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Tra­di­tio­nel­ler Holz­boots­bau in Ditz­um begeis­tert bun­des­weit jun­ge Nachwuchskräfte

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Betriebs­lei­ter Ger­jet Bült­jer (r.) zeigt Vize­prä­si­den­tin Imke Hen­nig (l.) die Arbei­ten in der Schiffs­hal­le. Im Hin­ter­grund der 15 Meter lan­ge his­to­ri­sche Segel­kut­ter „Gebrü­der“ von Carolinensiel.

Boots­bau­kunst aus Ditz­um: Wo Tra­di­ti­on auf die nächs­te Gene­ra­ti­on trifft

Die H. Bült­jer Boots­werft an der Ems ist weit mehr als ein Repa­ra­tur­be­trieb – sie ist ein leben­di­ges Denk­mal des Holz­boots­baus. In einer Ära von Ver­bund­stof­fen und Mas­sen­fer­ti­gung setzt der Fami­li­en­be­trieb in fünf­ter Gene­ra­ti­on auf das edle Hand­werk mit Natur­stof­fen und zieht damit jun­ge Talen­te aus ganz Deutsch­land ins beschau­li­che Ostfriesland.

Boots­bau­er­meis­ter Ger­jet Bült­jer (Seni­or) zeigt, wie die Plan­ken­gän­ge kal­fa­tert (abge­dich­tet) wer­den. Eine zeit­auf­wen­di­ge Arbeits­wei­se, die nicht mehr auf vie­len Werf­ten gepflegt wird. Im Hin­ter­grund trägt Prak­ti­kant Lukas Rit­ter eine Unter­was­ser­schutz­far­be auf.
Tra­di­tio­nel­les Hand­werk haut­nah erle­ben: Auch die Schü­ler­prak­ti­kan­tin Lea Onnen aus Olden­dorf erhält auf der Bült­jer Werft die sel­te­ne Gele­gen­heit, selbst Hand anzu­le­gen und sich im Kal­fa­tern zu probieren.

 

Ein Magnet für den Nach­wuchs: Aus­bil­dung mit Tiefgang

Wäh­rend vie­le Werf­ten ent­lang der Ems bereits in den 1960er Jah­ren ihre Tore schlie­ßen muss­ten, behaup­tet sich die Bült­jer Boots­werft seit 127 Jah­ren als fes­te Instanz. Heu­te ist der Betrieb im Fische­rei­dorf Ditz­um eine der ers­ten Adres­sen für den tra­di­tio­nel­len Holzbootsbau.

Das Beson­de­re: Die Werft fun­giert als regel­rech­ter Magnet für Aus­zu­bil­den­de. Die Bewer­ber kom­men nicht nur aus der Regi­on, son­dern aus Metro­po­len wie Mün­chen, Köln, Ham­burg oder Ber­lin. Jähr­lich fin­den zwei bis drei Azu­bis ihren Weg in den Betrieb, um das Hand­werk des Boots­bau­ers in der Fach­rich­tung Neu‑, Aus- und Umbau zu erlernen.

„Unse­re Aus­zu­bil­den­den haben ent­we­der eine tie­fe Affi­ni­tät zur Schiff­fahrt oder den bren­nen­den Wunsch, mit dem Werk­stoff Holz zu arbei­ten“, erklärt Boots­bau­er­meis­ter Ger­jet Bült­jer, der die Werft gemein­sam mit sei­nem Cou­sin Andy Bült­jer führt.

Exzel­lenz im Hand­werk: Regel­mä­ßi­ge Bun­des- und Landessieger

Dass die Aus­bil­dung bei Bült­jer zur Eli­te gehört, bele­gen die Zah­len der letz­ten zwei Jahr­zehn­te: Über 55 jun­ge Men­schen wur­den hier bereits erfolg­reich aus­ge­bil­det. Regel­mä­ßig glän­zen die Absol­ven­ten bei der „Deut­schen Meis­ter­schaft im Hand­werk“ (DMH).

Zuletzt wur­de der frisch aus­ge­lern­te Boots­bau­er Felix Bruck­mann geehrt, der auf Bun­des­ebe­ne den drit­ten Platz beleg­te. Imke Hen­nig, Vize­prä­si­den­tin der Hand­werks­kam­mer für Ost­fries­land, betont bei der Urkun­den­über­ga­be die Bedeu­tung des Betriebs: Durch die­ses Enga­ge­ment wer­de nicht nur der eige­ne Fach­kräf­te­nach­wuchs gesi­chert, son­dern ein küs­ten­ty­pi­sches Kul­tur­gut bewahrt.

 

Der 15 Meter lan­ge Tra­di­ti­ons­seg­ler „Klaus Stör­te­be­ker III“ (vor­ne) wird wie­der see­taug­lich gemacht. Im Hin­ter­grund die Torf­mut­te „Del­phin“ aus Westrhauderfehn.

Das Berufs­bild Boots­bau­er: Sel­ten, gefragt und vielseitig

Der Beruf des Boots­bau­ers mag sel­ten sein, doch er ist gefrag­ter denn je. Die drei­ein­halb­jäh­ri­ge Aus­bil­dung deckt ein brei­tes Spek­trum ab:

  • Neu­bau und Konstruktion

  • Restau­rie­rung his­to­ri­scher Fahrzeuge

  • Instand­set­zung und tech­ni­scher Ausbau

Ergänzt wird die prak­ti­sche Arbeit auf der Werft durch Block­un­ter­richt an der Berufs­schu­le in Bra­ke (Unter­we­ser). Dort erler­nen die Fach­kräf­te auch den Umgang mit moder­nen Ver­bund­stof­fen und Metal­len, um für den gesam­ten Markt gerüs­tet zu sein.

Full-Ser­vice für Holz­schif­fe bis 150 Tonnen

Als spe­zia­li­sier­ter Meis­ter­be­trieb bie­tet Bült­jer eine Infra­struk­tur, die ihres­glei­chen sucht. Mit zwei Hal­len und drei Hel­gen kön­nen Schif­fe mit einem Gewicht von bis zu 150 Ton­nen geslippt wer­den. Das Leis­tungs­port­fo­lio umfasst:

  1. Holz­boots- und Rigg­bau: Tra­di­tio­nel­le Beplan­kung und Mastbau.

  2. Tech­nik-Ser­vice: Aus­tausch und Über­ho­lung tech­ni­scher Aggregate.

  3. Elek­trik & Elek­tro­nik: Pla­nung und Instal­la­ti­on moder­ner Bordnetze.

  4. Kon­ser­vie­rung: Hoch­wer­ti­ge Lackier­ar­bei­ten und Oberflächenschutz.

Aktu­el­le Pro­jek­te wie die Neu­be­plan­kung des 15 Meter lan­gen his­to­ri­schen Segel­kut­ters „Gebrü­der“ aus Caro­li­nen­siel oder die Restau­rie­rung der „Klaus Stör­te­be­ker III“ ver­deut­li­chen die Kapa­zi­tä­ten der Werft.

Holz als Zukunfts­ka­pi­tal: Qua­li­tät braucht Zeit

Das Herz­stück der Werft ist das Lager. Ob Eiche, Kam­ba­la, Maha­go­ni, Lär­che oder Teak – das Holz wird tra­di­tio­nell hand­werk­lich ver­ar­bei­tet und muss per­fekt durch­ge­trock­net sein.

„Wir rech­nen pro Zen­ti­me­ter Dicke mit einem Jahr Lager­zeit“, so Bültjer.

Die­ser enor­me Bestand an abge­la­ger­tem, bes­tem Bau­holz ist das wah­re Zukunfts­ka­pi­tal des Betriebs. Es garan­tiert, dass auch in den kom­men­den Jahr­zehn­ten Boo­te in Ditz­um ent­ste­hen und erhal­ten wer­den, die den Ele­men­ten trot­zen und die Ästhe­tik des klas­si­schen Boots­baus verkörpern.

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