Wirtschaft

Droht das Aus für 800.000 Mini­jobs im Einzelhandel?

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Gefähr­li­cher Irr­weg: HDE warnt vor Abschaf­fung der Mini­jobs im Zuge der Rentenreform

Der Han­dels­ver­band Deutsch­land (HDE) übt schar­fe Kri­tik an den aktu­el­len Plä­nen zur Ren­ten­re­form. Ins­be­son­de­re die ange­streb­te Abschaf­fung der Mini­jobs sowie geplan­te Bei­trags­stei­ge­run­gen sto­ßen beim Ver­band auf mas­si­ven Widerstand.

Ste­fan Genth, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des HDE, bezeich­net die geplan­te Abschaf­fung der Mini­jobs als „gefähr­li­chen Irr­weg“. Aus Sicht des Ver­ban­des droht dadurch der Ver­lust von Hun­dert­tau­sen­den Arbeits­plät­zen im Einzelhandel.

Bedeu­tung für Beschäf­tig­te und Handel

Der HDE betont, dass Mini­jobs für vie­le Per­so­nen­grup­pen eine essen­zi­el­le Finan­zie­rungs­säu­le darstellen.

  • Fle­xi­bi­li­tät für Beschäf­tig­te: Vie­le Mini­job­ber, etwa Rent­ner, Stu­den­ten oder Men­schen mit Betreu­ungs­ver­pflich­tun­gen für Kin­der, kön­nen aus ver­schie­de­nen Grün­den kei­ne Voll­zeit­ar­beit aufnehmen.

  • Unver­zicht­bar für Unter­neh­men: Han­dels­un­ter­neh­men nut­zen Mini­job­ber, um Per­so­nal fle­xi­bel ein­zu­set­zen und Stoß­zei­ten abzu­de­cken. In einer ohne­hin schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen Lage wür­den zusätz­li­che Belas­tun­gen für Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber als fatal bewertet.

Wider­sprü­che in der Finanzierung

Der HDE ver­weist auf Inkon­sis­ten­zen zu geplan­ten Ände­run­gen in der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Dort soll die allein arbeit­ge­ber­fi­nan­zier­te Pau­schal­ab­ga­be für Mini­job­ber auf fast 40 Pro­zent stei­gen – eine Erhö­hung um mehr als acht Prozentpunkte.

Ange­sichts der erwar­te­ten Mehr­ein­nah­men von über 3,1 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich durch die­se Pau­scha­le stellt Genth die Gegen­fi­nan­zie­rung einer Mini­job-Abschaf­fung in Fra­ge. Zudem kri­ti­siert er, dass die Ein­be­zie­hung gering­fü­gig Beschäf­tig­ter in die Bei­trags­pflicht einen enor­men Ver­wal­tungs­auf­wand erzeu­ge, ohne den Sozi­al­ver­si­che­run­gen nen­nens­wer­te Mehr­ein­nah­men zu brin­gen. Allein im Ein­zel­han­del sind der­zeit 800.000 Mini­job­ber beschäf­tigt, ein ver­ant­wor­tungs­vol­le­rer Umgang mit die­ser Grup­pe sei drin­gend geboten.

Kri­tik an Kapi­tal­ren­te und For­de­rung nach mehr Tempo

Auch die Emp­feh­lung zur pari­tä­tisch finan­zier­ten Kapi­tal­ren­te unter dem Dach der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung lehnt der HDE ab. Eine zusätz­li­che Bei­trags­stei­ge­rung um zwei Pro­zent wür­de die Wett­be­werbs­fä­hig­keit Deutsch­lands gefähr­den und bestehen­de tarif­li­che Rege­lun­gen zur Alters­vor­sor­ge unterwandern.

Posi­tiv bewer­tet der Ver­band hin­ge­gen die Plä­ne zur Abschaf­fung der „Ren­te mit 63“. Auch die Kopp­lung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters an die stei­gen­de Lebens­er­war­tung fin­det Zustim­mung, aller­dings mahnt Genth mehr Tem­po an: Die von der Kom­mis­si­on vor­ge­schla­ge­ne Anhe­bung des Ein­tritts­al­ters um sechs Mona­te über einen Zeit­raum von zehn Jah­ren sei zu langsam.

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