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Senio­ren­zen­trum Pro­Se­nis: Tack im Aus­tausch über die aktu­el­len Herausforderungen

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Die Teil­neh­men­den beim Tref­fen am 11. Juni 2026 im Senio­ren­zen­trum am Julia­nen­park in Leer. v.l.n.r.: hin­ten: Julia Kös­ter, Ste­fan Wilts, Hen­ning Fietz – vor­ne: Dana Knip­per, Hei­ke Kam­pen, Kers­tin Tack, Ste­fan Kamer, Ste­fa­nie Akwa, Anja von Bülow, Ange­li­ka Olthoff.

Kers­tin Tack besucht Senio­ren­zen­trum am Julia­nen­park in Leer – Aus­tausch über Pfle­ge, All­tag und Rahmenbedingungen

Am 11. Juni 2026 besuch­te die Vor­stands­vor­sit­zen­de des Pari­tä­ti­scher Nie­der­sach­sen, Kers­tin Tack, den Kreis­ver­band Leer und infor­mier­te sich im Senio­ren­zen­trum am Julia­nen­park der Pro­Se­nis GmbH über die Arbeit vor Ort. Der Besuch fand vor­mit­tags statt und wur­de durch ein gemein­sa­mes Essen im Anschluss abge­run­det. Im Mit­tel­punkt stand der direk­te Aus­tausch mit Lei­tung, Mit­ar­bei­ten­den und Trä­ger über die Situa­ti­on in der sta­tio­nä­ren Pflege.

Beglei­tet wur­de der Ter­min vom Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band Nie­der­sach­sen e.V. sowie Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern des Kreis­ver­ban­des Leer.

Stand­ort, Ent­wick­lung und Struktur

Das Senio­ren­zen­trum am Julia­nen­park hat sei­nen Ursprung in den Ost­frie­si­schen Behin­der­ten­werk­stät­ten und wur­de bereits in den 1980er-Jah­ren errich­tet. Seit­dem wur­de die Ein­rich­tung kon­ti­nu­ier­lich erwei­tert und an die Anfor­de­run­gen der Alten­pfle­ge angepasst.

Heu­te besteht das Ensem­ble aus dem Haus Julia­nen­park sowie dem 2016 errich­te­ten Haus Loga. Die Ein­rich­tung liegt direkt am Leera­ner Julia­nen­park und ist von altem Baum­be­stand umge­ben, der dem Stand­ort eine ruhi­ge und zugleich zen­tra­le Lage im Stadt­teil Loga verleiht.

Ins­ge­samt leben hier 121 Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner sowie zusätz­lich 21 Per­so­nen in Alten­woh­nun­gen. Das Durch­schnitts­al­ter der Bewoh­ner liegt bei 88 Jah­ren. Die Unter­brin­gung erfolgt über­wie­gend in Ein­zel­zim­mern sowie in Ehe­a­part­ments, die Paa­ren ein gemein­sa­mes Leben im Pfle­ge­all­tag ermöglichen.

Ver­sor­gung und All­tag in der Einrichtung

Im Gespräch mit Ein­rich­tungs­lei­tung Hei­ke Kam­pen wur­de deut­lich, dass die Nach­fra­ge nach sta­tio­nä­ren Pfle­ge­plät­zen wei­ter­hin hoch ist und in den kom­men­den Jah­ren wei­ter stei­gen wird. Gleich­zei­tig erschwe­ren der anhal­ten­de Fach­kräf­te­man­gel sowie die hohen Bau­kos­ten, umfang­rei­che büro­kra­ti­sche Auf­la­gen und feh­len­de unkom­pli­zier­te För­der­mög­lich­kei­ten für Erwei­te­rungs­bau­ten die Rah­men­be­din­gun­gen erheb­lich. Dadurch könn­te sich die ohne­hin ange­spann­te Situa­ti­on in der sta­tio­nä­ren Pfle­ge wei­ter verschärfen.

Hei­ke Kam­pen beton­te den­noch, dass in der Ein­rich­tung mit gro­ßem Ein­satz gear­bei­tet wer­de. „Wir ver­su­chen hier vor Ort alles Mög­li­che umzu­set­zen“, so die Ein­rich­tungs­lei­tung. Auch in schwie­ri­gen Situa­tio­nen habe man bereits unbü­ro­kra­ti­sche Lösun­gen fin­den kön­nen – getra­gen von einem star­ken Team und engem Zusam­men­halt im Alltag.

Zusam­men­ar­beit und Teamarbeit

Kreis­ver­bands­ge­schäfts­füh­rung Ste­fan Kamer vom Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band Regi­on Ost­fries­land hob im Gespräch her­vor, wie wich­tig ein ver­läss­li­ches Netz­werk in der Pfle­ge ist. Ein­rich­tun­gen stün­den vor ähn­li­chen Her­aus­for­de­run­gen und sei­en letzt­lich „alle im glei­chen Boot“. Gera­de in der heu­ti­gen Zeit sei es ent­schei­dend, eng zusam­men­zu­ar­bei­ten und sich gegen­sei­tig zu unterstützen.

Ein Bei­spiel dafür sei die gemein­sa­me Orga­ni­sa­ti­on von Fort­bil­dun­gen über meh­re­re Ein­rich­tun­gen hin­weg. So kön­ne Wis­sen gebün­delt und die Pfle­ge vor Ort gestärkt wer­den. Ins­ge­samt gehe es dar­um, die Pfle­ge zukunfts­fä­hig auf­zu­stel­len und gemein­sam Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

All­tag, Ver­pfle­gung und Atmosphäre

Hei­ke Kam­pen und Ste­fan Wilts (Pfle­ge­dienst­lei­tung)  mach­ten im Rah­men des Besuchs deut­lich, dass die Ver­pfle­gung im All­tag eine zen­tra­le Rol­le spielt – auch wenn sie oft unter­schätzt wird. Das Essen sei täg­lich eines der wich­tigs­ten Gesprächs­the­men bei den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern, aber auch im Aus­tausch mit den Pfle­ge­kräf­ten. Häu­fig begin­ne der Tag bereits mit der Fra­ge: „Was gibt es heu­te?“. Danach rücken The­men wie Ange­bo­te, Pro­gram­me und Ver­an­stal­tun­gen in den Vor­der­grund, bevor es um pfle­ge­ri­sche Inhal­te gehe.

Beim Rund­gang durch die Ein­rich­tung wur­de deut­lich, dass vie­le Mit­ar­bei­ten­de bereits seit Jah­ren im Haus tätig sind. Die­se Kon­ti­nui­tät prägt das Mit­ein­an­der und sorgt für ein sta­bi­les Team­ge­fü­ge. Zwi­schen Bewoh­nern und Pfle­ge­kräf­ten war eine ruhi­ge, respekt­vol­le und zugleich herz­li­che Atmo­sphä­re spür­bar. Der Umgang ist geprägt von Nähe, Ver­trau­en und einem hohen Maß an per­sön­li­chem Engagement.

 

Beim Besuch der Demenz-Sta­ti­on erläu­tert Ein­rich­tungs­lei­tung Hei­ke Kam­pen, wie All­tags­ge­gen­stän­de ver­gan­ge­ner Jahr­zehn­te – von Pup­pen über Bücher bis hin zu klas­si­schem Geschirr – gezielt genutzt wer­den, um Erin­ne­run­gen zu wecken. Kers­tin Tack ver­folgt das Gespräch mit gro­ßem Inter­es­se und zeigt sich beein­druckt davon, wie die­se behut­sa­me Bio­gra­fie­ar­beit den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern Sicher­heit und einen wert­vol­len Zugang zu ihrer eige­nen Lebens­ge­schich­te schenkt.

Wohn- und Betreuungskonzept

Im Haus Julia­nen­park leben 70 Men­schen auf drei Eta­gen. Dort ste­hen ein Restau­rant, ein Club­raum, ein Krea­tiv­raum sowie meh­re­re Grup­pen- und Auf­ent­halts­be­rei­che zur Ver­fü­gung. Im Haus Loga fin­den 51 Bewoh­ner ein Zuhau­se. Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist das Café im Erd­ge­schoss, das mit täg­lich fri­schem, haus­ge­ba­cke­nem Kuchen aus eige­ner Back­stu­be ein zen­tra­ler Treff­punkt ist.

Die gesam­te Ein­rich­tung ist bar­rie­re­frei gestal­tet. Alle Eta­gen sind per Auf­zug erreich­bar. Ergän­zend gibt es geschütz­te Wohn­be­rei­che für Men­schen mit Demenz sowie ein seh­be­hin­der­ten­freund­li­ches Beleuch­tungs- und Orientierungskonzept.

Zusam­men­ar­beit mit dem Land­kreis Leer

Beson­ders posi­tiv hob Ein­rich­tungs­lei­tung Hei­ke Kam­pen die Zusam­men­ar­beit mit dem Land­kreis Leer her­vor. Die Mit­ar­bei­ten­den des Land­krei­ses stell­ten, wo immer mög­lich, finan­zi­el­le Mit­tel unbü­ro­kra­tisch zur Ver­fü­gung und ermög­lich­ten damit schnel­le und prag­ma­ti­sche Lösun­gen im Ein­zel­fall. Wäh­rend es in ande­ren Regio­nen teil­wei­se zu län­ge­ren Ver­zö­ge­run­gen bei Abrech­nun­gen kom­me, funk­tio­nie­re die Koope­ra­ti­on vor Ort sehr gut und lösungsorientiert.

Nach ihren Anga­ben wer­de in enger Abstim­mung stets nach prak­ti­ka­blen Lösun­gen gesucht. Dadurch sei es der Ein­rich­tung in bestimm­ten Fäl­len auch mög­lich, kurz­fris­ti­ge finan­zi­el­le Über­brü­ckun­gen zu orga­ni­sie­ren – etwa für Heim­kos­ten, Pfle­ge­leis­tun­gen oder Taschen­geld für Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner. Die­se Beträ­ge wür­den, sofern erfor­der­lich, zu einem spä­te­ren Zeit­punkt ent­spre­chend ver­rech­net, bei­spiels­wei­se im Zusam­men­hang mit einem Immobilienverkauf.

Auch Kers­tin Tack beton­te in die­sem Zusam­men­hang, dass man dank­bar für die­se gut funk­tio­nie­ren­de Zusam­men­ar­beit sein kön­ne. Aus ihrer Erfah­rung gebe es zahl­rei­che Regio­nen, in denen die Abstim­mungs­pro­zes­se deut­lich schwie­ri­ger und lang­wie­ri­ger verlaufen.

 

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Poli­ti­sche Ein­ord­nung und Kri­tik an der Pflegereform

Im Rah­men des Besuchs äußer­te Kers­tin Tack deut­li­che Kri­tik am Refe­ren­ten­ent­wurf des soge­nann­ten Pfle­ge­neu­ord­nungs­ge­set­zes. Aus ihrer Sicht sei der Ent­wurf nicht geeig­net, die grund­le­gen­den struk­tu­rel­len Pro­ble­me der Pfle­ge­ver­si­che­rung zu lösen.

Statt­des­sen droh­ten stei­gen­de Eigen­an­tei­le für pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen, sin­ken­de Leis­tun­gen für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge sowie zusätz­li­che Belas­tun­gen für die Tarif­bin­dung in der Pfle­ge. Als zen­tra­le Gegen­po­si­ti­on ver­wies sie auf seit Jah­ren dis­ku­tier­te Reform­an­sät­ze, dar­un­ter die Nut­zung des Pfle­ge­vor­sor­ge­fonds, die Rück­füh­rung pan­de­mie­be­ding­ter Bun­des­mit­tel sowie eine stär­ke­re steu­er­fi­nan­zier­te Absi­che­rung gesell­schaft­li­cher Aufgaben.

Ziel müs­se aus Sicht des Pari­tä­ti­schen Nie­der­sach­sen eine soli­da­ri­sche Pfle­ge­voll­ver­si­che­rung sein, die Ver­sor­gungs­si­cher­heit und fai­re Finan­zie­rung lang­fris­tig gewährleistet.

Resü­mee des Besuchs

Der Besuch im Senio­ren­zen­trum am Julia­nen­park mach­te deut­lich, dass die sta­tio­nä­re Pfle­ge unter zuneh­men­dem Druck steht. Gleich­zei­tig wur­de sicht­bar, dass durch ein­ge­spiel­te Teams, lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­ten­de und ein star­kes Mit­ein­an­der im All­tag eine sta­bi­le und mensch­li­che Ver­sor­gung gewähr­leis­tet wird.

Die Ein­rich­tung zeigt damit bei­spiel­haft, wie Pfle­ge im All­tag funk­tio­nie­ren kann – geprägt von Ver­ant­wor­tung, Kon­ti­nui­tät und einem respekt­vol­len Umgang zwi­schen Mit­ar­bei­ten­den und Bewohnern.

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