Wirtschaft
Handwerk 2024/25: Rezession und Insolvenzen belasten, aber erste Hoffnungszeichen zeigen sich

Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2024/25: Optimismus trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Die aktuelle Lage im Handwerk ist von einem deutlichen Stimmungstief geprägt. Nach zwei Jahren Rezession sehen sich die Betriebe mit einer anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Situation konfrontiert. Laut der jüngsten Pressemitteilung von Creditreform ist die Stimmung im Handwerk auf dem tiefsten Stand seit der Weltfinanzkrise. Besonders der Bausektor leidet unter den Auswirkungen der wirtschaftlichen Rückschläge. Doch neben den Herausforderungen gibt es auch Zeichen der Hoffnung.
Stimmung im Handwerk auf einem 15-Jahres-Tief
Die zweijährige Rezession hat tiefgreifende Spuren im Handwerk hinterlassen. Der Geschäftslageindex ist auf 45,8 Punkte gefallen und erreicht damit den niedrigsten Stand seit 2010. Nur noch 51,6 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, was einen Rückgang von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Auch die Umsätze zeigen ein durchwachsenes Bild: 26,9 Prozent der Betriebe verzeichneten Rückgänge, während 25,4 Prozent ein Umsatzplus meldeten.
„Die Rezession trifft das Handwerk mit voller Wucht“, kommentiert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Besonders die Bauwirtschaft steht unter enormem Druck, während Handwerksbetriebe im gewerblichen Bedarf leichte Erholungstendenzen verzeichnen. Die Reparaturbranche, besonders im Bereich von Pkw und Haushaltsgeräten, zeigt positive Entwicklungen.
Optimistische Umsatzerwartungen, aber vorsichtiger Ausblick
Trotz der schwierigen Lage zeigen sich erste Anzeichen einer Stabilisierung. Die Umsatzprognosen der Handwerksbetriebe sind weniger pessimistisch als im Vorjahr. Rund 24,3 Prozent der Betriebe erwarten ein Umsatzplus, was dem Vorjahreswert entspricht. Doch der Anteil der Pessimisten bleibt mit 22,8 Prozent hoch. Auch die Ertragsaussichten sind weiterhin überwiegend negativ, auch wenn eine leichte Verbesserung erkennbar ist.
Ein erfreuliches Signal ist die steigende Investitionsbereitschaft der Betriebe. Der Anteil der Unternehmen, die Investitionen planen, stieg von 41,5 Prozent auf 49,2 Prozent und erreichte damit das höchste Niveau seit Jahren. „Trotz der unsicheren Aussichten könnte das Handwerk gemeinsam mit der Binnennachfrage zur Stabilisierung der Konjunktur beitragen“, so Hantzsch.
Personalabbau setzt sich fort
Die angespannten wirtschaftlichen Bedingungen spiegeln sich auch im Personalabbau wider. 22,9 Prozent der Betriebe haben ihren Personalbestand reduziert, während nur 19,3 Prozent neue Mitarbeiter einstellten. Hauptursache für den Personalabbau ist das Ausscheiden von Fachkräften aufgrund des Renteneintritts und eine zurückhaltende Einstellungspolitik aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage.
In den kommenden Monaten dürften saisonale Effekte jedoch zu mehr Einstellungen führen. Etwa 21,4 Prozent der Unternehmen planen, ihr Personal aufzustocken, während 10,6 Prozent weiterhin Stellen abbauen wollen. Langfristig bleibt jedoch die Frage, ob dem Handwerk die Fachkräfte fehlen werden, warnt Hantzsch.
Insolvenzen steigen, Eigenkapitalquote unter Druck
Die Zahl der Insolvenzen im Handwerk ist 2024 um 18,9 Prozent auf insgesamt 4.350 Fälle gestiegen. Besonders betroffen sind Betriebe im gewerblichen Bedarf und im Ausbaugewerbe. „Viele Handwerksunternehmen, insbesondere im Baubereich, sehen sich mit wegbrechenden Aufträgen konfrontiert und haben mit steigenden Kosten zu kämpfen. Dies führt zu einem Anstieg der Insolvenzen“, erläutert Hantzsch.
Darüber hinaus ist die Zahl der eigenkapitalschwachen Handwerksbetriebe gestiegen. 34,5 Prozent der Unternehmen verfügen über eine Eigenkapitalquote von weniger als 10 Prozent, der höchste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Die steigende Abhängigkeit von Fremdkapital und unsicheren Kreditkonditionen stellt eine zusätzliche Belastung dar.
Bürokratie als Belastung für das Handwerk
Ein weiteres großes Problem für viele Handwerksbetriebe ist die zunehmende Bürokratie. 79,3 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einem Anstieg des Verwaltungsaufwands. Etwa ein Drittel der Betriebe gibt an, mehr als zehn Stunden pro Woche mit administrativen Aufgaben zu verbringen. Der steigende bürokratische Aufwand wird von den Betrieben als erheblicher Kostenfaktor und Wettbewerbsnachteil wahrgenommen. Mehr als die Hälfte der Betriebe muss mittlerweile Mitarbeiter für Bürokratieaufgaben abstellen, was zu weiteren Kosten führt.
„Es ist dringend notwendig, den Bürokratieabbau voranzutreiben, um den Unternehmen zu helfen“, fordert Hantzsch und appelliert an die neue Bundesregierung, hier entschlossener zu handeln.
Stabilisierung in Sicht, aber viele Herausforderungen bleiben
Obwohl die aktuelle wirtschaftliche Lage des Handwerks von Herausforderungen wie steigenden Insolvenzen, einem anhaltenden Personalabbau und einer schwachen Eigenkapitalquote geprägt ist, gibt es auch Hoffnungsschimmer. Die Investitionsbereitschaft steigt, die Stimmung ist weniger pessimistisch und es gibt Anzeichen einer Stabilisierung. Doch die strukturellen Probleme, die in den letzten Jahren gewachsen sind, und die Bürokratiebelastung stellen nach wie vor große Herausforderungen für die Branche dar. Es bleibt abzuwarten, wie sich die wirtschaftliche Lage in den kommenden Monaten entwickeln wird und ob das Handwerk in der Lage sein wird, sich wieder nachhaltig zu erholen.
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Wirtschaft
Reallöhne in Niedersachsen steigen 2026 nur um 0,7 Prozent – Inflation bremst Kaufkraft
Reallöhne in Niedersachsen steigen im zweiten Quartal 2026 nur leicht
Nominallöhne legen um 3,5 Prozent zu – nach Abzug der Inflation bleiben 0,7 Prozent mehr im Portemonnaie
HANNOVER. Die Beschäftigten in Niedersachsen haben im zweiten Quartal 2026 erneut höhere Bruttolöhne erhalten. Allerdings fiel der Anstieg der tatsächlichen Kaufkraft deutlich geringer aus. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) erhöhten sich die Nominallöhne gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,5 Prozent. Unter Berücksichtigung der gestiegenen Verbraucherpreise blieb davon ein Reallohnplus von 0,7 Prozent.
Nominallöhne steigen um 3,5 Prozent
Die Nominallöhne umfassen die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen. Im zweiten Quartal 2026 lagen diese in Niedersachsen durchschnittlich 3,5 Prozent über dem Niveau des gleichen Quartals im Vorjahr.
Damit entsprach die Zuwachsrate exakt dem Anstieg, der bereits ein Jahr zuvor verzeichnet worden war.
Auf den ersten Blick bedeutet das eine spürbare Steigerung der Einkommen. Entscheidend für die tatsächliche finanzielle Situation der Beschäftigten ist jedoch, wie stark gleichzeitig die Preise für Waren und Dienstleistungen gestiegen sind.
Inflation bremst Kaufkraft
Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die Verbraucherpreise in Niedersachsen durchschnittlich um 2,8 Prozent. Dadurch fiel der Anstieg der preisbereinigten Bruttomonatsverdienste – also der Reallöhne – wesentlich geringer aus.
Der Reallohnindex erhöhte sich im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal lediglich um 0,7 Prozent.
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet das: Zwar sind die Bruttolöhne gestiegen, ein großer Teil des nominalen Einkommenszuwachses wurde jedoch durch die höheren Verbraucherpreise aufgezehrt. Die tatsächliche Kaufkraft nahm deshalb nur vergleichsweise geringfügig zu.
Reallohnentwicklung so schwach wie seit 2023 nicht mehr
Der Anstieg der Reallöhne um 0,7 Prozent fiel laut Landesamt für Statistik Niedersachsen so niedrig aus wie zuletzt im dritten Quartal 2023. Damals lag die Reallohnsteigerung bei 0,8 Prozent.
Eine negative Reallohnentwicklung wurde zuletzt im zweiten Quartal 2023 registriert. Damals gingen die Reallöhne um 0,5 Prozent zurück.
Die aktuellen Zahlen zeigen damit, dass die Beschäftigten in Niedersachsen zwar weiterhin nominale Lohnzuwächse verzeichnen, die Entwicklung der Kaufkraft aber deutlich verhaltener ausfällt.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
- Nominallöhne: +3,5 Prozent gegenüber dem 2. Quartal 2025
- Verbraucherpreise: +2,8 Prozent
- Reallöhne: +0,7 Prozent
- Reallohnentwicklung im 3. Quartal 2023: +0,8 Prozent
- Letzte negative Reallohnentwicklung: 2. Quartal 2023 mit ‑0,5 Prozent
Die Zahlen stammen aus der Pressemitteilung Nr. 085 vom 27. August 2026 des Landesamtes für Statistik Niedersachsen.
Wirtschaft
SuedLink soll Stromkosten senken: Was Verbraucher davon haben
SuedLink: Elbquerung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen abgeschlossen
Tunnelbohrmaschine erreicht nach 5,2 Kilometern den Zielschacht in Wischhafen – wichtiger Meilenstein für eine der zentralen Stromtrassen der Energiewende
Ein wichtiger Bauabschnitt des SuedLink ist abgeschlossen: Eine Tunnelbohrmaschine hat nach rund eineinhalb Jahren den rund 5,2 Kilometer langen Tunnel unter der Elbe zwischen Wewelsfleth in Schleswig-Holstein und Wischhafen in Niedersachsen fertiggestellt. Die Maschine erreichte jetzt den Zielschacht auf niedersächsischer Seite. Damit ist der Tunnelvortrieb für die Elbquerung beendet.
Den symbolischen Tunneldurchschlag vollzogen am Montag Niedersachsens Energieminister Christian Meyer gemeinsam mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und Ina Kamps, COO des für den SuedLink verantwortlichen Netzbetreibers Tennet.
Meyer bezeichnete den Abschluss der Elbquerung als wichtigen Schritt für die künftige Energieversorgung Deutschlands. „Endlich ist ein weiterer und wichtiger Schritt für eine klimafreundliche und günstige Versorgung aus heimischen Erneuerbaren Energien geschafft“, erklärte der niedersächsische Energieminister.
Rund 320 Kilometer SuedLink verlaufen durch Niedersachsen
Der SuedLink gehört zu den größten Infrastrukturprojekten der deutschen Energiewende. Die rund 700 Kilometer lange Gleichstromverbindung soll künftig die windreichen Regionen Norddeutschlands mit den Verbrauchs- und Industrieregionen in Bayern und Baden-Württemberg verbinden.
Nach der geplanten Inbetriebnahme ab 2028 soll über die Stromtrasse insbesondere Windstrom aus dem Norden in die südlichen Regionen Deutschlands transportiert werden.
Für Niedersachsen hat das Projekt eine besondere Bedeutung. Rund 320 Kilometer der SuedLink-Trasse verlaufen durch das Bundesland – damit liegt fast die Hälfte der Gesamtstrecke auf niedersächsischem Gebiet.
„Damit übernimmt unser Bundesland eine wichtige Rolle bei der Umsetzung eines der zentralen Netzausbauvorhaben Deutschlands“, sagte Meyer. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Menschen entlang der Trasse. Ein Projekt dieser Größenordnung könne nur gemeinsam mit den betroffenen Regionen umgesetzt werden. Meyer dankte den Kommunen und Bürgern für die konstruktive Begleitung und kündigte an, Niedersachsen werde den weiteren Bau des SuedLink mit Nachdruck unterstützen.
SuedLink soll Stromkosten senken
Nach Einschätzung des niedersächsischen Energieministers kommt dem SuedLink auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Strompreise zu. Die Leitung soll dazu beitragen, günstigen Windstrom aus Norddeutschland dorthin zu transportieren, wo er benötigt wird.
„SuedLink spielt eine entscheidende Rolle, um die Stromkosten in Deutschland deutlich zu verringern“, erklärte Meyer. Teure fossile Reservekraftwerke, die mit Kohle oder Gas betrieben werden, könnten durch günstigen und überschüssigen Windstrom aus dem Norden ersetzt werden.
Dadurch sollen nach Angaben des Ministers Kosten in Milliardenhöhe eingespart und die Strompreise langfristig entlastet werden. Gleichzeitig werde SuedLink zu einem wichtigen Bestandteil auf dem Weg zu einem klimaneutralen Deutschland.
Weniger Redispatch durch bessere Netzkapazitäten
Neben dem Transport von Windstrom soll die neue Stromtrasse auch dazu beitragen, sogenannte Redispatch-Kosten zu reduzieren. Dabei handelt es sich unter anderem um Kosten, die entstehen, wenn Windenergieanlagen wegen fehlender Netzkapazitäten ihre Stromproduktion drosseln oder vollständig abregeln müssen.
Durch zusätzliche Übertragungskapazitäten soll künftig mehr erzeugter Windstrom tatsächlich genutzt und über große Entfernungen transportiert werden können. Gleichzeitig soll SuedLink die Versorgungssicherheit stärken und das deutsche Energiesystem insgesamt robuster machen.
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Vollständige Erdverkabelung als Forderung Niedersachsens
Ein besonderes Merkmal des SuedLink ist die vollständige Erdverkabelung. Niedersachsen hatte sich nach Angaben des Energieministeriums bereits seit Jahren für diese Form der Umsetzung eingesetzt.
Die Stromleitungen werden dabei nicht als klassische Freileitungen errichtet, sondern unterirdisch verlegt. Nach Einschätzung von Meyer hat die vollständige Erdverkabelung wesentlich dazu beigetragen, die Akzeptanz des Projekts in den betroffenen Regionen zu erhöhen.
Auch die zwischen dem Netzbetreiber Tennet und der Landwirtschaft vereinbarten Entschädigungsregelungen spielten dabei eine wichtige Rolle.
„Die vollständige Erdverkabelung war der richtige Weg“, sagte Meyer. Sie schaffe Akzeptanz vor Ort, schütze die berechtigten Interessen der Grundstückseigentümer und trage dazu bei, große Infrastrukturvorhaben schneller umzusetzen.
Netzausbau soll mit Wind- und Solarenergie Schritt halten
Meyer verwies zugleich auf die wachsende Bedeutung Niedersachsens für die deutsche Energieversorgung. Das Bundesland habe beim Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich an Tempo zugelegt. Nun müsse auch der Ausbau der Stromnetze entsprechend vorankommen.
„Als Energieland Nummer eins übernehmen wir Verantwortung für die Energieversorgung Deutschlands“, so der Energieminister. Der Ausbau der Stromnetze sei deshalb ebenso wichtig wie der Ausbau von Wind- und Solarenergie.
Nur wenn beide Bereiche gemeinsam vorankämen, könne die Energiewende dauerhaft und bezahlbar gelingen, erklärte Meyer.
Mit Blick auf die Bundespolitik warnte der niedersächsische Energieminister zugleich davor, den Ausbau der Stromnetze zu verlangsamen. Ein „Ausbremsen des Netzausbaus durch Bundesenergieministerin Reiche“ wäre nach seiner Einschätzung „fatal“.
Mit dem Abschluss des Tunnelvortriebs unter der Elbe ist beim SuedLink nun ein weiterer technisch anspruchsvoller Abschnitt bewältigt. Die Elbquerung zwischen Wewelsfleth und Wischhafen bildet damit einen wichtigen Baustein für die geplante Stromverbindung zwischen Nord- und Süddeutschland.
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Wirtschaft
Ostfriesland im Fokus: Wirtschaft und Sicherheit rücken enger zusammen
(v. l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard, die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Parlament, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), der Oberbürgermeister der Stadt Emden, Tim Kruithoff, und IHK-Präsident Theo Eilers beim IHK-Wirtschaftsabend in Emden.
IHK-Wirtschaftsabend in Emden: „Die Wirtschaft ist unverzichtbarer Teil der Gesamtverteidigung“
Sicherheitspolitik, wirtschaftliche Resilienz und die strategische Bedeutung Ostfrieslands standen im Mittelpunkt des diesjährigen IHK-Wirtschaftsabends in Emden. Rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung kamen in der Johannes a Lasco Bibliothek zusammen. IHK-Präsident Theo Eilers machte deutlich, dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Sicherheit heute enger miteinander verbunden sind als je zuvor.
„Sicherheit ist die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Unternehmen brauchen Frieden, verlässliche Strukturen, sichere Verkehrswege, eine stabile Energieversorgung und digitale Netze“, sagte Theo Eilers zu Beginn seiner Rede.
Nach Ansicht des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) kann eine belastbare staatliche Resilienz und eine glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit nur gemeinsam mit einer leistungsfähigen Wirtschaft erreicht werden.
„Unternehmen versorgen im Krisen- oder Bündnisfall die Bevölkerung, halten die Infrastruktur am Laufen, entwickeln Technologien und stellen logistische und industrielle Kapazitäten bereit. Die Wirtschaft ist unverzichtbarer Teil der Gesamtverteidigung“, betonte Eilers.
Ostfriesland und Papenburg mit strategischer Bedeutung
Eilers hob beim Wirtschaftsabend die besondere Bedeutung des IHK-Bezirks für die Gesamtverteidigung hervor. Die Wirtschaftsregion Ostfriesland und Papenburg verfüge über leistungsfähige Seehäfen, eine starke maritime Wirtschaft, die Automobilindustrie, den Schiffbau sowie einen breit aufgestellten Mittelstand.
Eine besondere Rolle spiele dabei der Emder Hafen. Er verbindet nach Einschätzung der IHK zivile und militärische Anforderungen in besonderer Weise. Der Hafen ist unter anderem für den Automobilumschlag und als Versorgungshafen für die On- und Offshore-Windenergie von Bedeutung. Gleichzeitig ist Emden als westlichster Seehafen Deutschlands im Verteidigungs- und Bündnisfall ein wichtiger Anlandepunkt für verbündete NATO-Streitkräfte.
„Emden ist ein wichtiger Bestandteil der Drehscheibe Deutschland“, sagte Eilers.

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Infrastruktur ist auch eine Frage der Sicherheit
Neben der wirtschaftlichen Bedeutung rückt laut Eilers zunehmend auch die sicherheitspolitische Bedeutung der Infrastruktur in den Mittelpunkt. Straßen, Schienen, Häfen und Brücken sowie Energie- und Datennetze seien für die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbar.
„Straßen, Schienen, Häfen, Brücken sowie Energie- und Datennetze sind die Lebensadern unserer Wirtschaft. Im Verteidigungs- und Bündnisfall sind sie zugleich unverzichtbar für die Handlungsfähigkeit Deutschlands und seiner Partner“, erklärte der IHK-Präsident.
Als positives Signal bezeichnete Eilers den Baubeginn der Küstenautobahn A20. Auch die Bahnanbindung an den Emder Hafen und die Fahrrinnenanpassung der Außenems seien für die regionale Wirtschaft von großer Bedeutung. Angesichts einer möglichen Ansiedlung eines Marinestützpunktes könnten diese Projekte zusätzlich an sicherheitspolitischer Bedeutung gewinnen.
Eilers forderte deshalb ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates: „Investitionen in unsere Infrastruktur sind zugleich Investitionen in die wirtschaftliche Entwicklung und die Widerstandsfähigkeit unserer Region.“
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Wirtschaft unter Druck: Energiepreise und Fachkräftemangel
Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation im IHK-Bezirk verwies Eilers gleichzeitig auf weiterhin schwierige Rahmenbedingungen. Unsichere wirtschaftspolitische Vorgaben, hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Arbeitskosten und der anhaltende Fachkräftemangel belasteten die Unternehmen.
Wer von der Wirtschaft mehr Widerstandskraft, Vorsorge und Unterstützung im Krisenfall erwarte, müsse gleichzeitig dafür sorgen, dass die Unternehmen wettbewerbs- und leistungsfähig bleiben.
„Wer von der Wirtschaft mehr Widerstandskraft, Vorsorge und Unterstützung im Krisenfall erwartet, muss gleichzeitig dafür sorgen, dass die Unternehmen wettbewerbs- und leistungsfähig bleiben“, sagte Eilers.
Strack-Zimmermann: Europa muss mehr Verantwortung übernehmen
Als Gastrednerin war Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) eingeladen. Die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Parlament gab eine Einschätzung zur Sicherheitslage in Europa und warb für eine gemeinsame europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Aus ihrer Sicht kann kein europäischer Staat seine Sicherheit dauerhaft allein gewährleisten. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Europa stärker Verantwortung für die eigene Verteidigungsfähigkeit übernehmen müsse.
„Die Aufforderung der Vereinigten Staaten war schon immer: Ihr müsst euch kümmern“, sagte Strack-Zimmermann.
Sicherheit beschränke sich dabei längst nicht mehr ausschließlich auf die militärische Verteidigung. Angesichts konventioneller und hybrider Bedrohungen müssten auch kritische Infrastruktur, See- und Handelswege sowie die digitale Widerstandsfähigkeit stärker berücksichtigt werden.
Gerade für die Wirtschaft seien sichere Verkehrswege und eine funktionierende Infrastruktur von elementarer Bedeutung. „Jede Investition in Sicherheit ist eine Investition in zivile Sicherheit“, betonte Strack-Zimmermann.
Gleichzeitig müsse Europa seine Verteidigungspolitik stärker koordinieren, bürokratische Hürden abbauen und gemeinsame Strukturen schaffen.
Emden mit wichtiger Rolle für die Verteidigung
Mit Blick auf eine mögliche Ansiedlung der Marine in Emden wollte Strack-Zimmermann einer Entscheidung nicht vorgreifen. Von der strategischen Bedeutung des Standorts zeigte sie sich jedoch überzeugt.
„Emden wird eine große Rolle in der Verteidigung spielen“, sagte sie.
Für Europa insgesamt gelte, dass Freiheit und Sicherheit nicht selbstverständlich seien. Deutschland leiste bereits einen wichtigen Beitrag, müsse seine Anstrengungen aber weiter verstärken.
Gleichzeitig brauche die europäische Wirtschaft ausreichend Freiräume, um leistungs- und innovationsfähig zu bleiben. Aus Brüssel brauche es deshalb „weniger Regeln, weniger Bürokratie“, so Strack-Zimmermann.
Wirtschaft und Bundeswehr arbeiten in der Region eng zusammen
IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard verwies beim Wirtschaftsabend auf die lange Tradition und die enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Bundeswehr im IHK-Bezirk.
Als Beispiele nannte er das Taktische Luftwaffengeschwader Richthofen in Wittmund, das Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst in Leer sowie die Ausbildungswerkstätten in Weener und Wittmund.
Diese Einrichtungen zeigten, wie eng zivile und militärische Strukturen miteinander verbunden seien und sich ergänzen könnten und müssten.
Die IHK-Organisation beschäftigt sich laut Deinhard seit zwei Jahren auch hauptamtlich mit dem Thema und sucht gezielt den Dialog mit der Bundeswehr. Ziel sei es, die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Militär weiter zu vertiefen.
Wirtschaft und Sicherheit zunehmend gemeinsam denken
Der IHK-Wirtschaftsabend machte damit deutlich, dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Infrastruktur und Sicherheit zunehmend zusammen gedacht werden. Für Ostfriesland und Papenburg kommt dabei der besonderen Lage mit Seehäfen, maritimer Wirtschaft, Industrie, Mittelstand und vorhandenen Bundeswehrstandorten eine besondere Bedeutung zu.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die militärische Verteidigungsfähigkeit. Auch funktionierende Verkehrswege, Energieversorgung, digitale Netze, leistungsfähige Unternehmen und widerstandsfähige Lieferketten sind entscheidend dafür, dass Deutschland auch in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt.
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