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EZB erhöht Leit­zin­sen — höhe­re Bau­kre­di­te und Dis­po­zin­sen erwar­tet. Infla­ti­on bei 10%

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Der EZB-Rat hat heu­te beschlos­sen, die drei Leit­zins­sät­ze der EZB um jeweils 50 Basis­punk­te anzu­he­ben, und geht auf­grund der erheb­lich nach oben kor­ri­gier­ten Infla­ti­ons­aus­sich­ten davon aus, dass er sie wei­ter erhö­hen wird. Der EZB-Rat ist ins­be­son­de­re der Auf­fas­sung, dass die Zin­sen noch deut­lich und in einem gleich­mä­ßi­gen Tem­po stei­gen müs­sen, um ein aus­rei­chend restrik­ti­ves Niveau zu errei­chen, das eine zeit­na­he Rück­kehr der Infla­ti­on zum mit­tel­fris­ti­gen 2 %-Ziel gewähr­leis­tet. Ein restrik­ti­ves Zins­ni­veau wird im Lau­fe der Zeit die Infla­ti­on sen­ken, indem es die Nach­fra­ge dämpft, und gleich­zei­tig dem Risi­ko vor­beu­gen, dass sich die Infla­ti­ons­er­war­tun­gen dau­er­haft nach oben ver­schie­ben. Die Leit­zins­be­schlüs­se des EZB-Rats wer­den auch in Zukunft von der Daten­la­ge abhän­gen und von Sit­zung zu Sit­zung festgelegt.

Die EZB-Leit­zin­sen sind das wich­tigs­te Instru­ment des EZB-Rats bei der Fest­le­gung des geld­po­li­ti­schen Kur­ses. Der EZB-Rat hat heu­te auch über Grund­sät­ze für die Nor­ma­li­sie­rung der zu geld­po­li­ti­schen Zwe­cken gehal­te­nen Wert­pa­pier­be­stän­de des Euro­sys­tems gespro­chen. Ab Anfang März 2023 wer­den die Bestän­de aus dem Pro­gramm zum Ankauf von Ver­mö­gens­wer­ten (Asset Purcha­se Pro­gram­me – APP) in einem maß­vol­len und vor­her­seh­ba­ren Tem­po redu­ziert, da das Euro­sys­tem die Til­gungs­be­trä­ge von Wert­pa­pie­ren bei Fäl­lig­keit nicht mehr voll­um­fäng­lich wie­der anle­gen wird. Bis zum Ende des zwei­ten Quar­tals 2023 wer­den die Bestän­de monat­lich im Durch­schnitt um 15 Mrd € redu­ziert. Das Tem­po danach wird im Zeit­ver­lauf festgelegt.

Auf sei­ner Sit­zung im Febru­ar wird der EZB-Rat die genau­en Para­me­ter zur Ver­rin­ge­rung der APP-Bestän­de bekannt­ge­ben. Der EZB-Rat wird das Tem­po zum Abbau des APP-Port­fo­li­os regel­mä­ßig neu beur­tei­len, um Kon­sis­tenz mit der Stra­te­gie und dem Kurs der Geld­po­li­tik ins­ge­samt sicher­zu­stel­len, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Mark­tes auf­recht­zu­er­hal­ten und die kurz­fris­ti­gen Geld­markt­be­din­gun­gen wei­ter­hin sicher steu­ern zu kön­nen. Bis Ende 2023 wird der EZB-Rat auch sei­nen Hand­lungs­rah­men zur Steue­rung kurz­fris­ti­ger Zins­sät­ze über­ar­bei­ten. Dar­aus wer­den sich Infor­ma­tio­nen zum Ende der Bilanz­nor­ma­li­sie­rung ergeben.

Der EZB-Rat hat heu­te beschlos­sen, die Leit­zin­sen anzu­he­ben, da die Infla­ti­on nach wie vor deut­lich zu hoch ist und den Pro­jek­tio­nen zufol­ge zu lan­ge über dem Ziel­wert blei­ben wird. Aus dem­sel­ben Grund geht er davon aus, dass er die Zin­sen wei­ter deut­lich anhe­ben wird. Der Vor­aus­schät­zung von Euro­stat zufol­ge lag die Infla­ti­on im Novem­ber bei 10,0 % und damit etwas unter den 10,6 % vom Okto­ber. Grund für den Rück­gang ist in ers­ter Linie ein gerin­ge­rer Anstieg der Ener­gie­prei­se. Die Teue­rung bei Nah­rungs­mit­teln und der zugrun­de lie­gen­de Preis­druck in der gesam­ten Wirt­schaft haben zuge­nom­men und wer­den für eini­ge Zeit anhal­ten. Vor dem Hin­ter­grund der außer­ge­wöhn­lich gro­ßen Unsi­cher­heit haben Fach­leu­te des Euro­sys­tems ihre Pro­jek­tio­nen für die Infla­ti­on deut­lich nach oben kor­ri­giert. Sie gehen inzwi­schen davon aus, dass die durch­schnitt­li­che Infla­ti­on 2022 bei 8,4 % lie­gen wird, bevor sie 2023 auf 6,3 % sinkt, wobei die Infla­ti­ons­ra­te im Ver­lauf des Jah­res merk­lich zurück­ge­hen dürf­te. Danach wird die durch­schnitt­li­che Infla­ti­on den Pro­jek­tio­nen zufol­ge 2024 bei 3,4 % und 2025 bei 2,3 % lie­gen. Die Infla­ti­on ohne Ener­gie und Nah­rungs­mit­tel dürf­te 2022 im Durch­schnitt bei 3,9 % lie­gen und 2023 auf 4,2 % stei­gen, bevor sie 2024 auf 2,8 % und 2025 auf 2,4 % sinkt.

Im aktu­el­len und im nächs­ten Quar­tal könn­te die Wirt­schaft im Euro­raum schrump­fen. Ursäch­lich hier­für sind die Ener­gie­kri­se, die gro­ße Unsi­cher­heit, die welt­weit nach­las­sen­de Wirt­schafts­tä­tig­keit sowie ver­schärf­te Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen. Laut den jüngs­ten Pro­jek­tio­nen von Fach­leu­ten des Euro­sys­tems dürf­te eine Rezes­si­on rela­tiv kurz und mil­de sein. Das Wachs­tum im kom­men­den Jahr dürf­te sich den­noch ver­hal­ten ent­wi­ckeln und wur­de gegen­über frü­he­ren Pro­jek­tio­nen deut­lich nach unten kor­ri­giert. Über die kur­ze Frist hin­aus dürf­te sich das Wachs­tum erho­len, sobald der der­zei­ti­ge Gegen­wind abflaut. Ins­ge­samt gehen die von Fach­leu­ten des Euro­sys­tems erstell­ten Pro­jek­tio­nen nun von einem Wirt­schafts­wachs­tum von 3,4 % für 2022, 0,5 % für 2023, 1,9 % für 2024 und 1,8 % für 2025 aus.

EZB-Leit­zin­sen

Der EZB-Rat hat beschlos­sen, die drei Leit­zins­sät­ze der EZB um jeweils 50 Basis­punk­te anzu­he­ben. Dem­entspre­chend wer­den der Zins­satz für die Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te sowie die Zins­sät­ze für die Spit­zen­re­fi­nan­zie­rungs­fa­zi­li­tät und die Ein­la­ge­fa­zi­li­tät mit Wir­kung zum 21. Dezem­ber 2022 auf 2,50 %, 2,75 % bzw. 2,00 % erhöht.

Pro­gramm zum Ankauf von Ver­mö­gens­wer­ten (APP) und Pan­de­mie-Not­fall­an­kauf­pro­gramm (PEPP)

Der EZB-Rat beab­sich­tigt, die Til­gungs­be­trä­ge der im Rah­men des APP erwor­be­nen Wert­pa­pie­re bis Ende Febru­ar 2023 wei­ter­hin bei Fäl­lig­keit voll­um­fäng­lich wie­der anzu­le­gen. Im Anschluss hier­an wird das APP-Port­fo­lio in einem maß­vol­len und vor­her­seh­ba­ren Tem­po redu­ziert, da das Euro­sys­tem die Til­gungs­be­trä­ge von Wert­pa­pie­ren bei Fäl­lig­keit nicht mehr voll­um­fäng­lich wie­der anle­gen wird. Bis zum Ende des zwei­ten Quar­tals 2023 wer­den die Bestän­de monat­lich im Durch­schnitt um 15 Mrd € redu­ziert. Das Tem­po danach wird im Zeit­ver­lauf festgelegt.

Was das PEPP angeht, beab­sich­tigt der EZB-Rat, die Til­gungs­be­trä­ge der im Rah­men des Pro­gramms erwor­be­nen Wert­pa­pie­re min­des­tens bis Ende 2024 wei­ter­hin bei Fäl­lig­keit wie­der anzu­le­gen. Das zukünf­ti­ge Aus­lau­fen des PEPP-Port­fo­li­os wird in jedem Fall so gesteu­ert, dass eine Beein­träch­ti­gung des ange­mes­se­nen geld­po­li­ti­schen Kur­ses ver­mie­den wird.

Der EZB-Rat wird bei der Wie­der­an­la­ge der Til­gungs­be­trä­ge fäl­lig wer­den­der Wert­pa­pie­re im Port­fo­lio des PEPP wei­ter­hin fle­xi­bel agie­ren, um pan­de­mie­be­ding­ten Risi­ken für den geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus entgegenzuwirken.

Refi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te

Vor dem Hin­ter­grund von Rück­zah­lun­gen der Ban­ken im Rah­men der geziel­ten län­ger­fris­ti­gen Refi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te wird der EZB-Rat in regel­mä­ßi­gen Abstän­den bewer­ten, wie geziel­te Kre­dit­ge­schäf­te zu sei­nem geld­po­li­ti­schen Kurs beitragen.

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Der EZB-Rat ist bereit, alle sei­ne Instru­men­te im Rah­men sei­nes Man­dats anzu­pas­sen, um sicher­zu­stel­len, dass die Infla­ti­on mit­tel­fris­tig zu sei­nem Ziel­wert von 2 % zurück­kehrt. Das Instru­ment zur Absi­che­rung der Trans­mis­si­on (Trans­mis­si­on Pro­tec­tion Instru­ment) steht zur Ver­fü­gung, um unge­recht­fer­tig­ten, unge­ord­ne­ten Markt­dy­na­mi­ken ent­ge­gen­zu­wir­ken, die eine ernst­haf­te Bedro­hung für die Trans­mis­si­on der Geld­po­li­tik im Euro­raum dar­stel­len. Dies ermög­licht dem EZB-Rat eine effek­ti­ve­re Erfül­lung sei­nes Preisstabilitätsmandats.


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