Lokal

Woh­nungs­markt in Nie­der­sach­sen: Azu­bis und Rent­ner gera­ten unter Druck

Veröffentlicht

am

Woh­nungs­markt im Kreis Leer: Jun­ge und Alte gera­ten ins Abseits

Ein aktu­el­ler „Sozia­ler Wohn-Moni­tor“ des Pest­el-Insti­tuts ver­deut­licht die ange­spann­te Lage auf dem Woh­nungs­markt. Beson­ders im Land­kreis Leer zeigt sich, dass sowohl Aus­zu­bil­den­de als auch die kom­men­de Rent­ner­ge­nera­ti­on der Baby-Boo­mer vor mas­si­ven Pro­ble­men ste­hen. Die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) for­dert daher eine dras­ti­sche Aus­wei­tung des sozia­len Wohnungsbaus.

Aus­bil­dung schei­tert an Mietpreisen

Für vie­le der rund 2.490 Aus­zu­bil­den­den im Land­kreis Leer ist der Aus­zug aus dem Eltern­haus finan­zi­ell unmög­lich. Gabrie­le Knue, Bezirks­vor­sit­zen­de der IG BAU Nord­west-Nie­der­sach­sen, warnt vor den wirt­schaft­li­chen Fol­gen: Wenn jun­ge Men­schen eine Aus­bil­dung nicht antre­ten kön­nen, weil sie kei­ne bezahl­ba­re Woh­nung oder ein WG-Zim­mer fin­den, gefähr­det dies die loka­le Wirtschaft.

Um gegen­zu­steu­ern, schlägt die Gewerk­schaft vor:

  • Geziel­te För­de­rung: Bund und Land sol­len den Bau von Azu­bi-Woh­nun­gen nahe Aus­bil­dungs­zen­tren unterstützen.

  • Steu­er­an­rei­ze: Betrie­be, die Wohn­raum für ihre Lehr­lin­ge schaf­fen, soll­ten steu­er­lich ent­las­tet werden.

  • Stu­den­ti­sches Woh­nen: Auch in Uni­ver­si­täts­städ­ten ist eine ver­stärk­te För­de­rung für Stu­di-Wohn­hei­me notwendig.

Dro­hen­de Wohn­ar­mut für Baby-Boomer

Ein wei­te­res Alarm­si­gnal betrifft die rund 22.800 Baby-Boo­mer im Land­kreis Leer, die bis 2035 in Ren­te gehen wer­den. Vie­le von ihnen bli­cken auf­grund von Nied­rig­lohn­pha­sen oder Arbeits­lo­sig­keit auf eine gerin­ge Ren­te. Stei­gen­de Mie­ten könn­ten dazu füh­ren, dass die bis­he­ri­ge Woh­nung unbe­zahl­bar wird. Die IG BAU spricht hier­bei von einer dro­hen­den „Wohn­ar­mut im Alter“.


Die For­de­rung: 14.900 neue Sozi­al­woh­nun­gen pro Jahr

Um den Druck vom Markt zu neh­men und Mie­ten wie­der bezahl­bar zu machen, sieht der „Sozia­le Wohn-Moni­tor“ einen enor­men Nach­hol­be­darf. Bun­des­weit wird eine Ver­dopp­lung des Bestands auf 2 Mil­lio­nen Sozi­al­woh­nun­gen bis Mit­te der 2030er-Jah­re angestrebt.

Zie­le für Niedersachsen:

Ziel­mar­ke Anzahl Woh­nun­gen
Gesamt­be­stand bis 2035 168.500 Sozi­al­woh­nun­gen
Jähr­li­cher Neubau-Bedarf 14.900 Sozi­al­woh­nun­gen

Stra­te­gien für mehr bezahl­ba­ren Wohnraum

Damit die­se Zie­le erreicht wer­den kön­nen, for­dert die IG BAU eine Kehrt­wen­de in der För­der­po­li­tik und beim Bau­en selbst:

  1. Sofor­ti­ge Finan­zie­rung: För­der­gel­der des Bun­des müs­sen bereits zu Bau­be­ginn flie­ßen und nicht über Jah­re ver­teilt werden.

  2. „Erleich­ter­tes Bau­en“: Durch ein­fa­che­re Stan­dards – ohne Qua­li­täts­ver­lust – soll mehr Wohn­raum für das glei­che Bud­get ent­ste­hen. Dies senkt nicht nur die Bau­kos­ten, son­dern hält auch die Instand­hal­tungs­kos­ten niedrig.

  3. Trans­pa­renz durch Sta­tis­tik: Das Land Nie­der­sach­sen soll eine öffent­li­che Sta­tis­tik füh­ren, um monat­lich zu doku­men­tie­ren, wo wie vie­le Sozi­al­woh­nun­gen fer­tig­ge­stellt wurden.

Die Bot­schaft ist deut­lich: Sozia­ler Woh­nungs­bau darf kein Rand­the­ma blei­ben, son­dern muss zur poli­ti­schen Prio­ri­tät wer­den, um den sozia­len Zusam­men­halt im Kreis Leer und ganz Nie­der­sach­sen zu sichern.

Anzeige 
Zum Kommentieren klicken
Die mobile Version verlassen