Wirtschaft
Firmenpleiten in Deutschland auf höchstem Stand seit 20 Jahren
Insolvenztrend: Firmenpleiten erreichen höchsten Stand seit über 20 Jahren
Die deutsche Wirtschaft steht vor einer massiven Insolvenzwelle. Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in seinem aktuellen Insolvenztrend berichtet, ist die Zahl der Firmenpleiten im März 2026 überraschend deutlich gestiegen. Damit erreicht das erste Quartal des Jahres einen Negativrekord, der seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr verzeichnet wurde.
Höchster Stand seit 2005
Im März wurden bundesweit 1.716 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Dies entspricht einer Steigerung von 17 % gegenüber dem Vormonat und liegt sogar 71 % über dem Durchschnitt der Jahre vor der Corona-Pandemie. Ein vergleichbar hoher Wert wurde zuletzt im Juni 2005 gemessen.
Besonders betroffen zeigen sich derzeit drei Branchen, in denen die höchsten jemals gemessenen Werte verzeichnet wurden:
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das Baugewerbe,
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der Handel,
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sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen.
Regional konzentriert sich das Geschehen vor allem auf Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, wo ebenfalls Höchstwerte erreicht wurden.
Fokus auf kleinere Unternehmen
Interessanterweise ist die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze im Vergleich zum Vorjahr gesunken, obwohl die Anzahl der Insolvenzen massiv gestiegen ist. Im März waren rund 14.000 Jobs von Großinsolvenzen betroffen. Das deutet darauf hin, dass die aktuelle Pleitewelle vor allem kleinere Unternehmen trifft.
Im gesamten ersten Quartal 2026 summierten sich die Insolvenzen auf 4.573 Fälle. Damit liegen die Zahlen sogar höher als während der schweren Finanzkrise im Jahr 2009. Insgesamt waren im ersten Vierteljahr etwa 54.000 Arbeitsplätze betroffen, der Großteil davon (rund 16.000 Stellen) im verarbeitenden Gewerbe.
Wenig Optimismus für die kommenden Monate
Die Experten des IWH blicken mit Sorge auf das zweite Quartal. Die Frühindikatoren, die das Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorausahnen lassen, sind zuletzt kontinuierlich angestiegen.
„Unsere Frühindikatoren lassen für das zweite Quartal 2026 wenig Raum für Optimismus“, erklärt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Es sei damit zu rechnen, dass die Insolvenzzahlen auf einem sehr hohen Niveau bleiben und sich die Spitzenwerte aus dem März wiederholen könnten.
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