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Woh­nungs-Check im LK Leer: War­um bar­rie­re­frei­es Umbau­en jetzt zur Pflicht­auf­ga­be wird

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Droh­nen­auf­nah­me  von Rolf Boots­mann („Luft­bli­cke Nordwest“)

Woh­nen im Alter: War­um der Land­kreis Leer eine Sanie­rungs­of­fen­si­ve braucht

Das Pest­el-Insti­tut warnt vor einem mas­si­ven Man­gel an alters­ge­rech­ten Woh­nun­gen im Kreis Leer. Wäh­rend die „Baby-Boo­mer“ kurz vor dem Ren­ten­ein­tritt ste­hen, erfüllt nur ein Bruch­teil des Woh­nungs­be­stands die not­wen­di­gen Anfor­de­run­gen für ein bar­rie­re­frei­es Leben. Gefor­dert wer­den nun „Boo­mer-Zuschüs­se“ für den alters­ge­rech­ten Umbau.

Die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung ist im Land­kreis Leer in vol­lem Gan­ge: In den nächs­ten zehn Jah­ren gehen rund 27.800 Men­schen in den Ruhe­stand. Doch sind unse­re Woh­nun­gen auf die­sen Lebens­ab­schnitt vor­be­rei­tet? Eine neue Woh­nungs­markt-Ana­ly­se des Pest­el-Insti­tuts, erstellt im Auf­trag des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del (BDB), zeich­net ein ernüch­tern­des Bild.

Nur 7 Pro­zent der Woh­nun­gen sind für Senio­ren ideal

Von den ins­ge­samt knapp 87.500 Woh­nun­gen im Land­kreis Leer sind nur etwa 6.400 so kon­zi­piert, dass auch Men­schen mit kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen – etwa bei der Nut­zung eines Rol­la­tors oder Roll­stuhls – pro­blem­los zurecht­kom­men. „Das ent­spricht ledig­lich 7 Pro­zent aller Woh­nun­gen“, erklärt Mat­thi­as Gün­ther, Lei­ter des Pestel-Instituts.

Für vie­le Senio­ren bedeu­tet dies: Sobald der All­tag durch kör­per­li­che Gebre­chen beschwer­li­cher wird, droht der unfrei­wil­li­ge Aus­zug aus dem gelieb­ten Zuhau­se. Dabei ist der Wunsch der meis­ten Men­schen ein­deu­tig: Sie möch­ten in den eige­nen vier Wän­den alt werden.

Die größ­ten Bar­rie­ren: Ein­gangs­be­rei­che, Bäder und Küchen

Die Ana­ly­se iden­ti­fi­ziert drei zen­tra­le Schwach­stel­len, die den Ver­bleib im Alter oft unmög­lich machen:

  1. Hür­den im Ein­gangs­be­reich: Rund 17.600 Woh­nun­gen (26 %) ver­fü­gen über zu schma­le Haus­flu­re oder Haus­tü­ren, die für Roll­stüh­le unpas­sier­bar sind.

  2. Zu klei­ne Küchen: In cir­ca 22.500 Küchen im Kreis Leer ist eine Nut­zung mit einem Roll­stuhl auf­grund feh­len­der Wen­de­flä­chen nicht möglich.

  3. Das Bade­zim­mer-Pro­blem: Etwa 40 Pro­zent aller Bäder (35.200 Ein­hei­ten) sind für alters­ge­rech­te Anfor­de­run­gen zu klein bemessen.

Das „A‑und-O-Kri­te­ri­um“: Die boden­glei­che Dusche

Beson­ders kri­tisch ist die Aus­stat­tung im Bad. Nur 29.800 Woh­nun­gen im Land­kreis Leer ver­fü­gen über eine boden­glei­che, gut begeh­ba­re Dusche. Damit erfüllt nicht ein­mal jede drit­te Woh­nung das wich­tigs­te Kri­te­ri­um für die Pfle­ge im Alter.

Mat­thi­as Gün­ther weist zudem auf bau­li­che Her­aus­for­de­run­gen hin: „Beson­ders in Gebäu­den aus den 1950er-Jah­ren sind die Decken oft zu dünn, um eine boden­glei­che Dusche nach­träg­lich ein­zu­bau­en.“ Den­noch bleibt der Umbau der eige­nen Woh­nung volks­wirt­schaft­lich gese­hen die effi­zi­en­tes­te Lösung, da er deut­lich güns­ti­ger ist als ein kost­spie­li­ger Heimplatz.

For­de­rung nach einer „Senio­ren-Umbau-Offen­si­ve“

Um den dro­hen­den Eng­pass bei Senio­ren­woh­nun­gen zu ent­schär­fen, for­dern der BDB und das Pest­el-Insti­tut eine poli­ti­sche Kehrt­wen­de. Katha­ri­na Metz­ger, Prä­si­den­tin des BDB, kri­ti­siert das aktu­el­le För­der­sys­tem: „Der bestehen­de Mix aus KfW-Mit­teln, Kran­ken­kas­sen-Zuschüs­sen und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­leis­tun­gen ist ein undurch­sich­ti­ges Dickicht.“

Die For­de­run­gen im Überblick:

  • Weg vom Kre­dit, hin zum Zuschuss: Vie­le Men­schen kurz vor der Ren­te scheu­en eine zusätz­li­che Kre­dit­auf­nah­me. Der Staat müs­se den Groß­teil der Kos­ten direkt übernehmen.

  • „Boo­mer-Zuschüs­se“: Statt der bis­he­ri­gen, oft als unzu­rei­chend emp­fun­de­nen 10-Pro­zent-För­de­rung beim Bad-Umbau, brau­che es eine geziel­te, mil­li­ar­den­schwe­re staat­li­che Unterstützung.

  • Poli­ti­scher Schwer­punkt: Alters­ge­rech­ter Umbau müs­se Prio­ri­tät in der Woh­nungs­bau­po­li­tik des Bun­des erhal­ten, um eine lan­des­wei­te Sanie­rungs­wel­le auszulösen.

 

Der Land­kreis Leer steht vor einer gro­ßen Her­aus­for­de­rung. Neu­bau­ten allein wer­den den Bedarf nicht decken kön­nen. Nur durch eine kon­se­quen­te, staat­lich mas­siv geför­der­te „Senio­ren-Umbau-Offen­si­ve“ kann sicher­ge­stellt wer­den, dass die Gene­ra­ti­on der Baby-Boo­mer auch in Zukunft ein selbst­be­stimm­tes Leben in der eige­nen Woh­nung füh­ren kann.

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