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Leer als „was­ser­sen­si­ble Stadt der Zukunft“: Uni-Pro­jekt lie­fert wich­ti­ge Impulse

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Das Foto zeigt von links Stadt­bau­rat Jens Lüning, Kli­ma­schutz­ma­na­ge­rin Cin­dy Grätz, die Stu­den­tin­nen Luca Küh­ne, Jule Olde­wur­tel, Ilka Urban­ski, Arya Pat­tath und Lina Schu­mann sowie Pro­fes­sor Dr. Rai­ner Dani­el­zyk, Kli­ma­fol­gen­an­pas­sungs­ma­na­ge­rin Caro­lin Hei­ler und Dozen­tin Johan­na Richter.

Die was­ser­sen­si­ble Stadt der Zukunft: Uni-Mas­ter­pro­jekt lie­fert weg­wei­sen­de Impul­se für Leer

Leer. Der Kli­ma­wan­del stellt Kom­mu­nen welt­weit vor mas­si­ve Her­aus­for­de­run­gen: Auf der einen Sei­te for­dern extre­me Stark­re­gen­er­eig­nis­se die städ­ti­sche Ent­wäs­se­rung her­aus, auf der ande­ren Sei­te ver­lan­gen lang­an­hal­ten­de Tro­cken­pe­ri­oden nach klu­gen Spei­cher­kon­zep­ten. Wie kann sich die Stadt Leer vor die­sem Hin­ter­grund zukunfts­si­cher und resi­li­ent aufstellen?

Mit genau die­ser Fra­ge haben sich Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten der Gott­fried-Wil­helm-Leib­niz-Uni­ver­si­tät Han­no­ver inten­siv beschäf­tigt. Im Rah­men eines weg­wei­sen­den Mas­ter­pro­jekts im Stu­di­en­gang Umwelt- und Regio­nal­pla­nung ent­wi­ckel­ten die ange­hen­den Exper­ten eine maß­ge­schnei­der­te Was­ser­ma­nage­ment-Stra­te­gie für Leer. Ein Koope­ra­ti­ons­an­ge­bot, das die Stadt­ver­wal­tung dan­kend ange­nom­men hat­te. Nun wur­den die Ergeb­nis­se im Rat­haus präsentiert.


 

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Grün-blaue Infra­struk­tur: Der Abschied vom klas­si­schen Kanaldenken

Die zen­tra­len Erkennt­nis­se der Stu­die­ren­den basie­ren auf inter­na­tio­na­len Pra­xis­bei­spie­len. Das kla­re Cre­do für Leer lau­tet: Weg von der rei­nen Ablei­tung des Was­sers, hin zu einer was­ser­sen­si­blen Stadtplanung.

„Dezen­tra­le Ver­si­cke­rung ist der Trend“,

unter­strich Pro­fes­sor Dr. Rai­ner Dani­el­zyk, der das Pro­jekt gemein­sam mit der Dozen­tin Johan­na Rich­ter wis­sen­schaft­lich beglei­tet hat. Das Ziel ist eine soge­nann­te grün-blaue Infra­struk­tur, bei der Was­ser gezielt im Stadt­bild gehal­ten, gespei­chert oder ver­si­ckert wird, statt die Kana­li­sa­ti­on zu überlasten.

Für eine fun­dier­te Ana­ly­se arbei­te­ten die Stu­die­ren­den über meh­re­re Mona­te hin­weg mit hoch­prä­zi­sen Geo­da­ten. Zudem führ­ten sie zahl­rei­che Exper­ten­in­ter­views mit Schlüs­sel­ak­teu­ren der Regi­on – dar­un­ter die Stadt­ver­wal­tung, das Amt für Was­ser­wirt­schaft des Land­krei­ses, der Nie­der­säch­si­sche Lan­des­be­trieb für Was­ser­wirt­schaft, Küs­ten- und Natur­schutz (NLWKN) sowie die Stadt­wer­ke. Das Resul­tat ist ein umfang­rei­cher Abschluss­be­richt mit kon­kre­ten Handlungsempfehlungen.


Die Kern­emp­feh­lun­gen: Natur­nah und vernetzt

Die Aus­ar­bei­tun­gen der Uni­ver­si­tät Han­no­ver zei­gen deut­lich, dass ein zukunfts­fä­hi­ges Was­ser­ma­nage­ment nicht an admi­nis­tra­ti­ven Gren­zen halt­ma­chen darf. Die Stu­die­ren­den beton­ten, wie ent­schei­dend eine enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen städ­ti­schen und länd­li­chen Gebie­ten sowie eine opti­mier­te Koor­di­nie­rung aller betei­lig­ten Akteu­re ist.

Die wich­tigs­ten Maß­nah­men im Überblick:

  • Natur­ba­sier­te Rück­hal­tung im Stra­ßen­bild: Regen­was­ser soll­te dort auf­ge­fan­gen wer­den, wo es fällt. Emp­foh­len wird die Inte­gra­ti­on von Grün­strei­fen, Bio­fil­tra­ti­ons­flä­chen, durch­läs­si­gen Pflas­te­run­gen und offe­nen Grä­ben direkt in den Straßenraum.

  • Kli­ma­re­si­li­en­te Stadt­vier­tel: Bei Neu­bau­ten und Quar­tiers­sa­nie­run­gen müs­sen Rück­hal­te­flä­chen sowie flä­chen­de­cken­de Ent­wäs­se­rungs- und Regen­was­ser­spei­cher­sys­te­me von vorn­her­ein mit­ge­dacht werden.

  • Digi­ta­le Inno­va­ti­on & Bür­ger­be­tei­li­gung: Die Bedeu­tung von Moni­to­ring und prä­zi­ser Risi­ko­be­wer­tung nimmt rasant zu. Hier schla­gen die Stu­die­ren­den den Ein­satz von Fern­sen­so­ren vor, die in Smart­phone-Anwen­dun­gen inte­griert wer­den könn­ten. Bür­ge­rin­nen und Bür­ger könn­ten so aktiv Über­schwem­mun­gen oder die Regen­was­ser­qua­li­tät im Blick behalten.


Bür­ger im Boot: Vom pri­va­ten Gar­ten bis zur Aufklärung

Das Kon­zept setzt stark auf die Mit­hil­fe der Bevöl­ke­rung. Auch auf pri­va­ten Gar­ten­flä­chen schlum­mert gro­ßes Poten­zi­al, um Regen­was­ser dezen­tral zu ver­si­ckern oder über Zis­ter­nen zwi­schen­zu­spei­chern. Flan­kiert wer­den soll­te dies nach Ansicht der Pla­ner durch geziel­te Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen zum The­ma Was­ser­ein­spa­rung, um das Bewusst­sein für die wert­vol­le Res­sour­ce im All­tag zu schärfen.


Direk­tes Fun­da­ment für das Klimafolgenanpassungskonzept

Im Leera­ner Rat­haus stie­ßen die Ergeb­nis­se auf gro­ße Reso­nanz. Stadt­bau­rat Jens Lüning und Klim­fol­gen­an­pas­sungs­ma­na­ge­rin Caro­lin Hei­ler dank­ten der stu­den­ti­schen Dele­ga­ti­on für die wert­vol­le und detail­rei­che Ausarbeitung.

Vie­le der vor­ge­schla­ge­nen Impul­se sind für die Stadt nicht neu, son­dern decken sich erfreu­li­cher­wei­se mit den bereits lau­fen­den Pla­nun­gen: Die Stadt Leer arbei­tet der­zeit inten­siv in Koope­ra­ti­on mit einem Gut­ach­ter­bü­ro an einem eige­nen Kli­ma­fol­gen­an­pas­sungs­kon­zept. Caro­lin Hei­ler ver­sprach, dass die wert­vol­len Ergeb­nis­se und Daten der Leib­niz-Uni­ver­si­tät Han­no­ver direkt in die­sen lau­fen­den Pro­zess ein­flie­ßen wer­den. Leer stellt damit die Wei­chen für eine kli­ma­ge­rech­te und was­ser­sen­si­ble Zukunft.

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