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Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal: 31,8 Kilo­me­ter Geschich­te, Schleu­sen und Frei­zeit auf Ost­fries­lands Wasserstraße

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Die MS „Ella“ auf dem Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal. Das Foto wur­de von Hans-Albert Dirks aufgenommen.

Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal: His­to­ri­sche Was­ser­stra­ße zwi­schen Jüm­me und Ems-Jade-Kanal

Der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal (NGFK) ist eine der bedeu­ten­den his­to­ri­schen Was­ser­stra­ßen Ost­fries­lands. Auf einer Län­ge von 31,8 Kilo­me­tern ver­bin­det er die Jüm­me bei Stick­hausen mit dem Ems-Jade-Kanal bei Mar­cards­moor nörd­lich von Wies­moor. Heu­te ist der Kanal vor allem für Sport­boot­fah­rer, Kanu­ten, Aus­flugs­schif­fe und Ang­ler von Bedeu­tung. Ursprüng­lich wur­de er jedoch vor allem für die Ent­wäs­se­rung der Moor­ge­bie­te und den Trans­port von Torf und Koh­le gebaut.

 

31,8 Kilo­me­ter Was­ser­stra­ße mit acht Schleusen

Der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal ist rund 13 Meter breit und ermög­licht einen Tief­gang von bis zu 1,4 Metern. Die zuläs­si­ge Durch­fahrts­hö­he beträgt grund­sätz­lich etwa 2,2 Meter. Ent­lang der Stre­cke befin­den sich ins­ge­samt acht Schleu­sen, außer­dem 15 fes­te und zehn beweg­li­che Brü­cken.

Der Kanal befin­det sich im Eigen­tum des Lan­des Nie­der­sach­sen und wird vom Nie­der­säch­si­schen Lan­des­be­trieb für Was­ser­wirt­schaft, Küs­ten- und Natur­schutz (NLWKN) betrieben.

Der end­gül­ti­ge Aus­bau des Nord­ge­orgs­fehn­ka­nals wur­de 1916 abge­schlos­sen. Der Kanal zweigt bei Kilo­me­ter 42,400 in Mar­cards­moor vom Ems-Jade-Kanal ab und stellt auf einer Stre­cke von 31,8 Kilo­me­tern die Ver­bin­dung zum Leda-Jüm­me-Gebiet her.

Geschich­te reicht bis in die 1820er-Jah­re zurück

Die Geschich­te des Nord­ge­orgs­fehn­ka­nals reicht deut­lich wei­ter zurück als bis zu sei­ner end­gül­ti­gen Fertigstellung.

Der süd­li­che Abschnitt wur­de bereits in den 1820er-Jah­ren gebaut. Er führ­te von der Jüm­me bei Stick­hausen durch das Moor­ge­biet bis nach Nord­ge­orgs­fehn. Die­ser Teil war bis 1829 fer­tig­ge­stellt und wur­de zunächst als „Stick­hau­ser Kanal“ bezeichnet.

Die wei­te­ren Abschnit­te wur­den anschlie­ßend nicht in einem zusam­men­hän­gen­den Bau­pro­jekt errich­tet. Die Ver­län­ge­rung über Remels bis nach Neu­dorf in der Gemein­de Uple­n­gen sowie spä­ter der wei­te­re Aus­bau bis zum Ems-Jade-Kanal wur­den jeweils in klei­ne­ren Teil­stü­cken geplant.

Ins­be­son­de­re die Moor­ko­lo­nis­ten waren am Aus­bau betei­ligt. Zwi­schen 1906 und 1916 ent­stand schließ­lich der Abschnitt bis zum Ems-Jade-Kanal bei Mar­cards­moor nörd­lich von Wies­moor. Die schritt­wei­se Umset­zung führ­te dazu, dass sich die Fer­tig­stel­lung des gesam­ten Kanals über vie­le Jahr­zehn­te hinzog.

Vom Tide­be­reich bei Stick­hausen bis in die Höhen­la­ge bei Wiesmoor

Der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal beginnt nord­öst­lich von Stick­hausen an der Jüm­me. Der süd­west­li­che Abschnitt zwi­schen der Jüm­me und der Schleu­se bei Nord­ge­orgs­fehn steht unter dem Ein­fluss der Tide.

In die­sem Bereich bewegt sich der Was­ser­stand zwi­schen einem mitt­le­ren Tiden­ied­rig­was­ser von NN +0,30 Meter und einem mitt­le­ren Tide­hoch­was­ser von NN +1,20 Meter.

Von Nord­ge­orgs­fehn aus steigt der Was­ser­spie­gel deut­lich an. Bis zur Schleu­se „NGDFK VI Wies­moor Zen­trum“ erreicht er NN +9,00 Meter. Anschlie­ßend fällt der Was­ser­stand wie­der ab. Bei der Schleu­se „NGDFK VII Wies­moor Nord“ liegt der Kanal schließ­lich auf dem Niveau des Ems-Jade-Kanals bei NN +5,70 Metern.

Eine Beson­der­heit ist die ach­te Schleu­se „NGDFK VIII Mar­cards­moor“. Dort besteht kein Höhen­un­ter­schied. Die Schleu­se dient aus­schließ­lich der Sicher­heit und ist des­halb stets geöff­net.

Frü­her Torf und Koh­le, heu­te Sport­boo­te und Kanus

Der Aus­bau des Nord­ge­orgs­fehn­ka­nals hat­te ursprüng­lich vor allem zwei wich­ti­ge Auf­ga­ben: Zum einen soll­te er die gro­ßen Hoch­moor­ge­bie­te im süd­li­chen Land­kreis Witt­mund ent­wäs­sern, zum ande­ren soll­te er die Ver­kehrs­an­bin­dung der Moor­ko­lo­nien ver­bes­sern, die ins­be­son­de­re um 1900 im Raum Wies­moor entstanden.

Der Kanal wur­de des­halb auch für den Güter­trans­port genutzt. Vor allem Torf und Koh­le wur­den über die Was­ser­stra­ße trans­por­tiert. Die Koh­le dien­te unter ande­rem der Ver­sor­gung des Kraft­werks in Wiesmoor.

Mit dem Struk­tur­wan­del ver­lor die Was­ser­stra­ße ihre Bedeu­tung für den gewerb­li­chen Güter­ver­kehr. Die Fracht­schiff­fahrt wur­de 1962 ein­ge­stellt.

Seit­dem steht die Frei­zeit­nut­zung im Mit­tel­punkt. Der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal wird von Sport­boo­ten, Kanu­ten und Aus­flugs­schif­fen genutzt. Außer­dem ist er ein belieb­tes Angel­ge­wäs­ser.

Der Kanal stellt für die Frei­zeit­schiff­fahrt eine inter­es­san­te Ver­bin­dung zwi­schen Weser, Ems und Jade her.

Bedeu­tung für die Wasserwirtschaft

Neben Schiff­fahrt und Frei­zeit hat der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal bis heu­te eine wich­ti­ge was­ser­wirt­schaft­li­che Funktion.

Eine beson­de­re Auf­ga­be ist die soge­nann­te Tauch­tie­fen­be­wirt­schaf­tung. Was­ser, das durch Pump­wer­ke an den fünf süd­li­chen Schleu­sen gewon­nen wird, fließt in Rich­tung Ems-Jade-Kanal. Dort trägt es zur Nied­rig­was­ser­auf­hö­hung bei.

Damit ist der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal nicht nur eine his­to­ri­sche Ver­kehrs­ver­bin­dung, son­dern wei­ter­hin Bestand­teil der regio­na­len Wasserbewirtschaftung.

 

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Hin­wei­se für Sportbootfahrer

Wer den Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal mit einem Sport­boot befah­ren möch­te, muss eini­ge Beson­der­hei­ten beachten.

Die Schleu­sen kön­nen nur nach vor­he­ri­ger Anmel­dung pas­siert wer­den. Dafür ste­hen die Tele­fon­num­mern 04956/1207 und 0170/2291417 zur Ver­fü­gung. Die Anmel­dung soll­te nach Mög­lich­keit zwei Werk­ta­ge vor dem geplan­ten Fahrt­an­tritt erfolgen.

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit ist im süd­li­chen Kanal­ab­schnitt zwi­schen Stick­hausen und Brü­cken­fehn erfor­der­lich. Die­ser Bereich steht unter Tideeinfluss.

Die Stra­ßen- und Eisen­bahn­brü­cke in Stick­hausen haben bei mitt­le­rem Tiden­ied­rig­was­ser eine Durch­fahrts­hö­he von etwa 2,65 Metern. Die tat­säch­li­che Durch­fahrts­hö­he hängt jedoch vom jewei­li­gen Ablau­fen des Tiden­ied­rig­was­sers ab.

Mit der Tide rich­tig planen

Für Sport­boot­fah­rer ist des­halb eine genaue Pla­nung der Fahrt­zei­ten wichtig.

Wer von Stick­hausen in Rich­tung Wies­moor unter­wegs ist, soll­te die Brü­cken mög­lichst mit dem letz­ten Ebbe­strom unter­que­ren. Anschlie­ßend emp­fiehlt es sich, am War­te­an­le­ger des NLWKN hin­ter der Eisen­bahn­brü­cke auf die Flut zu warten.

Eine unmit­tel­ba­re Wei­ter­fahrt ist in der Regel nicht mög­lich, weil der Kanal in Rich­tung Brü­cken­fehn bei Nied­rig­was­ser teil­wei­se nur etwa 30 Zen­ti­me­ter Was­ser führt.

In der Gegen­rich­tung – also von Wies­moor kom­mend – soll­ten Sport­boot­fah­rer mit dem Hoch­was­ser in Brü­cken­fehn able­gen. Am War­te­an­le­ger des NLWKN vor der Eisen­bahn­brü­cke in Stick­hausen kann anschlie­ßend auf das Nied­rig­was­ser gewar­tet werden.

Belieb­tes Ziel für Frei­zeit und Angeln

Heu­te ist der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal vor allem ein ruhi­ges Revier für die Frei­zeit auf dem Was­ser. Neben Sport­boot­fah­rern nut­zen auch Kanu­ten die his­to­ri­sche Was­ser­stra­ße. Aus­flugs­schif­fe ver­keh­ren eben­falls auf dem Kanal.

Auch für Ang­ler ist die Stre­cke inter­es­sant. Der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal wird als Angel­ge­wäs­ser genutzt. Gast­kar­ten sind bei­spiels­wei­se bei der Tou­rist Infor­ma­ti­on oder beim Cam­ping- und Bun­ga­low­park Otter­meer erhältlich.

So ver­bin­det der Nord­ge­orgs­fehn­ka­nal heu­te Geschich­te, Was­ser­wirt­schaft und Frei­zeit­nut­zung. Was einst als Infra­struk­tur für die Ent­wäs­se­rung der Moo­re und den Trans­port von Torf und Koh­le ent­stand, ist inzwi­schen eine wich­ti­ge Was­ser­ver­bin­dung für die Frei­zeit­schiff­fahrt in Ostfriesland.

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