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Ulf Thiele besucht Wein Wolff: Ostfriesische Spirituosen treffen auf neue EU-Bürokratie
(von links) Geschäftsführer und Sommelier Jan Wolff, Landtagsabgeordneten Ulf Thiele und Destillateur Stefan Mennenga. Foto: Wahlkreisbüro Ulf Thiele
Thiele bei Wein Wolff: Ostfriesische Tradition, neue Ideen – und zu viel Bürokratie
Leer, 26. August 2026. Wie entstehen neue Spirituosen, die zur Region und zum Geschmack der Menschen in Ostfriesland passen? Dieser Frage ist der CDU-Landtagsabgeordnete Ulf Thiele bei einem Besuch des Leeraner Traditionsunternehmens Wein Wolff nachgegangen. Gemeinsam mit Geschäftsführer und Sommelier Jan Wolff sowie Destillateur Stefan Mennenga sprach Thiele über die Entwicklung neuer Produkte, regionale Geschmacksunterschiede und die Verbindung von jahrhundertealter Erfahrung mit neuen Ideen.
Dabei blieb es nicht bei der Theorie. Stefan Mennenga, der bei Wein Wolff neue Spirituosen entwickelt und bestehende Rezepturen weiterführt, gab Einblicke in die Arbeit mit Kräuterauszügen, Aromadestillaten und unterschiedlichen Ansätzen. Auch eine Verkostung gehörte zum Besuch.
„Hier steckt unglaublich viel Erfahrung, handwerkliches Können und Gespür für die Region in jeder Flasche. Besonders spannend fand ich, wie genau Jan Wolff und Stefan Mennenga wissen, welche Geschmacksrichtungen in Ostfriesland gefragt sind – und dass sich die Vorlieben teilweise sogar von Ort zu Ort unterscheiden“, sagte Thiele.
Spirituosen mit Geschichte und neuen Ideen
Die Herstellung eigener Spirituosen gehört seit Generationen zum Unternehmen. Einige Rezepturen werden bereits seit mehr als 100 Jahren verwendet und innerhalb der Familie weitergegeben. Gleichzeitig entstehen immer wieder neue Produkte und Produktlinien, die traditionelle ostfriesische Geschmacksrichtungen mit modernen Ideen verbinden.
Für Thiele zeigt sich darin, dass Tradition und Innovation kein Widerspruch sein müssen: „Wer seine Wurzeln kennt, kann daraus auch etwas Neues entwickeln.“
Wie tief diese Wurzeln reichen, wurde beim anschließenden Rundgang mit Jan Wolff durch das historische Haus Samson deutlich. Das Gebäude in der Leeraner Altstadt stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert. Neben dem Stammgeschäft und der Verwaltung befindet sich dort ein Museum mit einer umfangreichen Sammlung ostfriesischer Wohnkultur.
Seit 2007 befinden sich das Haus Samson und die Sammlung im Besitz der Hilke und Fritz Wolff Stiftung. Die weitläufigen, teilweise rund 400 Jahre alten Kellergewölbe unter den Häusern in der Rathausstraße werden bis heute zur Lagerung von Wein genutzt.
Wein Wolff: Seit 1800 in Leer
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis in das Jahr 1800 zurück. Heute führt Jan Wolff den Familienbetrieb bereits in siebter Generation. Mehr als 1.000 verschiedene Weine gehören zum Sortiment. Hinzu kommen zahlreiche ostfriesische Spirituosen, die direkt in Leer hergestellt werden.
Produktion, Handel, Filialgeschäft und Online-Versand greifen dabei ineinander. Gerade diese Verbindung aus traditionsreichem Familienunternehmen und modernem Mittelstand war für Thiele ein wichtiger Anlass, neben den Produkten auch über die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen zu sprechen.
Neue EU-Regeln sorgen für zusätzliche Belastungen
Im Gespräch mit Jan Wolff ging es deshalb ausführlich um die zunehmenden Anforderungen durch europäische Regelungen für Handel und Online-Versand. Besonders im Mittelpunkt standen die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing und die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR).
„Die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing und die neue EU-Verpackungsverordnung stellen kleine Unternehmen, den Mittelstand und Versandhändler vor erhebliche zusätzliche Anforderungen. Mehr Verbraucherschutz und weniger Verpackungsmüll sind grundsätzlich richtige Ziele. Entscheidend ist jedoch, dass die Umsetzung rechtssicher, praxistauglich und mittelstandsfreundlich erfolgt“, erklärte Thiele.
Gerade kleine Betriebe und Online-Händler benötigten klare Regeln statt neuer Bürokratiefallen. „Wer Nachhaltigkeit ehrlich kommuniziert oder Waren ins EU-Ausland liefert, darf nicht durch unklare Vorgaben, zusätzliche Registrierungspflichten und Abmahnrisiken ausgebremst werden.“
EmpCo-Richtlinie: Strengere Vorgaben für Nachhaltigkeitswerbung
Mit der Umsetzung der EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 werden die Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen deutlich verschärft. Die neuen Regelungen sind ab dem 27. September 2026 anzuwenden.
Allgemeine Umweltaussagen wie „klimafreundlich“, „grün“ oder „nachhaltig“ werden künftig nur noch unter deutlich strengeren Voraussetzungen zulässig sein. Unternehmen müssen deshalb ihre Werbung, Produktinformationen, Verpackungen und Online-Auftritte überprüfen und gegebenenfalls anpassen.
Aus Sicht Thieles ist insbesondere problematisch, dass für bereits produzierte Verpackungen und Warenbestände keine ausreichende rechtssichere Aufbrauch- oder Abverkaufsfrist vorgesehen ist.
„Es kann nicht nachhaltig sein, rechtmäßig produzierte Verpackungen oder sogar Waren vernichten zu müssen, nur weil sich zwischenzeitlich die gesetzlichen Anforderungen geändert haben. Deshalb unterstütze ich die Forderung nach einer mindestens einjährigen Abverkaufsfrist für vorhandene Bestände“, sagte Thiele.
Zudem müsse sichergestellt werden, dass etablierte unabhängige Verbrauchertests und seriöse Standards nicht unbeabsichtigt unter pauschale Verbote fallen oder neue Abmahnrisiken entstehen.
EU-Verpackungsverordnung bringt neue Pflichten für Online-Händler
Eine weitere Herausforderung sieht Thiele in der EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die seit dem 12. August 2026 gilt. Insbesondere der grenzüberschreitende Versand bringt zusätzliche Pflichten mit sich.
Wer verpackte Waren unmittelbar an Endverbraucher in anderen EU-Mitgliedstaaten liefert, muss dort grundsätzlich die jeweiligen Vorgaben der erweiterten Herstellerverantwortung erfüllen und einen Bevollmächtigten benennen. Damit können zusätzliche Registrierungs‑, Melde- und Kostenpflichten verbunden sein.
Für kleine Online-Händler kann dieser Aufwand im Verhältnis zu wenigen Lieferungen in einzelne EU-Staaten erheblich sein. Im schlimmsten Fall könnte dadurch ein wirtschaftlicher Anreiz entstehen, Kunden in anderen Mitgliedstaaten gar nicht mehr zu beliefern.
„Wenn kleinere Online-Händler ihren Versand in andere EU-Staaten einstellen, weil sich einige wenige Pakete wegen der damit verbundenen Bürokratie nicht mehr rechnen, läuft etwas grundsätzlich falsch. Das widerspricht dem Gedanken des europäischen Binnenmarktes“, bekräftigte Thiele.
Er fordert deshalb eine schnelle mittelstandsfreundliche Korrektur. Dazu gehörten insbesondere eine deutlich einfachere Regelung der Bevollmächtigtenpflicht sowie sinnvolle Ausnahmen und Erleichterungen für kleine Unternehmen und geringe Versandmengen.
Thiele sucht direkt den Kontakt nach Brüssel
Im Anschluss an das Gespräch nahm Ulf Thiele direkt Kontakt mit den Abgeordneten des Europäischen Parlaments Jens Gieseke aus dem Emsland und David McAllister aus dem Landkreis Cuxhaven auf.
Beide versicherten, dass sich die Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament und auch sie persönlich für eine schnelle Lösung einsetzen wollen. Ziel sei es, die von der Kommission in Kraft gesetzte Richtlinie schnellstmöglich außer Kraft zu setzen und anschließend mittelstandsfreundlich zu überarbeiten.
Die Folgewirkungen der jetzt in Kraft gesetzten EmpCo-Richtlinie seien nicht im Sinne der EVP-Fraktion und entsprächen nicht den politischen Vorgaben des Europäischen Parlaments.
„Solchen Betrieben sollten wir den Rücken freihalten“
Für Ulf Thiele hat der Besuch bei Wein Wolff damit zwei Seiten des erfolgreichen Mittelstands sichtbar gemacht: auf der einen Seite jahrhundertealte Tradition, handwerkliches Können und regionale Verbundenheit, auf der anderen Seite Innovation, neue Produkte und moderne Vertriebswege.
„Hier wird seit mehr als zwei Jahrhunderten unternehmerische Tradition bewahrt und gleichzeitig ständig etwas Neues entwickelt. Genau solchen Betrieben sollten wir den Rücken freihalten. Europa muss ihnen den Zugang zum Binnenmarkt erleichtern – und darf ihn nicht mit neuer Bürokratie erschweren“, erklärte Thiele abschließend.
Wie und wo entstehen bei Wein Wolff eigentlich die vielen Kreationen neuer Spirituosen? Der Landtagsabgeordnete Ulf Thiele (CDU) schaute hinter die Kulissen des ostfriesischen Traditionsunternehmens in der Leeraner Altstadt. Neue europäische Vorgaben erschweren allerdings den Handel im Binnenmarkt.
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