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Rat stoppt Umbe­nen­nung der Hin­den­burg­stra­ße nach kon­tro­ver­ser Debatte

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Rat der Stadt Leer kippt Umbe­nen­nung der Hindenburgstraße

Pres­se­mit­tei­lung der FDP-Frak­ti­on der Stadt Leer

Leer, 26. Febru­ar 2026 – In einer emo­ti­ons­ge­la­de­nen Sit­zung hat der Rat der Stadt Leer am heu­ti­gen Don­ners­tag­abend eine weit­rei­chen­de Ent­schei­dung revi­diert. Mit Mehr­heit stimm­ten die Rats­mit­glie­der für einen Antrag der CDU-Frak­ti­on, den ursprüng­li­chen Beschluss zur Umbe­nen­nung der Hin­den­burg­stra­ße auf­zu­he­ben. Damit bleibt der his­to­risch umstrit­te­ne Stra­ßen­na­me vor­erst erhalten.

Erfolg für die Bür­ger­be­tei­li­gung: FDP-Frak­ti­on setzt sich geschlos­sen für Erhalt der Hin­den­burg­stra­ße ein

In der heu­ti­gen Sit­zung des Rates der Stadt Leer wur­de ein ent­schei­den­der Sieg für die Bestän­dig­keit und den Bür­ger­wil­len errun­gen. Mit gro­ßer Mehr­heit (20 Ja-Stim­men gegen 9 Nein-Stim­men bei 7 Ent­hal­tun­gen) folg­te der Rat dem Antrag auf Auf­he­bung des Umbe­nen­nungs­be­schlus­ses für die Hin­den­burg­stra­ße. Die FDP-Frak­ti­on stimm­te dabei geschlos­sen und aus tie­fer Über­zeu­gung für den Erhalt des Straßennamens.

Geschlos­se­ne Hal­tung der Liberalen

Die FDP-Frak­ti­ons­mit­glie­der Sven Albert, Gün­ter Pod­lich und Susan­ne Smit hat­ten bereits im Vor­feld der Ent­schei­dung eine kla­re, ein­heit­li­che Linie ver­tre­ten. Die libe­ra­le Frak­ti­on sah in der geplan­ten Umbe­nen­nung nicht nur einen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ein­griff in die Lebens­welt der Anwoh­ner, son­dern auch eine ver­pass­te Chan­ce für eine reflek­tier­te Erinnerungskultur.

Rück­blick: Wort gehal­ten seit Sep­tem­ber 2025

Bereits vor fünf Mona­ten, als am 25. Sep­tem­ber 2025 eine knap­pe Mehr­heit in gehei­mer Abstim­mung für die Umbe­nen­nung votier­te, bezog die FDP deut­lich Stel­lung. Die Frak­ti­on beton­te damals wie heu­te, dass Paul von Hin­den­burg zwar eine his­to­risch kom­ple­xe und kri­tisch zu betrach­ten­de Per­sön­lich­keit sei, eine Til­gung des Namens aus dem Stadt­bild jedoch der fal­sche Weg wäre.

In ihrem dama­li­gen State­ment und dem heu­ti­gen Dis­kurs unter­strich die FDP:

„Ohne Erin­ne­rung gibt es weder Über­win­dung des Bösen noch Leh­ren für die Zukunft.“ (Roman Herzog)

Argu­men­te für Iden­ti­tät und his­to­ri­sche Einordnung

Die FDP-Frak­ti­on stütz­te ihre Ent­schei­dung auf drei zen­tra­le Säulen:

  1. Respekt vor dem Bür­ger­wil­len: Die Stra­ße ist seit fast 100 Jah­ren Teil des Lebens­um­fel­des. Die Frak­ti­on respek­tiert die per­sön­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­on der Anwoh­ner mit ihrer Hei­mat­adres­se und lehnt eine poli­ti­sche Bevor­mun­dung gegen das kla­re Votum der Betrof­fe­nen ab.

  2. His­to­ri­sche Authen­ti­zi­tät: Der Name Hin­den­burg­stra­ße in Loga erin­nert auch an den Besuch des Reichs­prä­si­den­ten im Mai 1927 auf der Even­burg – ein Ereig­nis, das damals ganz Ost­fries­land beweg­te. Die­se loka­le His­to­rie soll­te nicht aus­ge­löscht werden.

  3. Ler­nen statt Ver­drän­gen: Statt eines neu­en Namens for­dert die FDP wei­ter­hin eine reflek­tier­te Erin­ne­rungs­po­li­tik. Ziel bleibt die Instal­la­ti­on einer sicht­ba­ren Hin­weis­ta­fel mit his­to­ri­schem Kon­text direkt an der Frie­dens­kir­che, um die Geschich­te kri­tisch und sicht­bar zu vermitteln.

Ein Sieg der Vernunft

„Wir freu­en uns, dass der Rat heu­te die Grö­ße beses­sen hat, eine Ent­schei­dung zu kor­ri­gie­ren, die in der Bür­ger­schaft zu tie­fem Unfrie­den geführt hat­te“, so die Frak­ti­on nach der Abstim­mung. Beson­ders die hohe Betei­li­gung an der Bür­ger­initia­ti­ve und die über 1.100 Unter­schrif­ten hät­ten gezeigt, dass die Men­schen in Leer Bestän­dig­keit und einen ehr­li­chen Umgang mit der Geschich­te fordern.

Die FDP-Frak­ti­on sieht in dem heu­ti­gen Ergeb­nis eine Bestä­ti­gung ihrer Arbeit: Geschich­te muss aus­ge­hal­ten und erklärt wer­den, anstatt sie durch Umbe­nen­nun­gen in den Hin­ter­grund zu drängen.

Gün­ter Pod­lich und Sven Albert von der FDP-Frak­ti­on der Stadt Leer – Susan­ne Smit fehlt – ste­hen vor dem Schild in der Hin­den­burg­stra­ße. Die FDP hat­te sich klar gegen die Umbe­nen­nung aus­ge­spro­chen. Am 25. Sep­tem­ber 2025 beschloss der Stadt­rat in gehei­mer Abstim­mung mit 29 abge­ge­be­nen Stim­men die Umbe­nen­nung: 15 Stim­men dafür, 14 dage­gen. Damit ist der Beschluss rechts­kräf­tig, und die Stra­ße wird künf­tig einen neu­en Namen erhalten.
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