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Emsverschlickung im Rheiderland: Folgen für Entwässerung und Wasserwirtschaft
Im Rahmen ihrer Sommertour sprach die SPD-Bundestagsabgeordnete Anja Troff-Schaffarzyk mit dem Oberdeichrichter Meint Hensmann (rechts) und dem Obersielrichter Heinrich van Lessen unter anderem über die Verschlickung der Ems. Foto: SPD-Büro
Emsverschlickung im Rheiderland: Wasserwirtschaft stärker in den Blick nehmen
Die Verschlickung der Ems ist längst nicht mehr nur ein Thema für die Schifffahrt. Bei einem Gespräch in Jemgum informierte sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Anja Troff-Schaffarzyk über die Folgen für Entwässerung, Hochwasser- und Küstenschutz sowie die gesamte Wasserwirtschaft im Rheiderland.
JEMGUM. Die Verschlickung der Ems bleibt eine große ökologische und wasserwirtschaftliche Herausforderung. Dabei geht es längst um mehr als die Frage, wie die Bundeswasserstraße für die Schifffahrt funktionsfähig gehalten werden kann. Auch der Hochwasser- und Küstenschutz, die Entwässerung, die Landwirtschaft und langfristig die Trinkwasserversorgung sind von den Entwicklungen betroffen.
Bei ihrer Sommertour sprach die SPD-Bundestagsabgeordnete Anja Troff-Schaffarzyk in Jemgum mit dem Oberdeichrichter Meint Hensmann und dem Obersielrichter Heinrich van Lessen über die aktuellen Herausforderungen. Dabei wurde deutlich, dass es bereits interessante Lösungsansätze gibt, deren Umsetzung jedoch häufig durch rechtliche und bürokratische Vorgaben sowie unterschiedliche Interessen erschwert wird.
Pilotprojekt „Emsschlick“ soll neue Wege aufzeigen
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war das Pilotprojekt „Emsschlick“. Dabei werden neue Möglichkeiten für den Umgang mit dem anfallenden Schlick erprobt.
Ein Ansatz besteht darin, aufbereiteten Schlick beziehungsweise einen daraus gewonnenen Kleiersatz auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Binnenland einzusetzen. Nach den bisherigen Erfahrungen kann das Material positive Auswirkungen auf die Böden haben.
„Der Emsschlick ist für viele Menschen keine abstrakte Umweltfrage, sondern ein ganz konkretes Problem im Alltag“, erklärte Anja Troff-Schaffarzyk. Umso erfreulicher sei es, dass die Verwertung des Schlicks auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Binnenland funktioniere. Der aufbereitete Kleiersatz könne sich positiv auf die Böden auswirken.
„Diesen Lösungsansatz müssen wir dringend weiterverfolgen“, appellierte die Bundestagsabgeordnete.
Zwischen Umweltschutz und Bundeswasserstraße
Gleichzeitig ist sich Troff-Schaffarzyk bewusst, dass die Verschlickung der Ems nicht mit einem einzelnen Projekt gelöst werden kann. Die Anforderungen sind komplex: Einerseits müsse die Wasserqualität verbessert werden, andererseits müsse die Ems als Bundeswasserstraße funktionsfähig bleiben.
„Genau diesen politischen und fachlichen Spagat müssen wir hinbekommen“, betonte die Abgeordnete.
Damit treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Der Schutz der Gewässer und der Umwelt steht ebenso im Mittelpunkt wie die Aufrechterhaltung der Funktion der Ems als wichtige Wasserstraße.
Verschlickte Entwässerungsgräben erschweren die Wasserabfuhr
Im Gespräch in Jemgum ging es auch um die praktischen Auswirkungen der zunehmenden Verschlickung. Die Räumung von Schlick und Pflanzenresten aus Entwässerungsgräben ist aufwendig und verursacht zusätzlichen Arbeits- und Kostenaufwand.
Auch die Teekabfuhr war Thema des Gesprächs. Hinzu kommen mögliche indirekte Auswirkungen der Emsverschlickung auf die Gewinnung und Aufbereitung von Rohwasser.
Besonders relevant ist die Situation für die Entwässerung im Rheiderland. Wenn Gewässer und Vorfluter stark verschlickt sind, wird es für Schöpfwerke, Siele und andere Entwässerungssysteme schwieriger, Wasser zuverlässig abzuführen.
Das stellt die Arbeit der Deich- und Sielacht vor zusätzliche Herausforderungen. Gleichzeitig können die Folgen unmittelbar die landwirtschaftlichen Betriebe und Anwohner im Rheiderland betreffen.
Wasserwirtschaft muss langfristig gedacht werden
Für Anja Troff-Schaffarzyk zeigt sich deshalb immer deutlicher, dass die Emsverschlickung in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden muss.
„Die Emsverschlickung ist somit nicht nur eine Frage der Schifffahrt und der Entwässerung. Sie kann auch die Gewinnung und Aufbereitung von Rohwasser erschweren“, erklärte die Bundestagsabgeordnete.
Zusätzliche Bedeutung bekommt das Thema durch weitere Veränderungen der Wasserverhältnisse. Zunehmende Versalzung und längere Trockenphasen seien bereits heute spürbar und müssten bei den Planungen berücksichtigt werden.
„Mit der zunehmenden Versalzung und längeren Trockenphasen, wie wir sie schon jetzt haben, müssen wir deshalb die Auswirkungen auf unsere gesamte Wasserwirtschaft im Blick haben“, forderte Troff-Schaffarzyk.
Das Gespräch in Jemgum machte damit deutlich: Die Herausforderungen rund um die Ems reichen weit über die Schifffahrt hinaus. Für den Rheiderlandraum wird es zunehmend wichtig, Entwässerung, Hochwasser- und Küstenschutz, Gewässerqualität, Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung gemeinsam zu betrachten und langfristig aufeinander abzustimmen.