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Kli­ma­ri­si­ko­in­dex 2050: Wie stark ist unse­re Regi­on gefährdet?

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Win­ter­idyl­le am Süd­strand: Wäh­rend Eis die Nord­see bedeckt, warnt der neue Kli­ma­ri­si­ko­in­dex vor der Zukunft. Wil­helms­ha­ven gilt bun­des­weit als die am stärks­ten vom Kli­ma­wan­del bedroh­te Regi­on. Foto: Ingo Ton­sor @LeserECHO

Kli­ma­ri­si­ko­in­dex 2050: Nord­wes­ten beson­ders im Visier – Wil­helms­ha­ven bun­des­weit Spitzenreiter

Von der Küs­te bis in die Alpen – der Kli­ma­wan­del trifft Deutsch­land nicht über­all gleich hart. Eine aktu­el­le Stu­die des Insti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) und der ERGO Ver­si­che­rung zeigt nun detail­liert auf, wel­che Kom­mu­nen bis zum Jahr 2050 mit den größ­ten Risi­ken durch Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se rech­nen müs­sen. Beson­ders die Küs­ten­re­gio­nen und der Nord­wes­ten sind betroffen.

Wie ver­wund­bar ist unse­re Infra­struk­tur? Um die­se Fra­ge zu beant­wor­ten, haben Wis­sen­schaft­ler der IW Con­sult und Exper­ten der Köln.Assekuranz den Kli­ma­ri­si­ko­in­dex ent­wi­ckelt. Auf einer Ska­la von 0 (gerin­ges Risi­ko) bis 10 (hohes Risi­ko) wur­den alle 400 Krei­se ana­ly­siert. Die For­scher zei­gen auf, wie stark Regio­nen heu­te und im Jahr 2050 Sturm, Stark­re­gen, Hit­ze, Dür­re und Hagel aus­ge­setzt sind.

Regio­na­le Ana­ly­se: Der Nor­den unter Druck

Beson­ders Städ­te und Gemein­den in Küs­ten­nä­he oder ent­lang gro­ßer Flüs­se sind zuneh­mend gefähr­det. Die Aus­wer­tung der spe­zi­fi­schen Daten für unse­re Regi­on zeigt eine deut­li­che Ten­denz nach oben:

Regi­on Risi­ko Heute Risi­ko 2050
Wil­helms­ha­ven (Stadt) 5,67 5,88
Weser­marsch (Land­kreis) 5,60 5,80
Emden (Stadt) 5,45 5,59
Witt­mund (Land­kreis) 4,74 5,13
Bre­mer­ha­ven (Stadt) 4,78 5,03
Aurich (Land­kreis) 4,56 4,97
Bran­den­burg an der Havel 4,57 4,85
Leer (Land­kreis) 4,23 4,84
Mann­heim (Stadt) 4,46 4,71
Fries­land (Land­kreis) 4,44 4,70

Wil­helms­ha­ven bun­des­weit am stärks­ten gefährdet

Die größ­ten Kli­ma­ri­si­ken für die städ­ti­sche Infra­struk­tur herr­schen in Wil­helms­ha­ven. Mit einem Wert von bis zu 5,9 im Jahr 2050 liegt die Stadt an der Spit­ze aller 400 unter­such­ten Regio­nen. Am gerings­ten fal­len die Risi­ken im Ver­gleich dazu in Kemp­ten im All­gäu aus (Anstieg von 2,8 auf 3,1).

Die drei gro­ßen Gefah­ren: Sturm, Stark­re­gen und Hitze

Die For­scher iden­ti­fi­zier­ten drei Hauptbedrohungen:

  • Sturm: Bereits heu­te die flä­chen­de­ckend größ­te Gefahr. Alle unter­such­ten Regio­nen lie­gen hier bereits über einem Index­wert von 7,5.

  • Stark­re­gen: Trifft jede vier­te Regi­on mas­siv. Das Risi­ko wächst vor allem in ber­gi­gen Regio­nen, aber auch durch die Zunah­me extre­mer Wet­ter­la­gen im Flachland.

  • Hit­zestress: Hier zeigt sich die dras­tischs­te Ver­än­de­rung. Bis 2050 wer­den 372 der 400 Regio­nen mas­siv unter Hit­ze lei­den (Index über 3,0).

Kom­mu­nen fehlt das Geld für Vorsorge

Trotz der kla­ren Fak­ten fehlt es oft an der Umset­zung von Schutz­maß­nah­men. „Vie­len Kom­mu­nen fehl­te bis­lang das Geld, um sich hin­rei­chend auf die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels vor­zu­be­rei­ten“, warnt IW-Exper­te Han­no Kem­per­mann. Damit not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen in Deich­schutz, Kana­li­sa­ti­on oder Stadt­küh­lung nicht auf der Stre­cke blei­ben, for­dert das IW eine gesi­cher­te Finan­zie­rung durch Bund und Länder.

Olaf Blä­ser, Vor­stands­vor­sit­zen­der der ERGO Ver­si­che­rung AG, betont: „Der Kli­ma­wan­del betrifft alle – aber nicht über­all gleich stark.“ Der Index bie­tet nun eine wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Grund­la­ge, damit Poli­tik und Kom­mu­nen gezielt Vor­sor­ge tref­fen können.

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