Wirtschaft
Der Mindestlohn steigt auf 9,60 Euro – DGB bekräftigt Forderung nach 12 Euro
Seit dem 1. Juli 2021 muss jede Arbeitsstunde in Deutschland mit mindestens 9,60 Euro vergütet werden. Der gesetzliche Mindestlohn steigt zu diesem Zeitpunkt um zehn Cent. Auf diesen Erhöhungsschritt hatte sich die aus Gewerkschafter*innen, Arbeitgebervertreter*innen und Wissenschaftler*innen zusammengesetzte Mindestlohnkommission im Juni 2020 verständigt. Dennoch bleibt ein höherer, existenzsichernder Mindestlohn von mindestens 12 Euro auf der Agenda.
DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte am Mittwoch in Berlin:
„Von 9,60 Euro je Stunde kann niemand, weder auf dem Land und schon gar nicht in den Ballungsräumen der Großstädte, seine Miete bezahlen, seinen Kindern eine Klassenfahrt oder jetzt im Sommer eine Ferienreise ermöglichen. Löhne unter 12 Euro machen arm trotz Arbeit und sorgen letztlich für Altersarmut. Die Beschäftigten haben kein Verständnis dafür, dass eine kräftige Mindestlohnerhöhung immer wieder auf die lange Bank geschoben wird. Wir fordern weiterhin 12 Euro je Arbeitsstunde als untere Haltelinie in Deutschland.
Da dieser Schritt mit der Arbeitgeberseite in der Kommission nicht machbar ist, sollte die Politik endlich einmalig eingreifen, um auf die 12 Euro zu kommen – spätestens im nächsten Jahr, bevor die Mindestlohnkommission ihre Beratungen aufnimmt. Das erwarten wir von jeder Partei in Regierungsverantwortung, Das gehört in den Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung. In den Wahlprogrammen von Union und FDP gibt es bei diesem Thema allerdings empfindliche Leerstellen.“
Auch im europäischen Vergleich hinkt der gesetzliche Mindestlohn hierzulande hinterher. Er liegt derzeit mit gut 48 Prozent vom mittleren Einkommen weit unter der Empfehlung der EU-Kommission, die 60 Prozent als Massstab ansieht. In Deutschland entspricht dies 12 Euro.
Hintergrund:
Die Mindestlohnkommission berät alle zwei Jahre über einen höheren Mindestlohn – ihre Empfehlung wird anschließend vom Bundesarbeitsministerium per Verordnung als rechtskräftig erlassen. Der nächste Kommissionsbeschluss für die Erhöhungsschritte ab Januar 2023 steht im Sommer des kommenden Jahres an.
Zuletzt hatte die Mindestlohnkommission im Juni 2020 eine Erhöhung in vier Schritten vereinbart. Demnach erfolgt die nächste Erhöhung am 1. Januar 2022 auf dann 9,82 Euro. Ein weiterer Schritt wird zum 1. Juli 2022 zurückgelegt, dann sind mindestens 10,45 Euro je Arbeitsstunde zu zahlen.
Wirtschaft
1.000-Euro-Prämie belastet Mittelstand zunehmend
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) Foto: ZDH/Henning Schacht
Belastungsprobe für den Mittelstand: Die 1.000-Euro-Prämie als politische Sackgasse
Die jüngsten Ergebnisse der Koalitionsklausur sorgen im deutschen Handwerk und Mittelstand für erhebliche Unruhe. Im Zentrum der Kritik steht dabei die Erwartung der Politik, dass Arbeitgeber die wirtschaftliche Last der Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten durch eine steuer- und abgabenfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro auffangen sollen. Was auf dem Papier nach einer Entlastung für Bürgerinnen und Bürger klingt, droht in der Realität zu einer massiven Mehrbelastung für kleine und mittlere Betriebe zu werden.
Verantwortung darf nicht blind abgewälzt werden
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), findet deutliche Worte zur aktuellen Lage: Dass ein wesentlicher Teil der Verantwortung für die Entlastung der Bevölkerung faktisch den Arbeitgebern zugeschoben wird, sei angesichts der fragilen wirtschaftlichen Situation eine riskante Strategie.
Während die Politik die 1.000-Euro-Prämie als Instrument zur Kaufkraftstärkung bewirbt, bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Woher sollen die Betriebe in Zeiten sinkender Auftragszahlen und explodierender Kosten die Liquidität nehmen, um diese Zahlungen tatsächlich zu leisten?
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Fragile Ertragslage: Viele Handwerksbetriebe kämpfen bereits mit einer angespannten Liquidität. Eine zusätzliche Zahlung – auch wenn sie steuerfrei bleibt – ist für viele schlicht nicht darstellbar.
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Steigende Insolvenzzahlen: Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich in der Statistik wider. Der Druck auf den Mittelstand wächst, während echte Entlastungsschritte für Unternehmen, wie etwa der Abbau des Solidaritätszuschlags, ausbleiben.
Kurzfristige Pflaster statt struktureller Reformen
Zwar wird die Senkung der Energiesteuer um 17 Cent pro Liter als richtiger Schritt begrüßt, um zu verhindern, dass der Staat als „Krisenprofiteur“ auftritt, doch die Maßnahmen greifen zu kurz. Die Politik scheint darauf zu setzen, dass der Mittelstand als Puffer fungiert, während strukturelle Antworten auf die tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen fehlen.
Statt die Verantwortung für den sozialen Frieden über Einmalzahlungen an die Betriebe zu delegieren, fordert das Handwerk verlässliche Rahmenbedingungen, die über kurzfristige Überbrückungen hinausgehen.
Die Forderungen und Positionen im Detail
Nachfolgend sind die zentralen Standpunkte des ZDH zu den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaftspolitik zusammengefasst:
Bereich Steuern und Finanzen
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Energiesteuer: Die Senkung um 17 Cent pro Liter ist ein überfälliger Schritt. Betriebe und Bürger dürfen nicht allein unter dem Druck der Krise stehen, während der Staat profitiert.
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Fehlende Entlastung für Unternehmen: Es wird kritisiert, dass keine kurzfristig wirksamen Schritte wie die Abschaffung des Solidaritätszuschlags vorgesehen sind.
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Einkommensteuerreform: Diese muss zwingend so ausgestaltet werden, dass sie gezielt zur Entlastung von Personenunternehmen beiträgt.
Bereich Wirtschaftspolitik
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Strukturelle Ausrichtung: Angesichts geopolitischer Risiken reichen kurzfristige Maßnahmen nicht aus. Antworten müssen langfristig und strukturell sein.
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Energiekosten: Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Senkung der Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß muss zeitnah umgesetzt werden.
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Priorisierung der Finanzen: Zur Sicherstellung der Finanzierung wichtiger wirtschaftlicher Entlastungen sollten andere Maßnahmen, wie beispielsweise die Mütterrente, zeitlich verschoben werden.
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Zukunftssicherung: Ziel muss eine zügige Ausweitung des Energieangebots, die Reduzierung von Abhängigkeiten und eine langfristig tragfähige Aufstellung der sozialen Sicherungssysteme sein.
Nur mit einem solchen Gesamtansatz lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland nachhaltig sichern und verhindern, dass der Belastungsdruck den Mittelstand dauerhaft überfordert.
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Wirtschaft
Neuwagenmarkt im Wandel: Alternative Antriebe dominieren 2026
Elektromobilität im Aufwind: Fast zwei Drittel der Neuwagen mit alternativem Antrieb
Der deutsche Automobilmarkt setzt im Jahr 2026 ein deutliches Zeichen in Richtung Dekarbonisierung. Wie die aktuelle Pressemitteilung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) aus Flensburg belegt, hat die Akzeptanz alternativer Antriebsformen im ersten Quartal einen neuen Höchststand erreicht. Mit einem Marktanteil von 63,5 Prozent am Gesamtzulassungsvolumen sind Fahrzeuge mit umweltfreundlicheren Motoren längst kein Nischenprodukt mehr, sondern bestimmen das Straßenbild der Neuzulassungen.
Massive Zuwächse bei Elektro- und Hybridmodellen
Von den insgesamt 699.404 neu zugelassenen Personenkraftwagen (Pkw) entfielen zwischen Januar und März 444.008 Einheiten auf alternative Antriebe. Dazu zählen neben reinen Elektroautos (BEV) auch Hybrid- und Plug-in-Modelle sowie gas- und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Dies entspricht einer Steigerung von 19,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Besonders dynamisch entwickelt sich das Segment der Fahrzeuge mit Elektroantrieb (BEV, Plug-in und Brennstoffzelle). Hier verzeichnete das KBA ein Plus von 33,4 Prozent im Vergleich zu 2025. Insgesamt wurden 235.750 solcher Fahrzeuge zugelassen, was mehr als jedem dritten Neuwagen (33,7 Prozent) entspricht.
Der reine Elektroantrieb als Wachstumstreiber
Ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt, dass insbesondere die reinen batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) die treibende Kraft hinter diesem Boom sind:
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Zulassungszahl: 159.630 Neufahrzeuge
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Marktanteil: 22,8 Prozent am Gesamtmarkt
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Wachstumsrate: Beeindruckende +41,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Marken im Fokus: BMW und Importmarken dominieren bei den Alternativen
Während klassische Verbrenner weiter Marktanteile verlieren, profilieren sich einige Marken besonders stark durch ihre alternative Flotte. BMW sticht unter den deutschen Herstellern hervor: Über 83 Prozent der im ersten Quartal neu zugelassenen BMW-Modelle verfügten über einen alternativen Antrieb.
Auch bei den Importmarken zeigt sich eine klare Verschiebung. Marken wie BYD oder reine Elektromarken verzeichnen teils dreistellige Zuwachsraten, was den intensiven Wettbewerb auf dem deutschen Markt für Elektromobilität unterstreicht.
Fazit: Die Verkehrswende nimmt Fahrt auf
Die Zahlen des ersten Quartals 2026 belegen, dass die Transformation der Automobilbranche unumkehrbar scheint. Mit einem BEV-Anteil, der fast ein Viertel des Marktes ausmacht, und einem allgemeinen Anteil alternativer Antriebe von über 60 Prozent, rückt das Ziel einer emissionsfreien Mobilität in greifbare Nähe. Der Trend zeigt: Die deutschen Autofahrer setzen verstärkt auf Elektrizität und innovative Antriebstechnologien.
AnzeigeHintergrund: Als alternative Antriebe definiert das KBA Fahrzeuge mit Elektro (BEV), Hybrid, Plug-in-Hybrid, Brennstoffzelle, Gas oder Wasserstoff. BEV (Battery Electric Vehicles) bezeichnen dabei ausschließlich elektrisch betriebene Fahrzeuge.

Wirtschaft
Forterro in Leer wächst durch Forterro-Zukauf weiter
Von links nach rechts: Bernd Hillbrands (Managing Director, Windows & Doors Line ofBusiness, Forterro), Miriam Berzen (Geschäftsführerin Klaes), Lars Klaes(Geschäftsführer Klaes) und Marcus Pannier (President, Forterro) nach derUnterzeichnung, mit der Klaes Teil von Forterro wird. Foto: Klaes
Welle von der Themse ans Nesseufer: Forterro stärkt Standort Leer durch weiteren Zukauf
Ein glasklarer Beleg für die Bedeutung des Standorts Leer: Gut ein Jahr nach dem Wechsel des Software-Pioniers Orgadata unter das Dach des Londoner Unternehmens Forterro wird die am Nesseufer ansässige Sparte weiter gefestigt. Forterro akquiriert den Softwarespezialisten Klaes aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Damit wächst der Geschäftsbereich „Windows & Doors“, dessen Fäden in Leer zusammenlaufen.
Die Nachricht von der Akquisition des Softwarehauses Klaes mit seinen 285 Mitarbeitenden unterstreicht, dass Forterro langfristig auf den Sektor Fenster, Türen und Fassaden setzt – mit dem Hauptsitz in Leer als strategischem Ankerpunkt. Während am Nesseufer die weltweite Expertise für digitale Lösungen im Aluminium-Fensterbau beheimatet ist, bringt Klaes nun die spezialisierte Kompetenz für die Rahmenmaterialien Holz und Kunststoff in den Verbund ein.
Stabilität und Expansion am Nesseufer
Für den Standort Leer bedeutet dieser Expansionsschritt vor allem Stabilität. Das ehemals als Orgadata bekannte Unternehmen bildet heute den Kern einer Sparte, die Softwarelösungen für Profile aller Rahmenmaterialien bündelt.
Bernd Hillbrands, Orgadata-Gründer und Leiter des Geschäftsbereichs innerhalb von Forterro, sieht in der aktuellen Entwicklung eine Bestätigung für den eingeschlagenen Weg:
„Wir sind Teil einer Organisation mit gemeinsamen Ressourcen und einer gemeinsamen Vision.“
Im Fokus steht die konsequente Weiterentwicklung sowie die systematische Beschleunigung von Innovationen, um die digitale Transformation der gesamten Fensterbaubranche zu unterstützen. Für die Kunden, Partner und das Team in Leer bedeutet dieser Kurs, dass bewährte Lösungen durch Investitionen in zukunftsweisende Technologien wie Cloud-Plattformen und künstliche Intelligenz gestärkt werden.
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Nachhaltige Perspektive für Ostfriesland
Forterro baut auf das Fundament, das über Jahrzehnte in Ostfriesland geschaffen wurde. Daraus ergibt sich eine nachhaltige Perspektive für das Team vor Ort. Auch wenn sich Strukturen im Zuge des Wachstums weiterentwickeln, bleibt das Unternehmen seiner ostfriesischen Heimat verbunden.
Die Produkte von Klaes werden als eigenständige Marke innerhalb der „Windows & Doors“-Sparte geführt. Damit entsteht ein breiter aufgestelltes Gesamtportfolio, von dem die gesamte Sparte profitiert, ohne dass sich die gewohnten Abläufe am Standort Leer unmittelbar ändern. Die Verträge für den Klaes-Kauf sind bereits unterzeichnet; der Abschluss wird nach den üblichen behördlichen Genehmigungen im zweiten Quartal 2026 erwartet.
Über die beteiligten Unternehmen
Forterro Seit der Gründung 2012 hat sich Forterro zu einem der führenden Software-Anbieter für die Industrie entwickelt. Mit über 40 Standorten und gut 2.500 Mitarbeitenden unterstützt das Unternehmen mehr als 25.000 Industriebetriebe weltweit mit branchenspezifischen Lösungen.
Klaes Klaes ist ein weltweit führendes Softwareunternehmen für die Fenster‑, Türen‑, Fassaden- und Wintergartenbranche. Seit über 40 Jahren entwickelt das Unternehmen innovative, modulare Lösungen, die von 7.600 Kunden in mehr als 50 Ländern genutzt werden.
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