Lokal
Schüler aus Westoverledingen schlüpfen in die Rolle von Ratsmitgliedern
Politik hautnah: Wenn das Klassenzimmer zum Rathaussaal wird.
WESTOVERLEDINGEN. Wie entsteht eigentlich ein neuer Skateplatz? Wer entscheidet über den Kunstrasen für den Sportverein? Und wie mühsam ist der Weg zu einem politischen Kompromiss? Diesen Fragen gingen rund 110 Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen der Realschule Collhusen eine Woche lang auf den Grund. In einem intensiven Planspiel, organisiert von der Jugendpflege der Gemeinde Westoverledingen und dem Schulzentrum, tauschten die Jugendlichen Schulbank gegen Ratssessel.
Von der Idee zum fertigen Antrag
Ziel des Projekts war es, die oft abstrakt wirkende Kommunalpolitik lebendig und greifbar zu machen. Die Neuntklässler schlüpften dabei in die Rollen von Ratsmitgliedern und organisierten sich klassenweise in verschiedenen Fraktionen. Der Auftrag: Eigene Konzepte zur Verbesserung ihrer Gemeinde entwickeln.
Die Themenliste der jungen „Politiker“ war vielseitig und praxisnah:
-
Jugendtreffpunkte: Bau neuer Unterstände als geschützte Aufenthaltsorte.
-
Freizeit & Sport: Renovierung des Skateplatzes sowie der Bau eines neuen Kunstrasenplatzes.
-
Soziale Infrastruktur: Erweiterung des örtlichen Jugendhauses.
Doch eine gute Idee allein reicht in der Demokratie nicht aus. Die Schüler mussten ihre Vorschläge in konkrete Anträge gießen und diese zunächst in fiktiven Fachausschüssen verteidigen – exakt so, wie es im realen politischen Betrieb üblich ist. Unterstützt wurden sie dabei von Lehrkräften, Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung und erfahrenen Ratsmitgliedern des Westoverledinger Gemeinderates.
Debattenkultur auf Augenhöhe
Der Höhepunkt der Projektwoche fand im echten Rathaussaal in Ihrhove statt. In einer nachgestellten Ratssitzung debattierten 30 gewählte Schülervertreter vor den Augen ihrer Mitschüler. Besonders beeindruckend war dabei die Diskussionskultur: Die Fraktionssprecher präsentierten ihre Anliegen, während die Gegenseite kritisch hinterfragte oder Unterstützung signalisierte.
In der rund zweistündigen Sitzung zeigte sich, dass die Jugendlichen schnell lernten, worauf es ankommt: Argumentation, Spontaneität und vor allem die Bereitschaft zum Kompromiss. Die Atmosphäre war durchweg konstruktiv; Beschlussvorschläge wurden teils während der Debatte angepasst, um Mehrheiten zu finden.
Impulse für die echte Politik
Das Projekt soll jedoch mehr sein als nur eine Trockenübung. Die erarbeiteten Ideen landen nicht in der Schublade, sondern werden nun in die reale Politik getragen. Ellen Schidak von der Jugendpflege der Gemeinde Westoverledingen betont die Relevanz der Ergebnisse:
„Wir werden die Anträge sowie das gesamte Projekt in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Senioren und Soziales detailliert präsentieren. Das Ziel ist natürlich, dass ausgewählte Anträge umgesetzt oder zumindest angestoßen werden.“
Ob der Kunstrasenplatz oder die neuen Unterstände tatsächlich kommen, ist derzeit noch offen. Fest steht jedoch: Die Ideen der Schüler werden ernst genommen. Das Planspiel hat nicht nur demokratische Kompetenzen vermittelt, sondern könnte Westoverledingen ganz reale, frische Impulse für die Zukunft liefern.
Anzeige