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Schloss Even­burg in Leer: Archi­tek­to­ni­sches Juwel und leben­di­ge Geschich­te Ostfrieslands

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Die Even­burg in Leer: Ein neu­go­ti­sches Gesamt­kunst­werk im Nordwesten

Das Schloss Even­burg in Leer gilt als eines der bedeu­tends­ten Kul­tur­denk­ma­ler Nie­der­sach­sens. Als fas­zi­nie­ren­des Gesamt­kunst­werk ver­eint es Archi­tek­tur, Geschich­te und Gar­ten­kunst in einem ein­zig­ar­ti­gen Drei­klang aus Schloss, weit­läu­fi­gem Park und his­to­ri­scher Vor­burg. Wer die Even­burg besucht, begibt sich auf eine Zeit­rei­se vom baro­cken Was­ser­schloss bis hin zur pracht­vol­len Resi­denz der Neugotik.

Die Anfän­ge im 17. Jahr­hun­dert: Barock und Nie­der­län­di­scher Klassizismus

Die Geschich­te der Even­burg begann im Jahr 1642. Oberst Erhard Reichs­frei­herr von Ehren­treu­ter ließ das ers­te Bau­werk als baro­ckes Was­ser­schloss errich­ten. Auf einer von einem brei­ten Was­ser­gra­ben umge­be­nen Schloss­in­sel ent­stand ein zwei­ge­schos­si­ger Back­stein­bau, der sich sti­lis­tisch am Nie­der­län­di­schen Klas­si­zis­mus ori­en­tier­te. Der Name des Schlos­ses ist ein Lie­bes­be­weis: Der Erbau­er benann­te die Even­burg nach sei­ner Gat­tin Eva von Ungnad.

Bereits 1690 ging der Besitz durch Hei­rat an die Gra­fen von Wedel über, die das Ensem­ble um die heu­te noch in Tei­len erhal­te­ne Vor­burg erwei­ter­ten. Das mar­kan­te Por­tal­ge­wän­de mit der Jah­res­zahl 1650 und die Tor­durch­fahrt von 1703 zeu­gen noch heu­te von die­ser frü­hen Ausbauphase.

Der Wan­del im 19. Jahr­hun­dert: Ein Schloss im Gewand der Neugotik

Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ent­sprach das baro­cke Gebäu­de nicht mehr den moder­nen Ansprü­chen. Carl Georg Graf von Wedel beauf­trag­te den Archi­tek­ten Rudolf Stü­ve mit einer umfas­sen­den Erwei­te­rung. In einer Rekord­bau­zeit von nur zwei Jah­ren (1861–1862) wur­de die Even­burg fast voll­stän­dig neu errichtet.

Cha­rak­te­ris­tisch für die­sen Umbau war der neu­go­ti­sche Stil:

  • Archi­tek­tur: Schlan­ke, auf­stre­ben­de Glie­der und spitz­för­mi­ge Fensterbögen.

  • Raum­kon­zept: Licht­durch­flu­te­te Frem­den­zim­mer im Ober­ge­schoss und ein reprä­sen­ta­ti­ves Ves­ti­bül mit edlem Blaustein-Marmorboden.

  • Wirt­schafts­kraft: Es ent­stan­den Gewächs­häu­ser für Ana­nas und Wein sowie ein mäch­ti­ges Gulfhaus für den Mei­er­hof, das die land­wirt­schaft­li­che Bedeu­tung des Gutes unterstrich.

 

Der Eng­li­sche Land­schafts­gar­ten der Even­burg: Denk­mal­schutz und Rekonstruktion

Nie­der­gang und neue Bestim­mung im 20. Jahrhundert

Nach­dem die Fami­lie von Wedel ihren Haupt­wohn­sitz in den 1930er Jah­ren nach Schloss Gödens ver­legt hat­te, setz­te ein bau­li­cher Nie­der­gang ein. Aus Kos­ten­grün­den wur­den fili­gra­ne Details wie Zin­nen und Türm­chen zurück­ge­baut. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg dien­te die Even­burg unter ande­rem als Laza­rett und Inter­nat für eine Melkerschule.

Ein Wen­de­punkt trat 1975 ein, als der Land­kreis Leer das Schloss und die umlie­gen­den 110 Hekt­ar Flä­che erwarb. Ers­te Sanie­run­gen sicher­ten die Sub­stanz, wäh­rend die Vor­burg als Stand­ort für die Kreis­mu­sik­schu­le eine neue kul­tu­rel­le Nut­zung fand.

Die Even­burg im 21. Jahr­hun­dert: Rekon­struk­ti­on und Museum

Seit Beginn der 2000er Jah­re wur­de die Even­burg mit gro­ßer Detail­lie­be restau­riert. Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist:

  • Dach­re­kon­struk­ti­on: Anhand alter Zeich­nun­gen wur­de die neu­go­ti­sche Dach­form mit ihren Staf­fel­gie­beln wiederhergestellt.

  • Innen­räu­me: Die Restau­rie­rung des Jagd­frie­ses, der Vor­hang­ma­le­rei­en und des ori­gi­na­len Stern­par­ketts im Fest­saal geben dem Schloss sei­nen alten Glanz zurück.

  • Heral­dik: Die farb­lich über­ar­bei­te­ten Wap­pen der Fami­li­en von Wedel und von Wan­gen­heim schmü­cken heu­te wie­der den Haupt­turm und die Portale.

Seit Mai 2014 ist die Even­burg als Zen­trum für Gar­ten­kul­tur und Muse­um für die Öffent­lich­keit zugäng­lich. Eine Dau­er­aus­stel­lung macht das Leben und Wirt­schaf­ten einer adli­gen Fami­lie im 19. Jahr­hun­dert erleb­bar und fes­tigt den Ruf der Even­burg als eines der glanz­volls­ten Aus­flugs­zie­le in Ostfriesland.

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