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Die Grand Dame des Platt­deut­schen: Das Ver­mächt­nis von Wil­hel­mi­ne Siefkes

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Ein blei­ben­des Denk­mal für Leer: Der Wil­hel­mi­ne-Sief­kes-Platz. Als Wür­di­gung für eine der prä­gends­ten Per­sön­lich­kei­ten des 20. Jahr­hun­derts benann­te die Stadt Leer am 23. Sep­tem­ber 2011 fei­er­lich den Wil­hel­mi­ne-Sief­kes-Platz. Foto: Ingo Ton­sor @LeserECHO-Verlag

Wil­hel­mi­ne Sief­kes (1890–1984)

Die bekann­te Leera­ner Schrift­stel­le­rin, Päd­ago­gin und christ­li­che Sozi­al­de­mo­kra­tin präg­te maß­geb­lich die nie­der­deut­sche Lite­ra­tur. Wäh­rend der NS-Zeit mit einem Ver­öf­fent­li­chungs­ver­bot belegt, schrieb sie unter dem Pseud­onym Wilm­ke Anners.

Ihr 1939 ver­öf­fent­lich­ter Roman Keerl­ke gilt als ihr Haupt­werk. Nach die­ser bekann­ten Roman­fi­gur ist heu­te der wich­tigs­te ost­frie­si­sche Preis für Ver­diens­te um die platt­deut­sche Spra­che benannt. Zudem wirk­te Sief­kes als lite­ra­ri­sche Über­set­ze­rin aus dem Nie­der­län­di­schen und Westfriesischen.

Stadt­füh­rung in Leer: Auf den Spu­ren von Wil­hel­mi­ne Siefkes

Erle­ben Sie eine Zeit­rei­se durch Leer: Am Sonn­tag, den 17. Mai 2026, lädt eine beson­de­re Stadt­füh­rung dazu ein, das beein­dru­cken­de Leben der Ehren­bür­ge­rin Wil­hel­mi­ne Sief­kes (1890–1984) ken­nen­zu­ler­nen. Die Tour fin­det im Rah­men der lan­des­wei­ten Initia­ti­ve „frau­en­OR­TE“ statt und beleuch­tet die Sta­tio­nen einer Frau, die als Autorin, Leh­re­rin und poli­ti­sche Vor­kämp­fe­rin Geschich­te schrieb.

Alle Infos zur Stadt­füh­rung auf einen Blick:

  • Ter­min: Sonn­tag, 17. Mai 2026, um 11:30 Uhr

  • Treff­punkt: Bahn­über­gang Bre­mer Stra­ße / Ecke Reimersstraße

  • Dau­er: ca. 1,5 Stunden

  • Kos­ten: 7,50 € pro Person

  • Ziel: Wilhelmine-Siefkes-Platz


Von der „Gol­de­nen Kuh“ in die Politik

Die Füh­rung nimmt Sie mit zu den wich­tigs­ten Lebens­sta­tio­nen der bekann­tes­ten Schrift­stel­le­rin Ostfrieslands.

  1. Das Geburts­haus: In der Rat­haus­stra­ße 9 (Haus „Gol­de­ne Kuh“) erblick­te Wil­hel­mi­ne Sief­kes 1890 das Licht der Welt. Das his­to­ri­sche Gebäu­de zählt zu den ältes­ten erhal­te­nen Häu­sern der Leera­ner Altstadt.

  2. Poli­ti­sches Erwa­chen: Als eine der ers­ten Frau­en in der Leera­ner Poli­tik stritt sie ab 1928 für die SPD und im „Volks­bo­ten“ gegen sozia­le Not und für die Rech­te der Arbeiterfamilien.

  3. Wider­stand und „Keerl­ke“: Auf­grund ihrer Wei­ge­rung, den Treue­eid auf die Natio­nal­so­zia­lis­ten zu leis­ten, ver­lor sie 1933 ihre Stel­le als Leh­re­rin. In die­ser schwe­ren Zeit ent­stand ihr berühm­tes­ter Roman „Keerl­ke“, ein Mei­len­stein der platt­deut­schen Literatur.

Die Wil­hel­mi­ne-Sief­kes-Schu­le in Leer: Ein Denk­mal der Bildungsgeschichte

Im Her­zen der Stadt Leer, an der König­stra­ße, steht ein beein­dru­cken­des Zeug­nis nord­deut­scher Schul­ar­chi­tek­tur: die Wil­hel­mi­ne-Sief­kes-Schu­le. Errich­tet in den Jah­ren 1852/53 als städ­ti­sches Schul­haus, spie­gelt der Bau die wech­sel­vol­le Bil­dungs- und Ver­wal­tungs­ge­schich­te der Regi­on wider. Seit 1984 steht das his­to­ri­sche Gebäu­de unter Denk­mal­schutz und trägt heu­te den Namen der Ehren­bür­ge­rin, Leh­re­rin und bedeu­ten­den Schrift­stel­le­rin Wil­hel­mi­ne Siefkes.

Vom Pro­gym­na­si­um zum moder­nen Medi­en­zen­trum. Die Nut­zung des Gebäu­des gleicht einer Zeit­rei­se durch die Insti­tu­tio­nen der Stadt Leer. Ursprüng­lich für die All­ge­mei­ne Städ­ti­sche Höhe­re Bür­ger­schu­le kon­zi­piert, beher­berg­te der Kom­plex zunächst das ört­li­che Pro­gym­na­si­um, aus dem um 1896 das König­li­che Gym­na­si­um und Real­gym­na­si­um her­vor­ging. Foto: Ingo Ton­sor @LeserECHO-Verlag

Als die­ses 1909 in den Neu­bau des heu­ti­gen Ubbo-Emmi­us-Gym­na­si­ums umzog, begann eine Pha­se mul­ti­pler Nut­zun­gen:

Frü­hes 20. Jahr­hun­dert: Ein­zug der Hand­wer­ker­schu­le und der Prä­pa­ran­den­an­stalt.
Ab 1929: Nut­zung als Finanz­amt der Stadt.
Nach dem Zwei­ten Welt­krieg: Funk­ti­on als Berufs­schu­le.
Ab 1967: Sitz der katho­li­schen Lud­ge­ri­schu­le.
Spä­te­re Moder­ne: Nut­zung durch die Volks­hoch­schu­le (VHS).
Heu­te schlägt das his­to­ri­sche Gemäu­er eine Brü­cke in die Moder­ne. Neben der Funk­ti­on als Kreis­me­di­en­zen­trum bie­tet das Gebäu­de Raum für sozia­le Infra­struk­tur und dient als Stand­ort für eine vor­läu­fi­ge Kin­der­ta­ges­stät­te. Damit bleibt die ehe­ma­li­ge Wil­hel­mi­ne-Sief­kes-Schu­le auch ohne akti­ven Regel­schul­be­trieb ein leben­di­ger Ort des Ler­nens und der Gemein­schaft im Stadt­bild von Leer.
Gedenk­ta­fel an der his­to­ri­schen Wil­hel­mi­ne-Sief­kes-Schu­le. Die Ehren­ta­fel an der König­stra­ße 33 erin­nert an das tra­di­ti­ons­rei­che Gebäu­de aus den Jah­ren 1852/53, das heu­te den Namen der Leera­ner Ehren­bür­ge­rin trägt. 
Seit 1984 steht das his­to­ri­sche Gebäu­de unter Denk­mal­schutz und trägt heu­te den Namen der Ehren­bür­ge­rin, Leh­re­rin und bedeu­ten­den Schrift­stel­le­rin Wil­hel­mi­ne Siefkes.

Ein Ver­mächt­nis, das bleibt

Nach dem Krieg wid­me­te sich Wil­hel­mi­ne Sief­kes ganz der Lite­ra­tur und der Hei­mat­pfle­ge. Für ihr Wir­ken erhielt sie unter ande­rem das Bun­des­ver­dienst­kreuz und die Ehren­bür­ger­schaft der Stadt Leer.

Die Stadt­füh­rung macht die­ses Erbe greif­bar. Sie führt von den engen Gas­sen der Alt­stadt bis hin zu ihrem lang­jäh­ri­gen Wohn­sitz am Gro­ßen Olde­kamp. Ent­de­cken Sie, war­um Wil­hel­mi­ne Sief­kes bis heu­te als eine der inter­es­san­tes­ten Per­sön­lich­kei­ten des 20. Jahr­hun­derts in Ost­fries­land gilt.


Die Tour endet am Wil­hel­mi­ne-Sief­kes-Platz, unweit des Was­ser­turms – ein idea­ler Ort, um den Spa­zier­gang durch das his­to­ri­sche Leer aus­klin­gen zu lassen.

Gedenk­ta­feln am Geburts­haus in der Rat­haus­stra­ße
Die Tafeln an der Fas­sa­de des Hau­ses „Gol­de­ne Kuh“ wei­sen auf die his­to­ri­sche Bedeu­tung des Gebäu­des hin. Hier wur­de im Jahr 1890 die spä­te­re Leera­ner Ehren­bür­ge­rin und Schrift­stel­le­rin Wil­hel­mi­ne Sief­kes gebo­ren. Foto: Ingo Ton­sor @LeserECHO-Verlag
Das Geburts­haus in der Leera­ner Alt­stadt
In der Rat­haus­stra­ße 9, dem geschichts­träch­ti­gen Haus „Gol­de­ne Kuh“, erblick­te Wil­hel­mi­ne Sief­kes im Jahr 1890 das Licht der Welt. Das his­to­ri­sche Gebäu­de zählt zu den ältes­ten erhal­te­nen Wohn­häu­sern im his­to­ri­schen Stadt­kern von Leer. Foto: Ingo Ton­sor @LeserECHO-Verlag
Eine Gedenk­ta­fel erin­nert seit­her an die renom­mier­te Autorin der Initia­ti­ve „frau­en­OR­TE Nie­der­sach­sen“. Im angren­zen­den Wohn­haus (Gro­ßer Olde­kamp 2) leb­te und wirk­te Wil­hel­mi­ne Sief­kes von 1933 bis zu ihrem Tod im Jahr 1984. Nach­dem das ursprüng­li­che Gebäu­de durch einen Bom­ben­an­griff zer­stört wor­den war, errich­te­ten Herr Loquard und ihr lang­jäh­ri­ger Weg­ge­fähr­te Lou­is The­le­mann die Dop­pel­haus­hälf­te in den Jah­ren 1943/44 neu. Wäh­rend der Bau­pha­se fand die Gemein­schaft vor­über­ge­hend Zuflucht in der Fabri­ci­us­stra­ße 14. Mit dem Platz und der Ehren­ta­fel hält die Stadt Leer das Ver­mächt­nis die­ser außer­ge­wöhn­li­chen Frau­en­per­sön­lich­keit für nach­fol­gen­de Gene­ra­tio­nen leben­dig. Foto: Ingo Ton­sor @LeserECHO-Verlag
Die letz­te Ruhe­stät­te einer bedeu­ten­den Stim­me Ost­fries­lands
Am 28. August 1984 ver­starb die Schrift­stel­le­rin Wil­hel­mi­ne Sief­kes im Alter von 94 Jah­ren fried­lich in ihrem Arbeits­zim­mer im Gro­ßen Olde­kamp 2 in Leer. Das Foto zeigt das Fami­li­en­grab auf dem luthe­ri­schen Fried­hof an der Heis­fel­der Stra­ße, wo sie ihre letz­te Ruhe fand. Wäh­rend der Beer­di­gungs­fei­er sprach die bekann­te Lyri­ke­rin Gre­ta Scho­on aus Spet­zer­fehn ein Gedicht aus der Feder von Wil­hel­mi­ne Sief­kes. Foto: Ingo Ton­sor @LeserECHO-Verlag
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