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Job, Fami­lie & Pfle­ge im Land­kreis Leer: Wie klappt der Spa­gat bei Ihnen?

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Zu wenig Kita-Plät­ze und Sor­ge um den 8‑Stun­den-Tag: NGG warnt vor Belas­tung für Fami­li­en im Land­kreis Leer

LANDKREIS LEER. Die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie bleibt für vie­le Eltern im Land­kreis Leer eine täg­li­che Her­aus­for­de­rung. Nach aktu­el­len Anga­ben der amt­li­chen Sta­tis­tik ste­hen im Kreis­ge­biet der­zeit 1.440 Kita­plät­ze für Kin­der unter drei Jah­ren (U3) zur Ver­fü­gung. Das ent­spricht einer Betreu­ungs­quo­te von gut 31 Pro­zent. Nach Ein­schät­zung der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) Olden­burg-Ost­fries­land reicht die­ser Wert bei Wei­tem nicht aus, um den tat­säch­li­chen Bedarf zu decken.

Gro­ße Lücke bei der U3-Kin­der­be­treu­ung im Kreis Leer

Unter Beru­fung auf eine Stu­die des Deut­schen Jugend­in­sti­tuts (DJI) weist die NGG dar­auf hin, dass der tat­säch­li­che Betreu­ungs­be­darf von Eltern für Unter-3-Jäh­ri­ge in Nie­der­sach­sen bei rund 53 Pro­zent liegt.

„Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbei­ten, müs­sen sie sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass ihre Kin­der betreut wer­den“, betont Ibra­him Ergin, Geschäfts­füh­rer der NGG-Regi­on Olden­burg-Ost­fries­land. Eine ver­läss­li­che Kin­der­be­treu­ung sei für berufs­tä­ti­ge Müt­ter und Väter zwin­gend erfor­der­lich, da Arbeits- und Öff­nungs­zei­ten der Kin­der­ta­ges­stät­ten meist eng auf­ein­an­der abge­stimmt sind.

Geplan­te Ände­rung am Arbeits­zeit­ge­setz: Kri­tik am XL-Arbeitstag

Zusätz­li­che Sor­gen berei­ten der Gewerk­schaft aktu­el­le Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung zur Über­ar­bei­tung des Arbeits­zeit­ge­set­zes. Soll­te der klas­si­sche 8‑Stun­den-Tag auf­ge­weicht wer­den, dro­hen aus Sicht der NGG erheb­li­che Aus­wir­kung auf den All­tag von Fami­li­en im Land­kreis Leer.

Ergin warnt vor den Fol­gen fle­xi­ble­rer und län­ge­rer Arbeitszeiten:

„Wenn das pas­siert, dann bricht für Eltern jede Pla­nung bei der Kin­der­be­treu­ung zusam­men. Denn dann kann ein Arbeits­tag auch mal zwei oder sogar drei­ein­halb Stun­den län­ger wer­den. Mit Ver­läss­lich­keit, die Eltern drin­gend brau­chen, hat das nichts mehr zu tun.“

Wer sein Kind pünkt­lich vor der Schlie­ßung der Kita abho­len müs­se, gera­te bei spon­ta­nen Arbeits­ta­gen von 10 oder 12 Stun­den in orga­ni­sa­to­ri­sche Nöte. Am Ende beein­träch­ti­ge die­se Unsi­cher­heit die beruf­li­che Exis­tenz der Betroffenen.

Auch häus­li­che Pfle­ge von Ange­hö­ri­gen betroffen

Neben der Kin­der­be­treu­ung sieht die NGG auch Risi­ken für die häus­li­che Pfle­ge von Ange­hö­ri­gen. Wenn Ver­sor­gungs­zei­ten eng mit Pfle­ge­diens­ten getak­tet sind, füh­ren über­lan­ge Arbeits­ta­ge zu erheb­li­chen Abstimmungsproblemen.

Nach Zah­len einer bun­des­wei­ten Beschäf­tig­ten­be­fra­gung des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des (DGB, Index Gute Arbeit) geben 51 Pro­zent der Frau­en und 41 Pro­zent der Män­ner an, sich zu Hau­se um Kin­der oder älte­re Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge zu küm­mern. Bereits unter den aktu­el­len Rah­men­be­din­gun­gen fällt es gut einem Fünf­tel aller Beschäf­tig­ten schwer, Job und Fami­lie zeit­lich zu ver­ein­ba­ren. Bei Allein­er­zie­hen­den liegt die­ser Anteil sogar bei 42 Prozent.

Soll­ten künf­tig Wochen­ar­beits­zei­ten mit Höchst­li­mits von 48 oder in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen bis zu 73,5 Stun­den mög­lich wer­den, pro­vo­zie­re Schwarz-Rot aus Sicht der NGG erheb­li­che Pro­ble­me für vie­le Haus­hal­te in der Region.

Fach­kräf­te­man­gel und gesund­heit­li­che Risiken

Der Ursa­che des Arbeits­kräf­te­man­gels in Bran­chen wie dem Gast­ge­wer­be, dem Lebens­mit­tel­hand­werk oder der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie wird man nach Ansicht der Gewerk­schaft mit ver­län­ger­ten Schich­ten nicht gerecht.

„Den Arbeits­kräf­te­man­gel in die­sen Betrie­ben lösen wir nicht durch län­ge­re Arbeits­ta­ge, son­dern durch bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und mehr Kita-Plät­ze“, erklärt Ergin.

Zudem ver­weist die NGG auf gesund­heit­li­che Gefah­ren durch über­lan­ge Arbeits­zei­ten. Unter­su­chun­gen zei­gen, dass das Unfall­ri­si­ko nach acht Stun­den kon­ti­nu­ier­lich ansteigt und nach zwölf Stun­den dop­pelt so hoch ist wie bei einem regu­lä­ren 8‑Stun­den-Tag. Auch Schlaf­stö­run­gen, Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Burn­out wer­den als mög­li­che Spät­fol­gen genannt.

Wei­ter­füh­ren­de Informationen

Wei­te­re Details und Posi­tio­nen der Gewerk­schaft zur Arbeits­zeit­de­bat­te sind auf der offi­zi­el­len Web­site unter www.ngg.net/themen/mit-macht-fuer-die‑8 zu finden.

Bei­trags­bild: KI-Symbolfoto

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