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Stadtradeln Leer 2024: Rekordergebnis dank Schulen und Kitas
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Beginn der Amphibienwanderung in Ostfriesland: NABU bittet um Rücksicht
Amphibienwanderung in Ostfriesland: NABU bittet um Rücksichtnahme im Straßenverkehr
Region Ostfriesland – Mit dem Einzug milder Frühlingstemperaturen beginnt an diesem Wochenende ein besonderes Naturschauspiel: die jährliche Amphibienwanderung. Sobald das Thermometer die Marke von fünf Grad Celsius überschreitet, beenden Kröten, Molche und Frösche ihre Winterstarre und machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern.
Lebensgefahr auf dem Weg zum Laichgewässer
Die Wanderung der Amphibien findet vor allem in der Dämmerung und nachts statt. Besonders bei feuchter Witterung oder Regen sind die Tiere verstärkt unterwegs. Da ihre Wanderrouten oft von viel befahrenen Straßen gekreuzt werden, ist das Risiko, überfahren zu werden, enorm hoch.
Um das Massensterben zu verhindern, haben Ehrenamtliche des NABU Ostfriesland und weiterer Naturschutzorganisationen bereits vielerorts Amphibienzäune errichtet. Doch der Schutz durch Zäune allein reicht nicht aus.
Ein Appell an alle Autofahrer
Jan Fuchs, Leiter der NABU-Regionalgeschäftsstelle in Ostfriesland, mahnt zur Vorsicht:
„Wir bitten alle Personen, die in der Dämmerung oder nachts mit dem Auto unterwegs sind, äußerst aufmerksam zu fahren. Der Tod auch nur eines einzigen Weibchens ist dramatisch für den Fortbestand der gesamten Population.“
Ein Krötenweibchen trägt bereits jetzt zwischen 2.000 und 4.000 Eier in Form von Laichschnüren in sich. Werden diese Tiere getötet, geht der Nachwuchs einer ganzen Generation verloren.
Wissenschaftlicher Naturschutz: Datensammlung am Krötenzaun
Die Arbeit der Helfer geht weit über das bloße Tragen der Tiere über die Straße hinaus. An den Zäunen werden die Amphibien:
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Nach Arten bestimmt.
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Zahlenmäßig genau erfasst.
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In Langzeitstudien dokumentiert.
Diese Daten sind essenziell, um die Bestandsentwicklung zu verstehen. Die Ergebnisse der letzten Jahre sind jedoch besorgniserregend.
Warum die Bestände einbrechen
Neben dem Straßentod kämpfen Amphibien mit weiteren existenzbedrohenden Faktoren:
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Trockenheit: Fehlende Feuchtigkeit in den vergangenen Jahren erschwert das Überleben.
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Insektensterben: Die Nahrungsgrundlage schwindet massiv.
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Umweltgifte: Amphibien nehmen Schadstoffe direkt über ihre empfindliche Haut auf.
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Lebensraumverlust: Schwindende Biotope führen dazu, dass selbst Arten wie die Erdkröte oder der Grasfrosch deutliche Bestandsrückgänge verzeichnen.
Mitmachen: Werden Sie zum Daten-Liferanten für “HerpetoMap”
Um den Schutz der Tiere auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen, hat der NABU Niedersachsen das Portal HerpetoMap (gefördert durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung) ins Leben gerufen. Auf www.herpetomap.de können sich Behörden und die Öffentlichkeit über die Verbreitung von Amphibien und Reptilien in Niedersachsen informieren.
So können Sie helfen – auch ohne Fachwissen:
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Fotos machen: Entdecken Sie Amphibien oder Reptilien, machen Sie ein eindeutiges Foto.
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Standort melden: Notieren Sie den genauen Fundort.
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E‑Mail senden: Schicken Sie die Informationen an die Projektleitung unter ralf.berkhan@NABU-Niedersachsen.de.
Durch diese Bürgerwissenschaft (Citizen Science) tragen Sie dazu bei, die wertvollen Lebensräume in Ostfriesland und ganz Niedersachsen dauerhaft zu schützen.
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Ankauf des Synagogengrundstücks als Chance für einen würdigen Erinnerungsort
Ein Meilenstein gegen das Vergessen: SPD Leer sieht historische Chance für Synagogengrundstück
Ein jahrelanger Stillstand findet sein Ende: Der Ankauf des ehemaligen Synagogengrundstücks an der Heisfelder Straße durch die Stadt Leer markiert weit mehr als nur ein Immobiliengeschäft. Es ist der späte Sieg der Beharrlichkeit über die Stagnation und ein tiefgreifendes Signal für die Erinnerungskultur in unserer Stadt.
Der SPD-Ortsverein Leer reagiert mit deutlicher Erleichterung und ausdrücklicher Zustimmung auf die Nachricht, dass eine Einigung mit dem bisherigen Eigentümer erzielt werden konnte. Für den Ortsvorsitzenden Jarno Behrens ist dieser Schritt ein „wichtiger Durchbruch“, der den Weg frei macht für ein Vorhaben, das längst überfällig war: die Transformation einer geschichtsträchtigen Brache in einen lebendigen Ort des Gedenkens.
Ausdauer als Schlüssel zum Erfolg
Hinter der nun verkündeten Einigung liegen Jahre intensiver Bemühungen. Dass die Stadt Leer nun endlich Zugriff auf das Areal hat, auf dem einst das geistige Zentrum der jüdischen Gemeinde stand, ist das Resultat politischer Ausdauer und stetigen öffentlichen Drucks. „Damit ist endlich die Voraussetzung geschaffen, diesen Ort der Stadtgesellschaft zurückzugeben“, betont Behrens. Es geht dabei nicht um eine museale Konservierung der Vergangenheit, sondern um die Heilung einer städtebaulichen und moralischen Wunde im Herzen Leers.
Ein Versprechen an Albrecht Weinberg
Besondere moralische Gewichtung erfährt dieser Durchbruch durch die Verbindung zum Holocaust-Überlebenden und Ehrenbürger Albrecht Weinberg. Sein unermüdliches Mahnen und sein expliziter Wunsch nach einem würdigen Erinnerungsort waren über Jahre hinweg der ethische Kompass in dieser Debatte.
Die Einigung ist somit auch eine Verpflichtung gegenüber den Zeitzeugen. Es liegt nun in der Verantwortung der aktuellen Akteure, dafür zu sorgen, dass aus der bloßen Fläche zeitnah ein Ort entsteht, der der Geschichte gerecht wird und künftigen Generationen als Mahnmal dient.
Der Blick nach vorn: Partizipation statt Hinterzimmerpolitik
Für die SPD Leer ist mit dem Kauf jedoch erst das Fundament gelegt. Entscheidend wird nun die Ausgestaltung sein. Die Sozialdemokraten fordern daher, die angekündigte Arbeitsgruppe ohne Verzug einzusetzen.
Dabei setzt der Ortsverein auf ein breites Fundament:
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Frühzeitige Einbindung: Politik und Zivilgesellschaft müssen Hand in Hand arbeiten.
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Bildungsimpulse: Schulen sollen aktiv in die Konzeption einbezogen werden, um den Ort als pädagogischen Ankerpunkt zu etablieren.
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Fachliche Expertise: Akteure der regionalen Erinnerungskultur sind als unverzichtbare Berater gefragt.
Es gilt nun, das Momentum zu nutzen. Der Ankauf ist das Ende eines unwürdigen Wartens – und zugleich der Beginn einer gestalterischen Aufgabe, die das Selbstverständnis der Stadt Leer als Ort der Toleranz und Wachsamkeit nachhaltig prägen wird.
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Stadt Leer erwirbt Synagogengrundstück für einen würdigen Gedenkort
Durchbruch in Leer: Stadt erwirbt Synagogengrundstück für würdigen Gedenkort
Es ist eine Nachricht von großer historischer und emotionaler Tragweite für die Stadt Leer: Die Verhandlungen über das knapp 900 Quadratmeter große Grundstück der ehemaligen Synagoge an der Heisfelder Straße sind erfolgreich abgeschlossen. Die Stadt hat sich mit dem bisherigen Eigentümer, dem Rheder Unternehmer Helmut Wittrock, auf den Kauf geeinigt. Nachdem der Verwaltungsausschuss am Mittwochabend grünes Licht gegeben hat, ist der Weg frei für ein Projekt, das weit über eine rein immobilienwirtschaftliche Transaktion hinausgeht.
Ein bedeutendes Erbe in städtischer Hand
Das vorrangige Ziel der Stadt Leer ist es, das Areal wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen. Das Grundstück markiert eine schmerzvolle Stelle in der Stadtgeschichte: In der Pogromnacht 1938 brannten die Nationalsozialisten das dortige Gotteshaus nieder, das bis dahin das Zentrum des jüdischen Lebens in Leer gebildet hatte.
Die Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und Helmut Wittrock gestalteten sich aufgrund angrenzender Flächen und unterschiedlicher inhaltlicher Interessen vielschichtig und anspruchsvoll. Letztlich zeigte sich der Unternehmer jedoch kompromissbereit. „Nach dem Besuch bei Albrecht Weinberg wurde uns klar, dass wir das Grundstück nicht bebauen, sondern dazu beitragen möchten, dass etwas Gutes für die Stadt entsteht“, erklärte Wittrock. Bürgermeister Claus-Peter Horst betonte seine Dankbarkeit über die Einigung, die nach intensiven Abstimmungen mit dem Stadtrat erzielt wurde.
Ein Herzenswunsch zum 101. Geburtstag
Besondere Bedeutung gewinnt dieser Kauf durch die Verbindung zu Albrecht Weinberg. Der Holocaustüberlebende und Ehrenbürger der Stadt Leer feiert am 7. März seinen 101. Geburtstag. Es war sein erklärter Wunsch, auf dem Gelände, auf dem er als Jugendlicher noch seine Bar Mizwa feiern durfte, einen Ort des Gedenkens zu schaffen. Seit Jahren sammelt Weinberg bereits Spenden, um dieses Anliegen zu unterstützen.
„Wir sind sehr froh, dass wir Albrecht Weinberg seinen Geburtstagswunsch erfüllen können“, so Bürgermeister Claus-Peter Horst.
Die nächsten Schritte: Archäologie und Stadtentwicklung
Sobald das Grundstück offiziell an die Stadt übergeben ist, werden Fachleute die Arbeit aufnehmen:
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Archäologische Untersuchungen: Der Archäologische Dienst der Ostfriesischen Landschaft aus Aurich wird das Areal untersuchen und Ausgrabungen vornehmen.
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Gedenkkonzept: Eine eigens einzuberufende Arbeitsgruppe wird Pläne entwerfen, um auf dem Grundstück im Sinne von Albrecht Weinberg einen angemessenen Ort des Gedenkens zu gestalten.
Gleichzeitig bleibt Helmut Wittrock der Stadtentwicklung in diesem Bereich erhalten. Auf den Nachbarflächen plant er gemeinsam mit einem Bauunternehmer ein größeres Bauvorhaben, um den innenstadtnahen Bereich weiter aufzuwerten. Hierzu steht er weiterhin im engen Austausch mit der Stadtverwaltung.
Weiterführende Hintergründe und Details zu diesem für Leer historischen Meilenstein finden Sie im LeserECHO-Portal. Der Beitrag ist, wie alle unsere Artikel, ohne Bezahlschranke und vollkommen kostenlos verfügbar. Den Link zum vollständigen Bericht finden Sie direkt unter diesem Post in den Kommentaren.
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