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Frie­sen­brü­cke über die Ems: Aus 30 Mil­lio­nen Euro wur­den 277 Millionen

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Frie­sen­brü­cke: Aus 30 Mil­lio­nen Euro wur­den 277 Mil­lio­nen Euro

Weener/Westoverledingen. Die Frie­sen­brü­cke über die Ems ver­bin­det die ost­frie­si­schen Kom­mu­nen Wee­ner und Wes­t­ov­er­le­din­gen und ist ein wich­ti­ger Bestand­teil der Bahn­stre­cke zwi­schen Leer und Gro­nin­gen in den Nie­der­lan­den. Nach der Kol­li­si­on mit dem Fracht­schiff „Ems­moon“ am 3. Dezem­ber 2015 war die rund 335 Meter lan­ge Eisen­bahn­brü­cke nicht mehr nutz­bar. Der Bund der Steu­er­zah­ler Deutsch­land kri­ti­siert nun die Ent­wick­lung von Kos­ten und Bau­zeit beim Ersatzneubau.

Unfall mach­te wich­ti­ge Ver­bin­dung unpassierbar

In der Nacht zum 3. Dezem­ber 2015 kol­li­dier­te das Fracht­schiff „Ems­moon“ mit der Frie­sen­brü­cke. Die Eisen­bahn­klapp­brü­cke wur­de dabei so schwer beschä­digt, dass sie anschlie­ßend nicht mehr genutzt wer­den konnte.

Die Fol­gen waren weit­rei­chend. Die Frie­sen­brü­cke ist Bestand­teil der Bahn­stre­cke zwi­schen Leer und Gro­nin­gen und damit eine wich­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen Deutsch­land und den Nie­der­lan­den. Gleich­zei­tig stellt sie eine bedeu­ten­de Que­rungs­mög­lich­keit für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer dar.

Ins­be­son­de­re für den Fahr­rad­tou­ris­mus sowie für die Men­schen in der Regi­on bedeu­te­te der Aus­fall erheb­li­che Ein­schrän­kun­gen. Die nächs­te Mög­lich­keit, die Ems zu Fuß oder mit dem Fahr­rad zu über­que­ren, liegt rund zehn Kilo­me­ter entfernt.

Ursprüng­lich waren rund 30 Mil­lio­nen Euro vorgesehen

Nach dem Unfall plan­te die Deut­sche Bahn als Eigen­tü­me­rin der Frie­sen­brü­cke zunächst einen kon­struk­tiv opti­mier­ten Ersatz der bis­he­ri­gen Klapp­brü­cke. Damit soll­te die Bahn­ver­bin­dung ver­gleichs­wei­se schnell wie­der­her­ge­stellt werden.

Nach dama­li­gen Pla­nun­gen wur­de von einer Bau­zeit von rund fünf Jah­ren aus­ge­gan­gen. Die Wie­der­in­be­trieb­nah­me war für 2021 vor­ge­se­hen. Die Kos­ten wur­den zunächst auf etwa 30 Mil­lio­nen Euro geschätzt.

Nach Dar­stel­lung des Bun­des der Steu­er­zah­ler änder­te sich die­se Pla­nung jedoch grundlegend.

Land, Kom­mu­nen und Werft for­der­ten grö­ße­re Durchfahrtsbreite

Das Land Nie­der­sach­sen, die anlie­gen­den Kom­mu­nen und eine gro­ße, an der Ems ansäs­si­ge Werft setz­ten sich für eine deut­lich grö­ße­re Durch­fahrts­brei­te für Schif­fe ein.

Statt der bis­he­ri­gen 25 Meter soll­te die neue Brü­cke eine Durch­fahrts­brei­te von 56 Metern ermög­li­chen. Dafür wur­de eine neu­ar­ti­ge Kon­struk­ti­on als Hub-Dreh­brü­cke ins Spiel gebracht.

Hin­ter­grund waren unter ande­rem die Ein­schrän­kun­gen bei Schiffs­über­füh­run­gen der Werft. Bei der bis­he­ri­gen Brü­cke muss­te der mitt­le­re Brü­cken­teil bei ent­spre­chen­den Über­füh­run­gen mit einem Schiffs­kran aus­ge­ho­ben und anschlie­ßend wie­der ein­ge­setzt wer­den. Dadurch konn­te die Brü­cke teil­wei­se bis zu drei Tage für den Ver­kehr gesperrt werden.

Nach Anga­ben des Bun­des der Steu­er­zah­ler hät­te aller­dings auch der ursprüng­lich geplan­te 1:1‑Ersatz kon­struk­tiv so opti­miert wer­den kön­nen, dass sich die Sperr­zeit auf etwa einen Tag reduziert.

Ent­schei­dung für die Hub-Drehbrücke

Mit­te 2017 ent­schied sich das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um für die Hub-Dreh­brü­cke. Das Land Nie­der­sach­sen sag­te gleich­zei­tig eine Betei­li­gung an den zusätz­li­chen Kos­ten zu.

Zu die­sem Zeit­punkt wur­den die Kos­ten für die neue Kon­struk­ti­on auf rund 50 Mil­lio­nen Euro geschätzt. Die Inbe­trieb­nah­me war nun für 2024 vorgesehen.

Der Bund der Steu­er­zah­ler kri­ti­siert ins­be­son­de­re, dass nach sei­ner Dar­stel­lung zuvor kei­ne Wirt­schaft­lich­keits­rech­nung für unter­schied­li­che Brü­cken­va­ri­an­ten vor­ge­le­gen habe. Die Ent­schei­dung für die auf­wen­di­ge­re Kon­struk­ti­on sei viel­mehr poli­tisch getrof­fen worden.

Kos­ten stei­gen auf 66 und anschlie­ßend 96 Mil­lio­nen Euro

Im April 2018 teil­te die Deut­sche Bahn mit, dass bei der geplan­ten Hub-Dreh­brü­cke auch die vor­han­de­nen Vor­land­brü­cken nicht wei­ter genutzt wer­den könn­ten. Des­halb muss­ten auch die­se Berei­che neu gebaut werden.

Die Kos­ten­pro­gno­se stieg dadurch auf 66 Mil­lio­nen Euro.

Nur einen Monat spä­ter folg­te bereits die nächs­te deut­li­che Erhö­hung. Die Deut­sche Bahn ver­an­schlag­te die Kos­ten nun auf 96 Mil­lio­nen Euro. Dabei wur­den unter ande­rem Risi­ken im Zusam­men­hang mit dem auf­wen­di­gen Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren berücksichtigt.

Der Ersatz der Frie­sen­brü­cke ent­wi­ckel­te sich damit zuneh­mend zu einem kom­plet­ten Neubauprojekt.

Bau­ar­bei­ten begin­nen erst 2021

Die umfang­rei­chen Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren führ­ten dazu, dass die Bau­ar­bei­ten erst im Som­mer 2021 begin­nen konnten.

Auch die Kos­ten­pro­gno­se stieg wei­ter an. Nach Anga­ben des Bun­des der Steu­er­zah­ler wur­den zunächst 125 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2021, anschlie­ßend 210 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2022 und schließ­lich 277 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2024 veranschlagt.

Als Grün­de für die Kos­ten­stei­ge­run­gen wur­den unter ande­rem gestie­ge­ne Mate­ri­al- und Per­so­nal­kos­ten genannt.

Der Bund der Steu­er­zah­ler sieht aller­dings auch einen Zusam­men­hang mit der außer­ge­wöhn­li­chen Kon­struk­ti­on. Mit der neu­en Frie­sen­brü­cke ent­stand eine euro­pa­weit ein­zig­ar­ti­ge Hub-Dreh­brü­cke. Dadurch habe man beim Bau tech­nisch Neu­land betreten.

Neue Frie­sen­brü­cke seit 2025 für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer geöffnet

Eine ers­te wich­ti­ge Etap­pe wur­de im Sep­tem­ber 2025 erreicht. Nach fast zehn Jah­ren war die neue Frie­sen­brü­cke wie­der für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer nutzbar.

Für den Bahn­ver­kehr dau­er­te die Wie­der­her­stel­lung noch län­ger. Die Frei­ga­be für Züge ist nach der aktu­el­len Pla­nung für Herbst 2026 vorgesehen.

Damit könn­te die wich­ti­ge Bahn­ver­bin­dung zwi­schen Leer und Gro­nin­gen nach fast elf Jah­ren wie­der voll­stän­dig her­ge­stellt werden.

Kri­tik des Bun­des der Steuerzahler

Der Bund der Steu­er­zah­ler Deutsch­land stellt bei sei­ner Kri­tik ins­be­son­de­re die Ent­wick­lung von Kos­ten, Bau­zeit und Pla­nung in den Mit­tel­punkt. Nach sei­ner Dar­stel­lung hät­te ein deut­lich güns­ti­ge­rer und schnel­ler umsetz­ba­rer Ersatz der ursprüng­li­chen Klapp­brü­cke zur Ver­fü­gung gestanden.

Aus den zunächst ver­an­schlag­ten rund 30 Mil­lio­nen Euro für einen 1:1‑Ersatz wur­de eine Kos­ten­pro­gno­se von zuletzt 277 Mil­lio­nen Euro für die neue Hub-Drehbrücke.

Der Fall Frie­sen­brü­cke zeigt damit ein­drucks­voll, wie stark sich Kos­ten und Zeit­plan eines Infra­struk­tur­pro­jekts ver­än­dern kön­nen, wenn sich die ursprüng­li­che Pla­nung grund­le­gend ändert.

Bei­trags­bild: Ingo Ton­sor @LeserECHO

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