz­tip um etwa 0,6 Pro­zent­punk­te gestiegen.

Hin­zu kom­men die aktu­el­len Bau­prei­se: In Nie­der­sach­sen ver­teu­er­te sich der Neu­bau von Wohn­ge­bäu­den im August 2026 inner­halb eines Jah­res um 5,0 Pro­zent. Für vie­le Fami­li­en bedeu­tet die­se Kom­bi­na­ti­on aus höhe­ren Bau­kos­ten und höhe­ren Zin­sen, dass die Finan­zie­rung eines Eigen­heims immer schwie­ri­ger wird. Was frü­her für brei­te Bevöl­ke­rungs­schich­ten erreich­bar war, setzt heu­te häu­fig ein erheb­li­ches Eigen­ka­pi­tal und ein ent­spre­chend hohes Ein­kom­men voraus.

Deutsch­land bleibt beim Wohn­ei­gen­tum Schluss­licht in Europa

Das zeigt sich auch bei der Wohn­ei­gen­tums­quo­te. Nach aktu­el­len Euro­stat-Daten leb­ten 2024 in Deutsch­land 53 Pro­zent der Bevöl­ke­rung in einem Miet­ver­hält­nis. Damit war Deutsch­land das ein­zi­ge EU-Land, in dem mehr Men­schen zur Mie­te als im eige­nen Zuhau­se leb­ten. Der Anteil der Men­schen, die in den eige­nen vier Wän­den leben, lag damit bei rund 47 Pro­zent. In Rumä­ni­en waren es dage­gen 94 Pro­zent, in der Slo­wa­kei 93 Pro­zent und in Ungarn 92 Prozent.

Deutsch­land ent­wi­ckelt sich damit immer stär­ker zum Mie­ter­land. Gleich­zei­tig über­nimmt der Staat bei Men­schen, die Grund­si­che­rungs­geld bezie­hen, die ange­mes­se­nen Kos­ten für Unter­kunft und Hei­zung. Die­se Leis­tun­gen wer­den aus Steu­er­mit­teln finan­ziert. Das Geld wird in der Regel an die Leis­tungs­be­rech­tig­ten gezahlt, die damit ihre Mie­te beglei­chen; unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen kann das Job­cen­ter die Kos­ten auch direkt an den Ver­mie­ter überweisen.

Dar­aus ergibt sich eine grund­sätz­li­che poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Fra­ge: Ist es auf Dau­er sinn­voll, immer grö­ße­re öffent­li­che Mit­tel für das Woh­nen auf­zu­wen­den, wäh­rend gleich­zei­tig der Zugang zu selbst genutz­tem Wohn­ei­gen­tum für vie­le Men­schen schwie­ri­ger wird? Kri­ti­ker sehen dar­in eine pro­ble­ma­ti­sche Ent­wick­lung, weil öffent­li­che Mit­tel dau­er­haft Miet­kos­ten absi­chern, wäh­rend der Ver­mö­gens­auf­bau durch Wohn­ei­gen­tum für vie­le Haus­hal­te zuneh­mend außer Reich­wei­te gerät.

Von einer pau­scha­len „Umver­tei­lung von unten nach oben“ zu spre­chen, greift aller­dings zu kurz. Die staat­li­che Über­nah­me ange­mes­se­ner Wohn­kos­ten dient zunächst der sozia­len Absi­che­rung und stellt sicher, dass Men­schen in finan­zi­el­ler Not ihre Woh­nung nicht ver­lie­ren. Gleich­zei­tig ist die Fra­ge berech­tigt, ob die Woh­nungs- und Bau­po­li­tik stär­ker dar­auf aus­ge­rich­tet wer­den müss­te, Wohn­ei­gen­tum wie­der für brei­te­re Bevöl­ke­rungs­schich­ten erschwing­lich zu machen.

Denn wer sich heu­te kein Eigen­heim leis­ten kann, bleibt häu­fig dau­er­haft Mie­ter. Damit flie­ßen über Jahr­zehn­te Miet­zah­lun­gen an Eigen­tü­mer, wäh­rend gleich­zei­tig der Staat bei einem Teil der Haus­hal­te die Wohn­kos­ten über Sozi­al­leis­tun­gen mit­fi­nan­ziert. Die­se Kom­bi­na­ti­on aus stei­gen­den Bau­kos­ten, hohen Bau­zin­sen, einer nied­ri­gen Wohn­ei­gen­tums­quo­te und stei­gen­den staat­li­chen Wohn­kos­ten ist eine Ent­wick­lung, über die Poli­tik und Gesell­schaft grund­le­gend dis­ku­tie­ren müssen.

Zum Kommentieren klicken
Die mobile Version verlassen