Wirtschaft

Ost­fries­land im Fokus: Wirt­schaft und Sicher­heit rücken enger zusammen

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(v. l.) IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Max-Mar­tin Deinhard, die Vor­sit­zen­de des Aus­schus­ses für Sicher­heit und Ver­tei­di­gung im Euro­päi­schen Par­la­ment, Dr. Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann (FDP), der Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Emden, Tim Krui­thoff, und IHK-Prä­si­dent Theo Eilers beim IHK-Wirt­schafts­abend in Emden.

IHK-Wirt­schafts­abend in Emden: „Die Wirt­schaft ist unver­zicht­ba­rer Teil der Gesamtverteidigung“

Sicher­heits­po­li­tik, wirt­schaft­li­che Resi­li­enz und die stra­te­gi­sche Bedeu­tung Ost­fries­lands stan­den im Mit­tel­punkt des dies­jäh­ri­gen IHK-Wirt­schafts­abends in Emden. Rund 200 Gäs­te aus Poli­tik, Wirt­schaft und Ver­wal­tung kamen in der Johan­nes a Las­co Biblio­thek zusam­men. IHK-Prä­si­dent Theo Eilers mach­te deut­lich, dass wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit und Sicher­heit heu­te enger mit­ein­an­der ver­bun­den sind als je zuvor.

„Sicher­heit ist die Vor­aus­set­zung für wirt­schaft­li­chen Erfolg. Unter­neh­men brau­chen Frie­den, ver­läss­li­che Struk­tu­ren, siche­re Ver­kehrs­we­ge, eine sta­bi­le Ener­gie­ver­sor­gung und digi­ta­le Net­ze“, sag­te Theo Eilers zu Beginn sei­ner Rede.

Nach Ansicht des Prä­si­den­ten der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer für Ost­fries­land und Papen­burg (IHK) kann eine belast­ba­re staat­li­che Resi­li­enz und eine glaub­wür­di­ge Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit nur gemein­sam mit einer leis­tungs­fä­hi­gen Wirt­schaft erreicht werden.

„Unter­neh­men ver­sor­gen im Kri­sen- oder Bünd­nis­fall die Bevöl­ke­rung, hal­ten die Infra­struk­tur am Lau­fen, ent­wi­ckeln Tech­no­lo­gien und stel­len logis­ti­sche und indus­tri­el­le Kapa­zi­tä­ten bereit. Die Wirt­schaft ist unver­zicht­ba­rer Teil der Gesamt­ver­tei­di­gung“, beton­te Eilers.

Ost­fries­land und Papen­burg mit stra­te­gi­scher Bedeutung

Eilers hob beim Wirt­schafts­abend die beson­de­re Bedeu­tung des IHK-Bezirks für die Gesamt­ver­tei­di­gung her­vor. Die Wirt­schafts­re­gi­on Ost­fries­land und Papen­burg ver­fü­ge über leis­tungs­fä­hi­ge See­hä­fen, eine star­ke mari­ti­me Wirt­schaft, die Auto­mo­bil­in­dus­trie, den Schiff­bau sowie einen breit auf­ge­stell­ten Mittelstand.

Eine beson­de­re Rol­le spie­le dabei der Emder Hafen. Er ver­bin­det nach Ein­schät­zung der IHK zivi­le und mili­tä­ri­sche Anfor­de­run­gen in beson­de­rer Wei­se. Der Hafen ist unter ande­rem für den Auto­mo­bil­um­schlag und als Ver­sor­gungs­ha­fen für die On- und Off­shore-Wind­ener­gie von Bedeu­tung. Gleich­zei­tig ist Emden als west­lichs­ter See­ha­fen Deutsch­lands im Ver­tei­di­gungs- und Bünd­nis­fall ein wich­ti­ger Anlan­de­punkt für ver­bün­de­te NATO-Streitkräfte.

„Emden ist ein wich­ti­ger Bestand­teil der Dreh­schei­be Deutsch­land“, sag­te Eilers.

 

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Infra­struk­tur ist auch eine Fra­ge der Sicherheit

Neben der wirt­schaft­li­chen Bedeu­tung rückt laut Eilers zuneh­mend auch die sicher­heits­po­li­ti­sche Bedeu­tung der Infra­struk­tur in den Mit­tel­punkt. Stra­ßen, Schie­nen, Häfen und Brü­cken sowie Ener­gie- und Daten­net­ze sei­en für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit von Wirt­schaft und Gesell­schaft unverzichtbar.

„Stra­ßen, Schie­nen, Häfen, Brü­cken sowie Ener­gie- und Daten­net­ze sind die Lebens­adern unse­rer Wirt­schaft. Im Ver­tei­di­gungs- und Bünd­nis­fall sind sie zugleich unver­zicht­bar für die Hand­lungs­fä­hig­keit Deutsch­lands und sei­ner Part­ner“, erklär­te der IHK-Präsident.

Als posi­ti­ves Signal bezeich­ne­te Eilers den Bau­be­ginn der Küs­ten­au­to­bahn A20. Auch die Bahn­an­bin­dung an den Emder Hafen und die Fahr­rin­nen­an­pas­sung der Außen­ems sei­en für die regio­na­le Wirt­schaft von gro­ßer Bedeu­tung. Ange­sichts einer mög­li­chen Ansied­lung eines Mari­ne­stütz­punk­tes könn­ten die­se Pro­jek­te zusätz­lich an sicher­heits­po­li­ti­scher Bedeu­tung gewinnen.

Eilers for­der­te des­halb ein stär­ke­res finan­zi­el­les Enga­ge­ment des Staa­tes: „Inves­ti­tio­nen in unse­re Infra­struk­tur sind zugleich Inves­ti­tio­nen in die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und die Wider­stands­fä­hig­keit unse­rer Region.“

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Wirt­schaft unter Druck: Ener­gie­prei­se und Fachkräftemangel

Mit Blick auf die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on im IHK-Bezirk ver­wies Eilers gleich­zei­tig auf wei­ter­hin schwie­ri­ge Rah­men­be­din­gun­gen. Unsi­che­re wirt­schafts­po­li­ti­sche Vor­ga­ben, hohe Ener­gie- und Roh­stoff­prei­se, stei­gen­de Arbeits­kos­ten und der anhal­ten­de Fach­kräf­te­man­gel belas­te­ten die Unternehmen.

Wer von der Wirt­schaft mehr Wider­stands­kraft, Vor­sor­ge und Unter­stüt­zung im Kri­sen­fall erwar­te, müs­se gleich­zei­tig dafür sor­gen, dass die Unter­neh­men wett­be­werbs- und leis­tungs­fä­hig bleiben.

„Wer von der Wirt­schaft mehr Wider­stands­kraft, Vor­sor­ge und Unter­stüt­zung im Kri­sen­fall erwar­tet, muss gleich­zei­tig dafür sor­gen, dass die Unter­neh­men wett­be­werbs- und leis­tungs­fä­hig blei­ben“, sag­te Eilers.

Strack-Zim­mer­mann: Euro­pa muss mehr Ver­ant­wor­tung übernehmen

Als Gast­red­ne­rin war Dr. Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann (FDP) ein­ge­la­den. Die Vor­sit­zen­de des Aus­schus­ses für Sicher­heit und Ver­tei­di­gung im Euro­päi­schen Par­la­ment gab eine Ein­schät­zung zur Sicher­heits­la­ge in Euro­pa und warb für eine gemein­sa­me euro­päi­sche Sicher­heits- und Verteidigungspolitik.

Aus ihrer Sicht kann kein euro­päi­scher Staat sei­ne Sicher­heit dau­er­haft allein gewähr­leis­ten. Die ver­gan­ge­nen Jah­re hät­ten gezeigt, dass Euro­pa stär­ker Ver­ant­wor­tung für die eige­ne Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit über­neh­men müsse.

„Die Auf­for­de­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten war schon immer: Ihr müsst euch küm­mern“, sag­te Strack-Zimmermann.

Sicher­heit beschrän­ke sich dabei längst nicht mehr aus­schließ­lich auf die mili­tä­ri­sche Ver­tei­di­gung. Ange­sichts kon­ven­tio­nel­ler und hybri­der Bedro­hun­gen müss­ten auch kri­ti­sche Infra­struk­tur, See- und Han­dels­we­ge sowie die digi­ta­le Wider­stands­fä­hig­keit stär­ker berück­sich­tigt werden.

Gera­de für die Wirt­schaft sei­en siche­re Ver­kehrs­we­ge und eine funk­tio­nie­ren­de Infra­struk­tur von ele­men­ta­rer Bedeu­tung. „Jede Inves­ti­ti­on in Sicher­heit ist eine Inves­ti­ti­on in zivi­le Sicher­heit“, beton­te Strack-Zimmermann.

Gleich­zei­tig müs­se Euro­pa sei­ne Ver­tei­di­gungs­po­li­tik stär­ker koor­di­nie­ren, büro­kra­ti­sche Hür­den abbau­en und gemein­sa­me Struk­tu­ren schaffen.

Emden mit wich­ti­ger Rol­le für die Verteidigung

Mit Blick auf eine mög­li­che Ansied­lung der Mari­ne in Emden woll­te Strack-Zim­mer­mann einer Ent­schei­dung nicht vor­grei­fen. Von der stra­te­gi­schen Bedeu­tung des Stand­orts zeig­te sie sich jedoch überzeugt.

„Emden wird eine gro­ße Rol­le in der Ver­tei­di­gung spie­len“, sag­te sie.

Für Euro­pa ins­ge­samt gel­te, dass Frei­heit und Sicher­heit nicht selbst­ver­ständ­lich sei­en. Deutsch­land leis­te bereits einen wich­ti­gen Bei­trag, müs­se sei­ne Anstren­gun­gen aber wei­ter verstärken.

Gleich­zei­tig brau­che die euro­päi­sche Wirt­schaft aus­rei­chend Frei­räu­me, um leis­tungs- und inno­va­ti­ons­fä­hig zu blei­ben. Aus Brüs­sel brau­che es des­halb „weni­ger Regeln, weni­ger Büro­kra­tie“, so Strack-Zimmermann.

Wirt­schaft und Bun­des­wehr arbei­ten in der Regi­on eng zusammen

IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Max-Mar­tin Deinhard ver­wies beim Wirt­schafts­abend auf die lan­ge Tra­di­ti­on und die enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Wirt­schaft und Bun­des­wehr im IHK-Bezirk.

Als Bei­spie­le nann­te er das Tak­ti­sche Luft­waf­fen­ge­schwa­der Richt­ho­fen in Witt­mund, das Kom­man­do Schnel­le Ein­satz­kräf­te Sani­täts­dienst in Leer sowie die Aus­bil­dungs­werk­stät­ten in Wee­ner und Witt­mund.

Die­se Ein­rich­tun­gen zeig­ten, wie eng zivi­le und mili­tä­ri­sche Struk­tu­ren mit­ein­an­der ver­bun­den sei­en und sich ergän­zen könn­ten und müssten.

Die IHK-Orga­ni­sa­ti­on beschäf­tigt sich laut Deinhard seit zwei Jah­ren auch haupt­amt­lich mit dem The­ma und sucht gezielt den Dia­log mit der Bun­des­wehr. Ziel sei es, die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Wirt­schaft und Mili­tär wei­ter zu vertiefen.

Wirt­schaft und Sicher­heit zuneh­mend gemein­sam denken

Der IHK-Wirt­schafts­abend mach­te damit deut­lich, dass wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit, Infra­struk­tur und Sicher­heit zuneh­mend zusam­men gedacht wer­den. Für Ost­fries­land und Papen­burg kommt dabei der beson­de­ren Lage mit See­hä­fen, mari­ti­mer Wirt­schaft, Indus­trie, Mit­tel­stand und vor­han­de­nen Bun­des­wehr­stand­or­ten eine beson­de­re Bedeu­tung zu.

Im Mit­tel­punkt steht dabei nicht nur die mili­tä­ri­sche Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit. Auch funk­tio­nie­ren­de Ver­kehrs­we­ge, Ener­gie­ver­sor­gung, digi­ta­le Net­ze, leis­tungs­fä­hi­ge Unter­neh­men und wider­stands­fä­hi­ge Lie­fer­ket­ten sind ent­schei­dend dafür, dass Deutsch­land auch in Kri­sen­zei­ten hand­lungs­fä­hig bleibt.

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