News

Nie­der­sach­sen über­nimmt Füh­rung beim Windenergie-Ausbau

Veröffentlicht

am

Ener­gie­wen­de: Nie­der­sach­sen zün­det den „Wind­ener­gie-Tur­bo“ und lässt Kon­kur­renz hin­ter sich

In der jüngs­ten Aus­schrei­bungs­run­de der Bun­des­netz­agen­tur für Wind­ener­gie an Land hat Nie­der­sach­sen ein Rekord­ergeb­nis erzielt und sich deut­lich von den ande­ren Bun­des­län­dern abge­setzt. Mit fast einem Giga­watt an Zuschlä­gen unter­mau­ert das Land sei­ne Vor­rei­ter­rol­le, wäh­rend Ener­gie­mi­nis­ter Chris­ti­an Mey­er (Grü­ne) dras­tisch vor dro­hen­den „Stopp­schil­dern“ aus Ber­lin warnt.

Ein Markt im Umbruch: Über­zeich­nung und sin­ken­de Preise

Das Aus­schrei­bungs­er­geb­nis der Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA) zum Gebots­ter­min 1. Febru­ar offen­bart eine uner­war­tet hohe Dyna­mik im Markt. Die aus­ge­schrie­be­ne Men­ge von 3.445 Mega­watt (MW) Wind­ener­gie an Land war deut­lich über­zeich­net. Ins­ge­samt gin­gen 924 Gebo­te mit einer astro­no­mi­schen Gesamt­leis­tung von 7.858 MW ein. Am Ende erhiel­ten 439 Gebo­te einen Zuschlag.

Beson­ders bemer­kens­wert: Der Wett­be­werb drückt die Prei­se. Mit durch­schnitt­lich 5,54 Cent pro Kilo­watt­stun­de (ct/kWh) liegt der Gebots­preis signi­fi­kant unter dem Wert der vor­he­ri­gen Aus­schrei­bung von 6,06 ct/kWh. Das gerings­te Gebot lag deutsch­land­weit bei 5,19 ct/kWh, das höchs­te bei 5,64 ct/kWh. Für Ener­gie­mi­nis­ter Mey­er ist dies ein kla­res Signal: „Das zeigt, wie güns­tig Wind­strom ist. Er senkt den Strom­preis, ist die güns­tigs­te Strom­erzeu­gungs­form und muss daher aus­ge­baut werden.“

Nie­der­sach­sen deklas­siert Nordrhein-Westfalen

Die Macht­ver­hält­nis­se beim Aus­bau der Wind­ener­gie haben sich ver­scho­ben. Nie­der­sach­sen hat die Spit­zen­po­si­ti­on unter den Bun­des­län­dern nicht nur über­nom­men, son­dern mit bemer­kens­wer­ter Domi­nanz aus­ge­baut. Mit einem Zuschlags­vo­lu­men von fast einem Giga­watt – exakt 957 MW, ver­teilt auf 96 Ange­bo­te – liegt das Land unan­ge­foch­ten vorn.

Der Vor­sprung auf den Zweit­plat­zier­ten ist ekla­tant: 296 MW tren­nen Nie­der­sach­sen von Nord­rhein-West­fa­len, das im Vor­jahr noch den ers­ten Platz beleg­te und nun auf rund 661 MW kommt. Auf dem drit­ten Rang folgt Sach­sen-Anhalt mit gut 438 MW.

Der „Nie­der­sach­sen-Effekt“: Beschleu­nig­te Geneh­mi­gun­gen und hohe Akzeptanz

Hin­ter dem Erfolg steht eine geziel­te Stra­te­gie der Lan­des­re­gie­rung. Chris­ti­an Mey­er führt das Ergeb­nis auf inter­ne Struk­tur­re­for­men zurück: „Die Zah­len zei­gen: Unser Ener­gie-Tur­bo für die Erneu­er­ba­ren läuft unaufhörlich.“

Wesent­li­che Trei­ber sind demnach:

  • Die Task Force Ener­gie­wen­de: Sie hat die Geneh­mi­gungs­zei­ten für neue Wind­rä­der auf nur noch 10,6 Mona­te verkürzt.

  • Akzep­tanz- und Betei­li­gungs­ge­set­ze: Die Ein­füh­rung einer Wert­schöp­fungs­ab­ga­be sorgt für hohe Zustim­mung vor Ort. „Bei uns pro­fi­tie­ren die Men­schen vor Ort schon jetzt von der durch das Land ein­ge­führ­ten Akzep­tanz­ab­ga­be und Betei­li­gung“, so der Minister.

  • Rekord-Geneh­mi­gun­gen: Im Jahr 2025 wur­de eine Rekord­zahl von 807 Wind­rä­dern geneh­migt. Mey­er dank­te Kom­mu­nen und Bran­che für die­se „groß­ar­ti­ge Leistung“.

Kla­re Kan­te gegen Ber­lin: Sor­ge vor dem „Rei­che-Stopp“

Trotz des Tri­umphs mischt sich schar­fe Kri­tik in die Töne aus Han­no­ver. Mey­er rich­te­te eine deut­li­che War­nung an die Bun­des­ebe­ne, nament­lich an Bun­des­mi­nis­te­rin [Name der Minis­te­rin, falls Rei­che ein Platz­hal­ter ist, sonst: Rei­che]. Die Bran­che brau­che Pla­nungs- und Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit. „Die­ser Wind­ener­gie-Tur­bo darf jetzt aber nicht durch den von Bun­des­mi­nis­te­rin Rei­che geplan­ten Erneu­er­ba­ren-Stopp abge­würgt wer­den“, for­der­te er.

Unter­neh­men ver­füg­ten über rechts­kräf­ti­ge Geneh­mi­gun­gen. „Daher ist die Bun­des­re­gie­rung gut bera­ten, jetzt kein neu­es Stopp­schild und eine ‚Rei­che-Del­le‘ beim Erneu­er­ba­ren-Aus­bau zu verursachen.“

Die wei­te­re Stra­te­gie: Son­der­aus­schrei­bun­gen und Infrastruktur

Nie­der­sach­sen setzt auf eine Fort­set­zung der Expan­si­on. Der Minis­ter begrüß­te, dass der erfolg­rei­che gemein­sa­me Bun­des­rats­an­trag Bay­erns und Nie­der­sach­sens für mehr Wind­ener­gie im Kli­ma­schutz­pro­gramm der Bun­des­re­gie­rung auf­ge­grif­fen wur­de. Geplant ist eine zügi­ge Son­der­aus­schrei­bung von 12 wei­te­ren Giga­watt Windstrom.

Der Minis­ter beton­te die öko­no­mi­sche Logik: Wind- und Son­nen­strom wür­den immer güns­ti­ger und senk­ten dau­er­haft die Strom­prei­se für Haus­hal­te und Wirt­schaft. Bei Spei­chern erle­be man eine „ech­te Effi­zi­enz­re­vo­lu­ti­on“. Selbst die Bun­des­re­gie­rung rech­ne durch die geplan­ten 12 GW Son­der­aus­schrei­bun­gen mit dau­er­haft um 0,6 ct/kWh gerin­ge­ren Strom­kos­ten für alle. Daher sei es rich­tig, bun­des­weit auf Wind­kraft zu set­zen, da sie Wachs­tums­mo­tor für den länd­li­chen Raum sei und die ener­gie­in­ten­si­ve Indus­trie stärke.

Aller­dings mahn­te Mey­er auch hier zur Eile und for­der­te eine Beschleu­ni­gung des Aus­baus von Ener­gie­net­zen und ‑spei­chern („Netz- und Spei­cher-Tur­bo“), um die Kos­ten wei­ter zu sen­ken. Die 12 GW Son­der­aus­schrei­bun­gen müss­ten „schnell über die Büh­ne gehen“, da aus­rei­chend geneh­mig­te, aber noch nicht bezu­schlag­te Anla­gen exis­tie­ren. Zudem for­dert er zeit­nah sinn­vol­le Rege­lun­gen für das För­der­re­gime nach 2026.

Rea­li­sie­rung auf Rekord­kurs: Der Kurs steht

Auch die Rea­li­sie­rungs­zah­len unter­mau­ern den Trend. Im ers­ten Quar­tal 2026 wur­den laut Markt­stamm­da­ten­re­gis­ter in Nie­der­sach­sen 53 gro­ße Wind­kraft­an­la­gen mit einer Leis­tung von gut 302 MW instal­liert (deutsch­land­weit 195 Anla­gen mit 1.028 MW). Im glei­chen Zeit­raum des Vor­jah­res waren es rund 271 MW bei 52 Anlagen.

„Wir sind und blei­ben also auf Kurs“, erklär­te der Ener­gie­mi­nis­ter. „Mit fast einem Giga­watt wur­de allein in die­ser ers­ten Run­de zwei Drit­tel des­sen bezu­schlagt, was wir mit 1,5 Giga­watt als jähr­li­chen Net­to-Zubau pla­nen.“ Der „Wind-Tur­bo“ lau­fe und lau­fe. Nun sei es ent­schei­dend, dass alle bezu­schlag­ten Anla­gen zeit­nah rea­li­siert wer­den. Dies mache das Land unab­hän­gi­ger von Impor­ten schäd­li­cher fos­si­ler Ener­gien wie Öl und Gas und siche­re güns­ti­gen und sau­be­ren Strom.

Anzeige 
Die mobile Version verlassen