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Finanz­not in Kom­mu­nen: Land­kreis Leer schlägt Alarm

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Die Kom­mu­nen im Land­kreis Leer schau­en mit gro­ßem Ernst und gro­ßer Sor­ge auf die nega­ti­ve Ent­wick­lung ihrer Haus­hal­te. Bei einem Ter­min in Leer unter­zeich­ne­ten Bür­ger­meis­ter bzw. deren all­ge­mei­ne Ver­tre­ter sowie der Land­rat einen gemein­sa­men Hil­fe­ruf an Minis­ter­prä­si­dent Olaf Lies.

Kom­mu­nen in Not: Dra­ma­ti­scher Hil­fe­ruf aus dem Land­kreis Leer an die Landesregierung

Leer – Die finan­zi­el­le Lage im Land­kreis Leer ist so ernst wie nie zuvor. In einem gemein­sa­men Kraft­akt haben der Land­kreis und sei­ne zwölf kreis­an­ge­hö­ri­gen Kom­mu­nen einen drin­gen­den Hil­fe­ruf – einen „SOS-Funk­spruch“ – an Minis­ter­prä­si­dent Olaf Lies gerich­tet. Am Frei­tag, den 24. April, unter­zeich­ne­ten die Bür­ger­meis­ter und der Land­rat im Mari­ti­men Kom­pe­tenz­zen­trum in Leer ein ent­spre­chen­des Schrei­ben, das eine deut­li­che Auf­sto­ckung der Lan­des­un­ter­stüt­zung fordert.

„Auf Pump“: Das Tages­ge­schäft ist gefährdet

Die Ver­tre­ter der Arbeits­ge­mein­schaft (AG) fin­den kla­re Wor­te für die pre­kä­re Situa­ti­on: Man wer­de von Schul­den erdrückt, wäh­rend immer mehr Mit­tel für Zins und Til­gung ver­lo­ren gin­gen. Selbst der lau­fen­de Betrieb in den Rat­häu­sern und im Kreis­haus kön­ne oft nur noch über Kre­di­te finan­ziert wer­den. Drin­gend not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen sei­en kaum noch realisierbar.

Die dra­ma­ti­schen Zah­len im Überblick

Daten aus den öffent­li­chen Haus­hal­ten bele­gen den dro­hen­den finan­zi­el­len Kollaps:

  • Mas­si­ver Schul­den­berg: Die Inves­ti­ti­ons­schul­den stie­gen inner­halb von vier Jah­ren um 38 % auf fast 268 Mil­lio­nen Euro (Stand Ende 2025). Bis 2029 wird mit einer Ver­dop­pe­lung auf über 540 Mil­lio­nen Euro gerechnet.

  • Absturz in die Defi­zit­zo­ne: Nach Jah­ren mit Über­schüs­sen pro­gnos­ti­zie­ren die Kom­mu­nen für 2026 ein Gesamt­de­fi­zit von über 90 Mil­lio­nen Euro. Bis 2029 könn­te die­ses auf über 260 Mil­lio­nen Euro anwachsen.

  • Liqui­di­täts­kre­di­te: Um die Zah­lungs­fä­hig­keit zu sichern, wer­den bereits jetzt kreis­weit 17,4 Mil­lio­nen Euro an Über­zie­hungs­kre­di­ten genutzt – eine gefähr­li­che Abwärtsspirale.

Kri­tik an Bund und Land: „Kon­ne­xi­täts­prin­zip“ gefordert

Die Kom­mu­nen sehen die Haupt­ur­sa­che in der Gesetz­ge­bung von Bund und Land. Immer neue Auf­ga­ben und Stan­dards – etwa bei der Ganz­tags­be­treu­ung in Grund­schu­len oder der Kita-Finan­zie­rung – wer­den den Kom­mu­nen auf­er­legt, ohne dass eine aus­rei­chen­de finan­zi­el­le Aus­stat­tung folgt. Allein im Bereich der Kitas ver­bleibt im Land­kreis Leer trotz Lan­des­zu­schüs­sen ein Defi­zit von rund 56 Mil­lio­nen Euro.

„Der Auf­ga­be muss das Geld fol­gen“, so die zen­tra­le For­de­rung der Kommunen.

Ende des „Stell­ver­tre­ter­streits“

Die pre­kä­re Lage führ­te in der Ver­gan­gen­heit auch zu juris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen dem Land­kreis und den Kom­mu­nen über die Kreis­um­la­ge. Im Schrei­ben an den Minis­ter­prä­si­den­ten wird deut­lich gemacht, dass dies ledig­lich ein Stell­ver­tre­ter­streit sei. Um die­sen nach­hal­tig zu lösen, müs­se das Land Nie­der­sach­sen als wesent­li­cher Kos­ten­ver­ur­sa­cher end­lich sei­ner Ver­ant­wor­tung nachkommen.


Hin­ter­grund: Die Arbeits­ge­mein­schaft (AG) Die 2024 gegrün­de­te AG besteht aus drei Ver­tre­tern der Kreis­ver­wal­tung sowie sie­ben Ver­tre­tern der Städ­te und Gemein­den. Ziel ist neben der Klä­rung von Finanz­be­zie­hun­gen eine enge­re Zusam­men­ar­beit und die Nut­zung von Syn­er­gie­ef­fek­ten, um den dras­ti­schen Spar­zwän­gen entgegenzuwirken.

 

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