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Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: Klare Worte für Solidarität, Vielfalt und gleiche Rechte
Laut Sophie Koch sind Demonstrationen wie der CSD gerade für junge Menschen wichtig: Sie können Mut machen, zu sich selbst zu stehen, Sichtbarkeit zu zeigen und zu erfahren, dass sie mit ihrer Identität nicht allein sind.
Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: „Wir werden nie wieder leise sein“
Leer – Mit deutlichen Worten hat sich Sophie Koch, Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, beim 5. CSD in Leer an die queere Community und die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewandt. In ihren Grußworten würdigte sie das Engagement der Organisatoren und Helfer und machte zugleich deutlich, dass die politische Auseinandersetzung um Gleichberechtigung und Akzeptanz weitergeführt werden müsse.

Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: „Wir werden nie wieder leise sein“
Sophie Koch, Mitglied des sächsischen Landtages und Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Sie sprach beim 5. CSD in Leer zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung. Foto: Ingo Tonsor @ LeserECHO
Koch betonte zunächst, dass sie als Queer-Beauftragte der Bundesregierung spreche, jedoch nicht als Sprecherin der Bundesregierung. Sie zeigte Verständnis für den teilweise deutlichen Unmut innerhalb der Community gegenüber der aktuellen Bundesregierung. Gleichzeitig stellte sie ihre persönliche Verbindung zum Thema heraus: Sie sei selbst queer, komme aus dem Osten Deutschlands und sei in einem kleinen Dorf aufgewachsen.
Besonders bewegt zeigte sich Koch angesichts der Größe und Sichtbarkeit des CSD in Leer. Sie erklärte, sie hätte sich in ihrer eigenen Jugend einen solchen CSD gewünscht. Veranstaltungen wie diese könnten für junge Menschen ein entscheidender Moment sein, erstmals offen zu sich selbst zu stehen und das Gefühl zu bekommen, mit der eigenen Identität nicht allein zu sein.
„Der Wind gegen uns wird rauer“
Mit Blick auf die zunehmende Queerfeindlichkeit sprach Koch von einem rauer werdenden gesellschaftlichen Klima. Gerade deshalb seien CSD-Veranstaltungen und politische Demonstrationen wichtiger denn je. Deutschlandweit gebe es inzwischen mehr als 250 entsprechende Veranstaltungen, an denen Millionen Menschen teilnähmen.
Die Queer-Community habe dabei eine besondere Stärke, so Koch: die Fähigkeit, immer wieder gemeinsam sichtbar zu werden und für ihre Rechte auf die Straße zu gehen. Sie rief die Teilnehmer dazu auf, sich von aktuellen Entwicklungen nicht entmutigen zu lassen. Trotz aller Widerstände müsse die Community selbstbewusst auftreten und deutlich machen, dass sie eine starke gesellschaftliche Mehrheit hinter sich habe.
Ein zentrales Anliegen ihrer Rede war die geplante Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes. Koch kündigte an, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass der Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität ausdrücklich im Grundgesetz verankert wird. Auch die vollständige rechtliche Anerkennung queerer Familien sei ein Ziel, für das weiter gekämpft werden müsse.
Dank an Organisatoren und Helfer
Ausdrücklich würdigte Koch die Arbeit der Menschen, die den CSD in Leer organisiert und möglich gemacht hatten. Sie dankte den Organisatoren, Standbetreibern, Ordnern und zahlreichen Helfern, die teilweise über Monate hinweg Zeit und Energie in die Veranstaltung investiert hätten.
Besonders positiv hob sie die sichtbare Unterstützung durch Eltern und Großeltern hervor. Die Präsenz von Initiativen wie „Eltern gegen Rechts“ und „Omas gegen Rechts“ habe für sie ein wichtiges Signal ausgesendet: Familie könne ganz unterschiedlich aussehen, und junge Menschen sollten unabhängig von ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität Unterstützung erfahren.
Auch das Selbstbestimmungsgesetz sprach Koch an. Sie bezeichnete dessen Einführung als einen wichtigen politischen Erfolg der Community und erklärte, dass dieses Gesetz bestehen bleiben werde. Grundsätzlich müsse die Richtung weiterhin nach vorne gehen, nicht zurück.
Appell: „Nutzt eure Stimme“
Mit Blick auf die anstehenden Wahlen rief Koch die Menschen dazu auf, ihre demokratische Stimme zu nutzen und auch im persönlichen Umfeld für Mehrheiten einzutreten, die die Rechte queerer Menschen unterstützen.
Zum Abschluss ihrer Grußworte richtete sie den Blick noch einmal auf die Menschenmenge vor der Bühne. Die Vielfalt innerhalb der queeren Community sei keine Schwäche, sondern eine besondere Stärke. Auch Menschen, die sich ansonsten vielleicht nie begegnen würden, verbinde beim CSD ein gemeinsamer Gedanke: Solidarität und der Einsatz für gleiche Rechte.
Koch bedankte sich abschließend erneut bei allen Beteiligten des 5. CSD in Leer und richtete einen persönlichen Gruß an die Community: „Leer, Happy Pride.“

Was bedeutet eigentlich „queer“? Ein Begriff für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt
Leer/Ostfriesland. Beim Christopher Street Day, kurz CSD in Leer Ostfriesland, ist der Begriff „queer“ allgegenwärtig. Doch was genau bedeutet er eigentlich? Wer ist damit gemeint und woher stammt das Wort? Gerade weil „queer“ heute ganz selbstverständlich in gesellschaftlichen Diskussionen verwendet wird, lohnt sich ein genauerer Blick auf seine Bedeutung und Geschichte.
„Queer“ wird heute vor allem als Sammelbegriff für Menschen verwendet, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht der klassischen gesellschaftlichen Vorstellung von Heterosexualität und einer eindeutigen Zuordnung als Mann oder Frau entspricht. Der Begriff umfasst damit unterschiedliche Lebensweisen und Identitäten.
Dabei ist „queer“ keine einzelne sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität. Vielmehr dient das Wort als Oberbegriff. Menschen können sich beispielsweise als lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell, trans, nicht-binär, intergeschlechtlich, asexuell oder aromantisch verstehen und sich gleichzeitig unter dem Begriff „queer“ wiederfinden.
Ein Begriff, der viele Menschen einschließt
Zum queeren Spektrum gehören unter anderem Lesben und Schwule, also Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen. Auch bisexuelle und pansexuelle Menschen können sich als queer verstehen. Bei ihnen spielt die sexuelle beziehungsweise romantische Anziehung zu Menschen unterschiedlicher Geschlechter eine Rolle.
Eine weitere Gruppe sind trans Menschen. Damit sind Menschen gemeint, deren geschlechtliche Identität nicht oder nicht vollständig mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
Auch nicht-binäre Menschen können unter den Begriff queer fallen. Sie verstehen sich nicht ausschließlich als Mann oder Frau und bewegen sich damit außerhalb der klassischen Einteilung in zwei Geschlechter.
Zum Spektrum gehören außerdem intergeschlechtliche Menschen. Bei ihnen weisen die körperlichen Geschlechtsmerkmale Varianten auf, die sich nicht eindeutig in die traditionellen Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ einordnen lassen.
Auch asexuelle und aromantische Menschen können sich als queer verstehen. Asexuelle Menschen empfinden wenig oder keine sexuelle Anziehung, während aromantische Menschen wenig oder keine romantische Anziehung empfinden.
Wichtig ist dabei: Queer ist in erster Linie eine mögliche Selbstbezeichnung. Nicht jeder Mensch, der einer dieser Gruppen zugerechnet werden könnte, bezeichnet sich selbst auch als queer.
Vom Schimpfwort zur Selbstbezeichnung
Die Geschichte des Begriffs ist besonders interessant. „Queer“ stammt aus dem Englischen und bedeutete ursprünglich unter anderem „seltsam“, „sonderbar“ oder „anders“. Über viele Jahrzehnte wurde das Wort vor allem im englischsprachigen Raum als abwertende Bezeichnung für homosexuelle Menschen verwendet.
Im Laufe der Zeit veränderte sich die Bedeutung. Teile der betroffenen Gemeinschaften begannen, den Begriff bewusst für sich selbst zu verwenden und ihm damit eine neue Bedeutung zu geben. Aus einer Beleidigung wurde zunehmend eine selbstbewusste Bezeichnung für Menschen, die sich außerhalb klassischer Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht sehen.
Heute wird „queer“ deshalb von vielen Menschen positiv verstanden. Gleichzeitig gibt es Menschen, die den Begriff aufgrund seiner früheren Verwendung nicht für sich verwenden möchten.

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Warum der Begriff beim CSD eine wichtige Rolle spielt
Besonders sichtbar wird die Bedeutung des Wortes beim Christopher Street Day. Der CSD erinnert an den historischen Kampf queerer Menschen gegen Diskriminierung und für gleiche Rechte. Gleichzeitig sind die Veranstaltungen heute Demonstration, politische Kundgebung und vielfach auch ein großes öffentliches Fest.
Auch beim 5. CSD in Leer standen Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Sichtbar. Laut. Jetzt erst recht!“ gingen Menschen auf die Straße, um für Vielfalt und gegen Ausgrenzung ein Zeichen zu setzen.
Dabei geht es für viele Teilnehmer nicht allein um die eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität. Es geht auch um die grundsätzliche Frage, wie eine Gesellschaft miteinander umgehen möchte: mit Respekt, Akzeptanz und der Möglichkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu führen.
„Queer“ ist kein festes Etikett
Der Begriff kann deshalb ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Für manche Menschen ist „queer“ eine persönliche Identität, für andere ein politischer oder gesellschaftlicher Begriff. Wieder andere nutzen ihn als praktische Sammelbezeichnung für unterschiedliche Formen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.
Was Menschen gemeinsam haben, lässt sich daher nicht auf eine einzelne Lebensweise reduzieren. Gerade diese Offenheit ist für viele ein Grund, den Begriff zu verwenden.
Queer beschreibt somit keine einzelne Gruppe, sondern ein breites Spektrum unterschiedlicher Menschen und Lebensrealitäten. Im Mittelpunkt steht dabei die Vorstellung, dass sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität vielfältiger sind, als es traditionelle gesellschaftliche Vorstellungen lange vermittelt haben.
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Friesenbrücke in Weener eröffnet: Wunderline zwischen Groningen und Leer fährt wieder
Friesenbrücke in Weener eröffnet: Wunderline verbindet Leer und Groningen wieder
Weener. Nach fast elf Jahren Unterbrechung ist die Friesenbrücke über die Ems wieder für den Bahnverkehr freigegeben. Mit einer Sonderfahrt wurde am Donnerstag, 1. Oktober 2026, die neue Verbindung zwischen Groningen und Leer offiziell eröffnet. Ab Montag, 5. Oktober, sollen die regulären Personenzüge wieder grenzüberschreitend verkehren.
Die Wiedereröffnung markiert einen wichtigen Schritt für die sogenannte Wunderline zwischen Groningen, Leer und künftig Bremen. Die rund 173 Kilometer lange Verbindung soll die Niederlande und Deutschland besser miteinander verknüpfen und insbesondere für Pendler, Studierende, Arbeitnehmer und Touristen eine wichtige grenzüberschreitende Verbindung darstellen.
Stephan Christ: „Nach fast elf Jahren ist die Friesenbrücke endlich fertig“
Zur Eröffnung äußerte sich Stephan Christ, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, erfreut über die Wiederaufnahme des Zugverkehrs.
Christ bezeichnete die Fertigstellung nach fast elf Jahren als wichtigen Schritt. Damit sei die Strecke für den internationalen Zugverkehr zwischen den Niederlanden und Deutschland wieder befahrbar. Der Zerstörung der alten Brücke durch einen Frachter im Dezember 2015 sei eine jahrelange Unterbrechung mit mehreren Verzögerungen gefolgt.
Umso größer sei die Freude darüber, dass die Wunderline nun wieder durchgängig fahren könne.
Besonders hob Christ auch die neue Bedeutung der Brücke für den Fuß- und Radverkehr hervor. Dieser werde nicht mehr lediglich geduldet, sondern habe nun offiziell einen eigenen Platz auf der Brücke. Neben der Bahntrasse befindet sich ein 2,5 Meter breiter Fuß- und Radweg. Das Land Niedersachsen habe dessen Bau mit mehr als sechs Millionen Euro gefördert.
Gleichzeitig richtet Christ den Blick bereits auf die nächste Aufgabe. Nun sei der Bund am Zug. Die Strecke zwischen Oldenburg und Leer müsse ausgebaut werden, damit die Züge wie geplant künftig bis Bremen durchfahren könnten.

Tammo Lenger: „Ein echter Meilenstein für die Region“
Auch Tammo Lenger, Fraktionsvorsitzender der Grünen-Kreistagsfraktion Leer, bezeichnet die Wiedereröffnung als bedeutenden Tag für die Region.
Für die Menschen vor Ort sei die Freigabe ein echter Meilenstein. Über zehn Jahre hätten Anwohner und Pendler mit Umwegen, Ersatzverkehren und Unsicherheit leben müssen.
Ursprünglich war die Wiederaufnahme des Zugverkehrs bereits für Ende 2024 vorgesehen. Die Eröffnung wurde jedoch mehrfach verschoben. Umso wichtiger sei es nun, dass dieses Kapitel abgeschlossen werden könne.
Lenger betont zudem die europäische Bedeutung der Verbindung. Die Wiedereröffnung sei ein wichtiges Zeichen für Europa, weil die Bahnstrecke Menschen und Regionen über die deutsch-niederländische Grenze hinweg miteinander verbinde.
Bahnhof Ihrhove wieder in Betrieb
Mit der Wiederaufnahme der Verbindung gibt es eine weitere wichtige Neuerung für die Region: Der Bahnhof Ihrhove wird nach mehr als fünf Jahrzehnten wieder als Halt genutzt. Nach Angaben von Lenger stärkt dies den ländlichen Raum spürbar.
Gleichzeitig sieht er weiteren Handlungsbedarf. Der Bahnhof in Ihrhove müsse zusätzlich an den RE15 in Richtung Münster angebunden werden.
Die Reaktivierung des Bahnhofs Ihrhove gehört zu den Maßnahmen im Zuge der Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs. Auch der Bahnhof Bunde wurde für die neue Verbindung reaktiviert.
Friesenbrücke nach Unfall 2015 komplett neu gebaut
Die neue Friesenbrücke war notwendig geworden, nachdem das Frachtschiff „Emsmoon“ am 3. Dezember 2015 mit der damaligen Klappbrücke kollidiert und diese schwer beschädigt hatte. Der Bahnverkehr zwischen Leer und Groningen war daraufhin für fast elf Jahre unterbrochen.
Die neue Konstruktion ist eine technisch aufwendige Hub-Drehbrücke und gilt als größte Eisenbahn-Hub-Drehbrücke Europas. Neben der Bahnstrecke verfügt sie über den neuen Fuß- und Radweg sowie eine separate Dienst- und Rettungsroute.
Für Fußgänger und Radfahrer war die neue Brücke bereits im September 2025 freigegeben worden. Seit dem 1. Oktober 2026 ist nun auch die wichtige Bahnverbindung wieder hergestellt.
Regulärer Zugverkehr startet am 5. Oktober
Die offizielle Eröffnung erfolgte zunächst mit einer Sonderfahrt. Ab Montag, 5. Oktober 2026, sollen wieder reguläre Personenzüge zwischen Groningen und Leer verkehren.
Damit ist ein entscheidender Abschnitt der Wunderline abgeschlossen. Für einen vollständigen Ausbau der Verbindung bis Bremen sind jedoch weitere Maßnahmen erforderlich.
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Silvia Sinning begeistert in Jemgum: Songpoetin sorgt für Standing Ovations
Songpoetin Silvia Sinning begeistert Publikum im Bürgerhaus Jemgum
Jemgum. Am Samstag, 26. September, wurde das Bürgerhaus Jemgum zum Schauplatz eines besonderen Konzertabends. Um 19.30 Uhr füllte sich der Saal zusehends mit Besucherinnen und Besuchern im Alter von etwa acht bis 80 Jahren. Das Interesse war so groß, dass kurzfristig noch Stühle für drei zusätzliche Reihen aufgestellt werden mussten.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Songpoetin Silvia Sinning aus Leer, die zahlreiche selbst getextete und komponierte Lieder aus ihrem umfangreichen Repertoire präsentierte.
Musikalische Vielfalt ohne Schubladen
Rund eineinhalb Stunden lang nahm Silvia Sinning ihr Publikum mit auf eine musikalische Reise. Dabei begleitete sie sich selbst am Klavier, an der Gitarre und am Saxofon.
Angekündigt war das Konzert als „stilistische Vielfalt auf hohem Niveau“. Tatsächlich erwies sich das Programm als musikalisches Crossover, das sich kaum in eine bestimmte Schublade einordnen lässt.
So präsentierte Sinning unter anderem einen Reggae auf Plattdeutsch sowie einen Folk-Song mit einem Bossa-Nova-Zwischenteil auf Portugiesisch. Ein weiteres Stück verband Pop, Rock und Latin und setzte sich inhaltlich mit dem Frieden und den Grundwerten unseres Grundgesetzes auseinander.
Die musikalische Bandbreite kam beim Publikum sichtbar gut an. Bei mehreren Liedern gab es bereits während des Vortrags Szenenapplaus. Teilweise stimmten die Konzertbesucher sogar direkt in die Refrains ein.
Überraschungsgäste sorgen für zusätzlichen Klang
Für eine besondere Überraschung sorgten weitere Musiker, die im Verlauf des Konzerts auf die Bühne kamen. Ingo Arndt unterstützte das Konzert an den Congas und am Cajón, während Markus Schoormann den E‑Bass übernahm.
Zusätzlich stieß der Friedens- und Freiheitschor aus Leer dazu. Gemeinsam präsentierten die Musiker zwei Hymnen, mit denen sie das Publikum ebenfalls begeisterten.
Aus dem ursprünglich als Soloauftritt angekündigten Konzert wurde damit zeitweise ein musikalisches Zusammenspiel aus Songpoetin, Band und Chor.
Standing Ovations für Silvia Sinning und ihre Mitstreiter
Am Ende belohnte das Publikum die Künstler mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations. Nach einer schwungvollen und einer besinnlichen Zugabe verabschiedete sich Silvia Sinning gemeinsam mit den Musikern und dem Chor von den Konzertbesuchern.
Doch auch nach dem letzten Ton war der Abend noch nicht vorbei. Im Anschluss an das Konzert entwickelte sich ein reger Austausch über das musikalische Erlebnis und die verschiedenen Facetten des Abends.
Weiteres Konzert in Leer geplant
Wer Silvia Sinning erneut live erleben möchte, soll dazu bereits im Januar 2026 Gelegenheit bekommen. Ein ähnliches Konzert ist im Musikatelier von Silvia Sinning in Leer geplant.
Der Konzertabend im Bürgerhaus Jemgum hat dabei gezeigt, dass selbst komponierte Musik, unterschiedliche Stilrichtungen und mehrsprachige Texte ein Publikum über Generationen hinweg erreichen können.
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Friesenbrücke über die Ems: Aus 30 Millionen Euro wurden 277 Millionen
Friesenbrücke: Aus 30 Millionen Euro wurden 277 Millionen Euro
Weener/Westoverledingen. Die Friesenbrücke über die Ems verbindet die ostfriesischen Kommunen Weener und Westoverledingen und ist ein wichtiger Bestandteil der Bahnstrecke zwischen Leer und Groningen in den Niederlanden. Nach der Kollision mit dem Frachtschiff „Emsmoon“ am 3. Dezember 2015 war die rund 335 Meter lange Eisenbahnbrücke nicht mehr nutzbar. Der Bund der Steuerzahler Deutschland kritisiert nun die Entwicklung von Kosten und Bauzeit beim Ersatzneubau.
Unfall machte wichtige Verbindung unpassierbar
In der Nacht zum 3. Dezember 2015 kollidierte das Frachtschiff „Emsmoon“ mit der Friesenbrücke. Die Eisenbahnklappbrücke wurde dabei so schwer beschädigt, dass sie anschließend nicht mehr genutzt werden konnte.
Die Folgen waren weitreichend. Die Friesenbrücke ist Bestandteil der Bahnstrecke zwischen Leer und Groningen und damit eine wichtige Verbindung zwischen Deutschland und den Niederlanden. Gleichzeitig stellt sie eine bedeutende Querungsmöglichkeit für Fußgänger und Radfahrer dar.
Insbesondere für den Fahrradtourismus sowie für die Menschen in der Region bedeutete der Ausfall erhebliche Einschränkungen. Die nächste Möglichkeit, die Ems zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu überqueren, liegt rund zehn Kilometer entfernt.
Ursprünglich waren rund 30 Millionen Euro vorgesehen
Nach dem Unfall plante die Deutsche Bahn als Eigentümerin der Friesenbrücke zunächst einen konstruktiv optimierten Ersatz der bisherigen Klappbrücke. Damit sollte die Bahnverbindung vergleichsweise schnell wiederhergestellt werden.
Nach damaligen Planungen wurde von einer Bauzeit von rund fünf Jahren ausgegangen. Die Wiederinbetriebnahme war für 2021 vorgesehen. Die Kosten wurden zunächst auf etwa 30 Millionen Euro geschätzt.
Nach Darstellung des Bundes der Steuerzahler änderte sich diese Planung jedoch grundlegend.
Land, Kommunen und Werft forderten größere Durchfahrtsbreite
Das Land Niedersachsen, die anliegenden Kommunen und eine große, an der Ems ansässige Werft setzten sich für eine deutlich größere Durchfahrtsbreite für Schiffe ein.
Statt der bisherigen 25 Meter sollte die neue Brücke eine Durchfahrtsbreite von 56 Metern ermöglichen. Dafür wurde eine neuartige Konstruktion als Hub-Drehbrücke ins Spiel gebracht.
Hintergrund waren unter anderem die Einschränkungen bei Schiffsüberführungen der Werft. Bei der bisherigen Brücke musste der mittlere Brückenteil bei entsprechenden Überführungen mit einem Schiffskran ausgehoben und anschließend wieder eingesetzt werden. Dadurch konnte die Brücke teilweise bis zu drei Tage für den Verkehr gesperrt werden.
Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler hätte allerdings auch der ursprünglich geplante 1:1‑Ersatz konstruktiv so optimiert werden können, dass sich die Sperrzeit auf etwa einen Tag reduziert.
Entscheidung für die Hub-Drehbrücke
Mitte 2017 entschied sich das Bundesverkehrsministerium für die Hub-Drehbrücke. Das Land Niedersachsen sagte gleichzeitig eine Beteiligung an den zusätzlichen Kosten zu.
Zu diesem Zeitpunkt wurden die Kosten für die neue Konstruktion auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Die Inbetriebnahme war nun für 2024 vorgesehen.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert insbesondere, dass nach seiner Darstellung zuvor keine Wirtschaftlichkeitsrechnung für unterschiedliche Brückenvarianten vorgelegen habe. Die Entscheidung für die aufwendigere Konstruktion sei vielmehr politisch getroffen worden.
Kosten steigen auf 66 und anschließend 96 Millionen Euro
Im April 2018 teilte die Deutsche Bahn mit, dass bei der geplanten Hub-Drehbrücke auch die vorhandenen Vorlandbrücken nicht weiter genutzt werden könnten. Deshalb mussten auch diese Bereiche neu gebaut werden.
Die Kostenprognose stieg dadurch auf 66 Millionen Euro.
Nur einen Monat später folgte bereits die nächste deutliche Erhöhung. Die Deutsche Bahn veranschlagte die Kosten nun auf 96 Millionen Euro. Dabei wurden unter anderem Risiken im Zusammenhang mit dem aufwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren berücksichtigt.
Der Ersatz der Friesenbrücke entwickelte sich damit zunehmend zu einem kompletten Neubauprojekt.
Bauarbeiten beginnen erst 2021
Die umfangreichen Planungs- und Genehmigungsverfahren führten dazu, dass die Bauarbeiten erst im Sommer 2021 beginnen konnten.
Auch die Kostenprognose stieg weiter an. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler wurden zunächst 125 Millionen Euro im Jahr 2021, anschließend 210 Millionen Euro im Jahr 2022 und schließlich 277 Millionen Euro im Jahr 2024 veranschlagt.
Als Gründe für die Kostensteigerungen wurden unter anderem gestiegene Material- und Personalkosten genannt.
Der Bund der Steuerzahler sieht allerdings auch einen Zusammenhang mit der außergewöhnlichen Konstruktion. Mit der neuen Friesenbrücke entstand eine europaweit einzigartige Hub-Drehbrücke. Dadurch habe man beim Bau technisch Neuland betreten.
Neue Friesenbrücke seit 2025 für Fußgänger und Radfahrer geöffnet
Eine erste wichtige Etappe wurde im September 2025 erreicht. Nach fast zehn Jahren war die neue Friesenbrücke wieder für Fußgänger und Radfahrer nutzbar.
Für den Bahnverkehr dauerte die Wiederherstellung noch länger. Die Freigabe für Züge ist nach der aktuellen Planung für Herbst 2026 vorgesehen.
Damit könnte die wichtige Bahnverbindung zwischen Leer und Groningen nach fast elf Jahren wieder vollständig hergestellt werden.
Kritik des Bundes der Steuerzahler
Der Bund der Steuerzahler Deutschland stellt bei seiner Kritik insbesondere die Entwicklung von Kosten, Bauzeit und Planung in den Mittelpunkt. Nach seiner Darstellung hätte ein deutlich günstigerer und schneller umsetzbarer Ersatz der ursprünglichen Klappbrücke zur Verfügung gestanden.
Aus den zunächst veranschlagten rund 30 Millionen Euro für einen 1:1‑Ersatz wurde eine Kostenprognose von zuletzt 277 Millionen Euro für die neue Hub-Drehbrücke.
Der Fall Friesenbrücke zeigt damit eindrucksvoll, wie stark sich Kosten und Zeitplan eines Infrastrukturprojekts verändern können, wenn sich die ursprüngliche Planung grundlegend ändert.
Beitragsbild: Ingo Tonsor @LeserECHO
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