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Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: Kla­re Wor­te für Soli­da­ri­tät, Viel­falt und glei­che Rechte

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Laut Sophie Koch sind Demons­tra­tio­nen wie der CSD gera­de für jun­ge Men­schen wich­tig: Sie kön­nen Mut machen, zu sich selbst zu ste­hen, Sicht­bar­keit zu zei­gen und zu erfah­ren, dass sie mit ihrer Iden­ti­tät nicht allein sind.

Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: „Wir wer­den nie wie­der lei­se sein“

Leer – Mit deut­li­chen Wor­ten hat sich Sophie Koch, Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für die Akzep­tanz sexu­el­ler und geschlecht­li­cher Viel­falt, beim 5. CSD in Leer an die que­e­re Com­mu­ni­ty und die zahl­rei­chen Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer gewandt. In ihren Gruß­wor­ten wür­dig­te sie das Enga­ge­ment der Orga­ni­sa­to­ren und Hel­fer und mach­te zugleich deut­lich, dass die poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung um Gleich­be­rech­ti­gung und Akzep­tanz wei­ter­ge­führt wer­den müsse.

Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: „Wir wer­den nie wie­der lei­se sein“

Sophie Koch, Mit­glied des säch­si­schen Land­ta­ges und Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für die Akzep­tanz sexu­el­ler und geschlecht­li­cher Viel­falt. Sie sprach beim 5. CSD in Leer zu den Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern der Ver­an­stal­tung. Foto: Ingo Ton­sor @ LeserECHO

Koch beton­te zunächst, dass sie als Que­er-Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung spre­che, jedoch nicht als Spre­che­rin der Bun­des­re­gie­rung. Sie zeig­te Ver­ständ­nis für den teil­wei­se deut­li­chen Unmut inner­halb der Com­mu­ni­ty gegen­über der aktu­el­len Bun­des­re­gie­rung. Gleich­zei­tig stell­te sie ihre per­sön­li­che Ver­bin­dung zum The­ma her­aus: Sie sei selbst que­er, kom­me aus dem Osten Deutsch­lands und sei in einem klei­nen Dorf aufgewachsen.

Beson­ders bewegt zeig­te sich Koch ange­sichts der Grö­ße und Sicht­bar­keit des CSD in Leer. Sie erklär­te, sie hät­te sich in ihrer eige­nen Jugend einen sol­chen CSD gewünscht. Ver­an­stal­tun­gen wie die­se könn­ten für jun­ge Men­schen ein ent­schei­den­der Moment sein, erst­mals offen zu sich selbst zu ste­hen und das Gefühl zu bekom­men, mit der eige­nen Iden­ti­tät nicht allein zu sein.

„Der Wind gegen uns wird rauer“

Mit Blick auf die zuneh­men­de Que­er­feind­lich­keit sprach Koch von einem rau­er wer­den­den gesell­schaft­li­chen Kli­ma. Gera­de des­halb sei­en CSD-Ver­an­stal­tun­gen und poli­ti­sche Demons­tra­tio­nen wich­ti­ger denn je. Deutsch­land­weit gebe es inzwi­schen mehr als 250 ent­spre­chen­de Ver­an­stal­tun­gen, an denen Mil­lio­nen Men­schen teilnähmen.

Die Que­er-Com­mu­ni­ty habe dabei eine beson­de­re Stär­ke, so Koch: die Fähig­keit, immer wie­der gemein­sam sicht­bar zu wer­den und für ihre Rech­te auf die Stra­ße zu gehen. Sie rief die Teil­neh­mer dazu auf, sich von aktu­el­len Ent­wick­lun­gen nicht ent­mu­ti­gen zu las­sen. Trotz aller Wider­stän­de müs­se die Com­mu­ni­ty selbst­be­wusst auf­tre­ten und deut­lich machen, dass sie eine star­ke gesell­schaft­li­che Mehr­heit hin­ter sich habe.

Ein zen­tra­les Anlie­gen ihrer Rede war die geplan­te Ergän­zung des Arti­kels 3 des Grund­ge­set­zes. Koch kün­dig­te an, sich wei­ter­hin dafür ein­zu­set­zen, dass der Schutz vor Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der sexu­el­len Iden­ti­tät aus­drück­lich im Grund­ge­setz ver­an­kert wird. Auch die voll­stän­di­ge recht­li­che Aner­ken­nung quee­rer Fami­li­en sei ein Ziel, für das wei­ter gekämpft wer­den müsse.

Dank an Orga­ni­sa­to­ren und Helfer

Aus­drück­lich wür­dig­te Koch die Arbeit der Men­schen, die den CSD in Leer orga­ni­siert und mög­lich gemacht hat­ten. Sie dank­te den Orga­ni­sa­to­ren, Stand­be­trei­bern, Ord­nern und zahl­rei­chen Hel­fern, die teil­wei­se über Mona­te hin­weg Zeit und Ener­gie in die Ver­an­stal­tung inves­tiert hätten.

Beson­ders posi­tiv hob sie die sicht­ba­re Unter­stüt­zung durch Eltern und Groß­el­tern her­vor. Die Prä­senz von Initia­ti­ven wie „Eltern gegen Rechts“ und „Omas gegen Rechts“ habe für sie ein wich­ti­ges Signal aus­ge­sen­det: Fami­lie kön­ne ganz unter­schied­lich aus­se­hen, und jun­ge Men­schen soll­ten unab­hän­gig von ihrer sexu­el­len oder geschlecht­li­chen Iden­ti­tät Unter­stüt­zung erfahren.

Auch das Selbst­be­stim­mungs­ge­setz sprach Koch an. Sie bezeich­ne­te des­sen Ein­füh­rung als einen wich­ti­gen poli­ti­schen Erfolg der Com­mu­ni­ty und erklär­te, dass die­ses Gesetz bestehen blei­ben wer­de. Grund­sätz­lich müs­se die Rich­tung wei­ter­hin nach vor­ne gehen, nicht zurück.

Appell: „Nutzt eure Stimme“

Mit Blick auf die anste­hen­den Wah­len rief Koch die Men­schen dazu auf, ihre demo­kra­ti­sche Stim­me zu nut­zen und auch im per­sön­li­chen Umfeld für Mehr­hei­ten ein­zu­tre­ten, die die Rech­te quee­rer Men­schen unterstützen.

Zum Abschluss ihrer Gruß­wor­te rich­te­te sie den Blick noch ein­mal auf die Men­schen­men­ge vor der Büh­ne. Die Viel­falt inner­halb der quee­ren Com­mu­ni­ty sei kei­ne Schwä­che, son­dern eine beson­de­re Stär­ke. Auch Men­schen, die sich ansons­ten viel­leicht nie begeg­nen wür­den, ver­bin­de beim CSD ein gemein­sa­mer Gedan­ke: Soli­da­ri­tät und der Ein­satz für glei­che Rechte.

Koch bedank­te sich abschlie­ßend erneut bei allen Betei­lig­ten des 5. CSD in Leer und rich­te­te einen per­sön­li­chen Gruß an die Com­mu­ni­ty: „Leer, Hap­py Pride.“

Zahl­rei­che Stän­de auf dem Zoll­haus­ge­län­de boten Infor­ma­tio­nen und Raum für den Aus­tausch mit der quee­ren Com­mu­ni­ty. Ver­tre­ten waren unter ande­rem der Land­kreis Leer, die Poli­zei sowie Par­tei­en wie SPD, Grü­ne, Lin­ke und FDP und vie­le wei­te­re Organisationen.

Was bedeu­tet eigent­lich „que­er“? Ein Begriff für sexu­el­le und geschlecht­li­che Vielfalt

Leer/Ostfriesland. Beim Chris­to­pher Street Day, kurz CSD in Leer Ost­fries­land, ist der Begriff „que­er“ all­ge­gen­wär­tig. Doch was genau bedeu­tet er eigent­lich? Wer ist damit gemeint und woher stammt das Wort? Gera­de weil „que­er“ heu­te ganz selbst­ver­ständ­lich in gesell­schaft­li­chen Dis­kus­sio­nen ver­wen­det wird, lohnt sich ein genaue­rer Blick auf sei­ne Bedeu­tung und Geschichte.

„Que­er“ wird heu­te vor allem als Sam­mel­be­griff für Men­schen ver­wen­det, deren sexu­el­le Ori­en­tie­rung oder geschlecht­li­che Iden­ti­tät nicht der klas­si­schen gesell­schaft­li­chen Vor­stel­lung von Hete­ro­se­xua­li­tät und einer ein­deu­ti­gen Zuord­nung als Mann oder Frau ent­spricht. Der Begriff umfasst damit unter­schied­li­che Lebens­wei­sen und Identitäten.

Dabei ist „que­er“ kei­ne ein­zel­ne sexu­el­le Ori­en­tie­rung oder Geschlechts­iden­ti­tät. Viel­mehr dient das Wort als Ober­be­griff. Men­schen kön­nen sich bei­spiels­wei­se als les­bisch, schwul, bise­xu­ell, pan­se­xu­ell, trans, nicht-binär, inter­ge­schlecht­lich, ase­xu­ell oder aro­man­tisch ver­ste­hen und sich gleich­zei­tig unter dem Begriff „que­er“ wiederfinden.

Ein Begriff, der vie­le Men­schen einschließt

Zum quee­ren Spek­trum gehö­ren unter ande­rem Les­ben und Schwu­le, also Men­schen, die sich zum glei­chen Geschlecht hin­ge­zo­gen füh­len. Auch bise­xu­el­le und pan­se­xu­el­le Men­schen kön­nen sich als que­er ver­ste­hen. Bei ihnen spielt die sexu­el­le bezie­hungs­wei­se roman­ti­sche Anzie­hung zu Men­schen unter­schied­li­cher Geschlech­ter eine Rolle.

Eine wei­te­re Grup­pe sind trans Men­schen. Damit sind Men­schen gemeint, deren geschlecht­li­che Iden­ti­tät nicht oder nicht voll­stän­dig mit dem Geschlecht über­ein­stimmt, das ihnen bei der Geburt zuge­wie­sen wurde.

Auch nicht-binä­re Men­schen kön­nen unter den Begriff que­er fal­len. Sie ver­ste­hen sich nicht aus­schließ­lich als Mann oder Frau und bewe­gen sich damit außer­halb der klas­si­schen Ein­tei­lung in zwei Geschlechter.

Zum Spek­trum gehö­ren außer­dem inter­ge­schlecht­li­che Men­schen. Bei ihnen wei­sen die kör­per­li­chen Geschlechts­merk­ma­le Vari­an­ten auf, die sich nicht ein­deu­tig in die tra­di­tio­nel­len Kate­go­rien „männ­lich“ oder „weib­lich“ ein­ord­nen lassen.

Auch ase­xu­el­le und aro­man­ti­sche Men­schen kön­nen sich als que­er ver­ste­hen. Ase­xu­el­le Men­schen emp­fin­den wenig oder kei­ne sexu­el­le Anzie­hung, wäh­rend aro­man­ti­sche Men­schen wenig oder kei­ne roman­ti­sche Anzie­hung empfinden.

Wich­tig ist dabei: Que­er ist in ers­ter Linie eine mög­li­che Selbst­be­zeich­nung. Nicht jeder Mensch, der einer die­ser Grup­pen zuge­rech­net wer­den könn­te, bezeich­net sich selbst auch als queer.

Vom Schimpf­wort zur Selbstbezeichnung

Die Geschich­te des Begriffs ist beson­ders inter­es­sant. „Que­er“ stammt aus dem Eng­li­schen und bedeu­te­te ursprüng­lich unter ande­rem „selt­sam“, „son­der­bar“ oder „anders“. Über vie­le Jahr­zehn­te wur­de das Wort vor allem im eng­lisch­spra­chi­gen Raum als abwer­ten­de Bezeich­nung für homo­se­xu­el­le Men­schen verwendet.

Im Lau­fe der Zeit ver­än­der­te sich die Bedeu­tung. Tei­le der betrof­fe­nen Gemein­schaf­ten began­nen, den Begriff bewusst für sich selbst zu ver­wen­den und ihm damit eine neue Bedeu­tung zu geben. Aus einer Belei­di­gung wur­de zuneh­mend eine selbst­be­wuss­te Bezeich­nung für Men­schen, die sich außer­halb klas­si­scher Vor­stel­lun­gen von Sexua­li­tät und Geschlecht sehen.

Heu­te wird „que­er“ des­halb von vie­len Men­schen posi­tiv ver­stan­den. Gleich­zei­tig gibt es Men­schen, die den Begriff auf­grund sei­ner frü­he­ren Ver­wen­dung nicht für sich ver­wen­den möchten.

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War­um der Begriff beim CSD eine wich­ti­ge Rol­le spielt

Beson­ders sicht­bar wird die Bedeu­tung des Wor­tes beim Chris­to­pher Street Day. Der CSD erin­nert an den his­to­ri­schen Kampf quee­rer Men­schen gegen Dis­kri­mi­nie­rung und für glei­che Rech­te. Gleich­zei­tig sind die Ver­an­stal­tun­gen heu­te Demons­tra­ti­on, poli­ti­sche Kund­ge­bung und viel­fach auch ein gro­ßes öffent­li­ches Fest.

Auch beim 5. CSD in Leer stan­den Sicht­bar­keit und gesell­schaft­li­che Akzep­tanz im Mit­tel­punkt. Unter dem Mot­to „Sicht­bar. Laut. Jetzt erst recht!“ gin­gen Men­schen auf die Stra­ße, um für Viel­falt und gegen Aus­gren­zung ein Zei­chen zu setzen.

Dabei geht es für vie­le Teil­neh­mer nicht allein um die eige­ne sexu­el­le Ori­en­tie­rung oder geschlecht­li­che Iden­ti­tät. Es geht auch um die grund­sätz­li­che Fra­ge, wie eine Gesell­schaft mit­ein­an­der umge­hen möch­te: mit Respekt, Akzep­tanz und der Mög­lich­keit, das eige­ne Leben selbst­be­stimmt zu führen.

„Que­er“ ist kein fes­tes Etikett

Der Begriff kann des­halb ganz unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen haben. Für man­che Men­schen ist „que­er“ eine per­sön­li­che Iden­ti­tät, für ande­re ein poli­ti­scher oder gesell­schaft­li­cher Begriff. Wie­der ande­re nut­zen ihn als prak­ti­sche Sam­mel­be­zeich­nung für unter­schied­li­che For­men sexu­el­ler und geschlecht­li­cher Vielfalt.

Was Men­schen gemein­sam haben, lässt sich daher nicht auf eine ein­zel­ne Lebens­wei­se redu­zie­ren. Gera­de die­se Offen­heit ist für vie­le ein Grund, den Begriff zu verwenden.

Que­er beschreibt somit kei­ne ein­zel­ne Grup­pe, son­dern ein brei­tes Spek­trum unter­schied­li­cher Men­schen und Lebens­rea­li­tä­ten. Im Mit­tel­punkt steht dabei die Vor­stel­lung, dass sexu­el­le Ori­en­tie­rung und geschlecht­li­che Iden­ti­tät viel­fäl­ti­ger sind, als es tra­di­tio­nel­le gesell­schaft­li­che Vor­stel­lun­gen lan­ge ver­mit­telt haben.

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