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Niederlande stoppen ihre Gaslieferungen. Erdgasumstellung auf H‑Gas ist gestartet.
Erdgasumstellung auf H‑Gas ist gestartet
- Gasmonteure besuchen alle Verbraucher mit Erdgasanschluss, um Gasgeräte anzupassen.
- Großprojekt dauert noch bis 2027 und sichert Gasversorgung der Region.
- Rund 98 Prozent aller Geräte sind anpassbar.
- Nur nach der Umrüstung können Geräte auch das aus LNG gewonnene Erdgas verbrennen.
Die Niederlande müssen die Lieferungen ihres L‑Erdgases nach Deutschland, Belgien und Frankreich bereits in wenigen Jahren beenden. Daher erhielt EWE Netz einen gesetzlichen Bundesauftrag, den Nordwesten Deutschlands auf H‑Erdgas umzustellen. Das H‑Erdgas stammt aus einem Nordverbund, zum Beispiel aus Norwegen und Großbritannien. Bei den zwei Gassorten liegt der Unterschied im Energiegehalt: H‑Gas setzt bei der Verbrennung mehr Energie frei als das niederländische L‑Gas, daran muss EWE Netz auch nahezu alle Erdgasgeräte manuell anpassen.
In den nächsten Jahren erhalten alle Erdgasverbraucher in Ostfriesland mindestens zwei Besuche von EWE Netz — unabhängig davon, bei welchem Gaslieferanten sie letztlich ihre Gasrechnung bezahlen. Gestartet ist das Projekt jetzt in den Gemeinden Uplengen und Jümme, danach geht es in Ostfriesland weiter. Die Besuchstermine versendet EWE Netz immer einige Wochen zuvor auf dem Postwege, per Einschreiben.
Das geschieht bei den Besuchen
Bei dem ersten Besuch stehen zwei Fragen im Vordergrund: Zum einen welche Erdgasgeräte setzen die Kunden in ihrem Gebäude überhaupt ein? Betroffen sind alle Geräte, die mit Erdgas betrieben werden, zum Beispiel Herde, Heizungen oder erdgasbetriebene Waschmaschinen, Trockner oder Geschirrspüler. Ausgenommen sind Geräte, die zum Beispiel mit Flaschen- beziehungsweise Flüssig- oder Propangas betrieben werden. Gasbetriebene PKW müssen auch nicht umgerüstet werden. Zum anderen klären die Monteure vor Ort, ob die Kundengeräte das H‑Gas möglichst sauber und vor allem sicher verbrennen können. „Daher setzen wir an den Geräten immer eine wichtige Sicherheitsprüfung um und nehmen jeweils Daten vom Typenschild der Geräte auf, viel mehr geschieht während dieses ersten Besuchs noch nicht“, erklärt Jens Witthus, Sprecher des Projekts bei EWE Netz.
Sehr hohe Komplexität
Die Informationen vom Typenschild gleicht EWE Netz mit einer Datenbank ab, die vom „Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.“ (DVGW) geführt wird. Die Geräte-Hersteller hinterlegen hier insbesondere drei Informationen: Ist das vom Kunden eingesetzte Modell überhaupt an H‑Gas anpassbar? Wie kann es angepasst werden? Und zu welchem Zeitpunkt sollte EWE Netz das Gerät anpassen?
„Wenn notwendig, bestellen wir für jeden Kunden und jedes seiner Geräte einen individuellen Umrüstsatz für das H‑Gas“, so Witthus weiter. Und genau das macht das Projekt zu einer wahren Mammutaufgabe: Denn im Nordwesten nutzen Verbraucher nicht nur über 700.000 Erdgasgeräte aus verschiedenen Jahrzehnten. Die Geräte unterscheiden sich auch in weit über 22.000 Varianten. „Und nahezu jede Variante braucht eventuell eine individuelle Umrüstung. Hinzu kommen dann ja noch die unterschiedlichsten Reparatur- und Wartungszustände, daher müssen wir jedes Gerät persönlich prüfen“, ergänzt Witthus.
98 Prozent sind anpassbar
Über 200.000 Erdgasgeräte konnte EWE Netz bereits an das H‑Gas anpassen. „Mit der hier gemachten Erfahrung können wir sagen, dass sich insgesamt rund 98 Prozent aller Kundengeräte an das H‑Gas anpassen lassen“, berichtet Witthus. EWE Netz rechnet damit, diesen Wert auch in Ostfriesland erreichen zu können. „Sollte eine Heizung zum Beispiel heute 20–25 Jahre alt sein, muss man sich der Eigentümer in der Regel keine Sorgen machen“, beruhigt Witthus und ergänzt: „Auch bei noch älteren Markengeräten gelingt es meistens, diese an das H‑Gas anzupassen.“
Wenn sich ein Gerät doch einmal nicht mehr anpassen lässt, dann liegt es meistens daran, dass es den Geräte-Hersteller heute nicht mehr gibt und dieser daher kein Umrüstmaterial mehr liefern kann. In Einzelfällen haben die Hersteller auch den Support für bestimmte Geräte aufgegeben, auch dieses betrifft in der Regel nur sehr alte Geräte. Aber auch dann kann EWE Netz häufig kein Material mehr erhalten. Technische Probleme während des Umrüstens gab es laut Witthus unterdessen bislang nahezu ausschließlich bei alten Heizungen, die noch nie oder zu selten durch einen Fachbetrieb gewartet wurden. „Regelmäßige Wartungen der Heizungen unterstützen eine reibungslose Umrüstung auf das H‑Gas, sie sparen aber auch deutlich Erdgas und verlängern die Lebenszeit der Geräte.“
Keine Rechnungen
Grundsätzlich entstehen Kunden durch das Projekt keine direkten Kosten. Daher versendet EWE Netz weder für die Service-Besuche noch für das Material Rechnungen. Und die Gasmonteure verlangen vor Ort niemals Geld von Kunden. Eine Ausnahme gibt es bei den Service-Besuchen aber: Falls die Monteure vor Ort feststellen, dass ein Gerät eine Reparatur braucht oder gewartet werden muss, beauftragt der Eigentümer dafür wie gewohnt einen Fachbetrieb seiner Wahl und bezahlt ihn.
Erdgasgeräte und LNG
Nahezu alle Erdgasgeräte, die das Unternehmen bei Privatkunden derzeit auf das H‑Erdgas umrüstet, sollten anschließend auch das aus LNG gewonnene Erdgas zuverlässig verbrennen können. Die noch auf L‑Erdgas eingestellten Geräte können das in der Regel nicht. Denn LNG ist H‑Erdgas, das aus außereuropäischen Herkunftsländern stammt. Es wird bei einer Temperatur von ca. ‑161 °C flüssig – also zu LNG (Liquefied Natural Gas bzw. Flüssigerdgas) und lässt sich dann auch per Schiff transportieren. Für das Einspeisen in Gas-Pipelines wird LNG wieder in einen gasförmigen Zustand gebracht.
Um die Gasversorgung des Nordwestens darüber hinaus weiter zu sichern, plant EWE Netz parallel ein zweites Großprojekt: Das Unternehmen wird in Rekordzeit eine rund 70 Kilometer lange Pipeline vom Raum Sande (Friesland) zu den EWE-Gasspeichern in Ostfriesland bauen, um das Netz für die Aufnahme großer Mengen von in Wilhelmshaven anlandendem LNG vorzubereiten. Bereits 2023 soll diese Pipeline in Betrieb gehen. Perspektivisch hat die Leitung auch das Potential, eine der wichtigsten Hauptverkehrsadern für den Transport von per Schiff importiertem grünen Wasserstoff zu werden.
Schutzmaßnahmen gegen Trickbetrüger
Bei den Besuchen beachtet das Unternehmen nach wie vor die Vorgaben des Robert Koch-Instituts zum Schutz vor dem Corona-Virus. Zusätzlich entwickelte EWE Netz zusammen mit Polizeibehörden zahlreiche Schutzmaßnahmen gegen potenzielle Haustür-Trickbetrüger. Jeder Kunde erhält zusammen mit seinem Terminanschreiben einen Flyer, der darüber informiert, wie man den „echten“ Gasmonteur erkennt. Einige entwickelte Schutzmaßnahmen werden öffentlich nicht genannt. Verbraucher können sich auch hier informieren: www.ewe-netz.de/trickbetrug
Wie geht es weiter?
Ab Februar 2024 schaltet EWE Netz große Teile der Gemeinden Uplengen und Jümme auf das H‑Gas um. EWE Netz teilte auch Ostfriesland in Umstellbezirke ein, die man bis 2027 nacheinander auf das H‑Gas umstellen wird. Diese Umstellbezirke orientieren sich an den Gasleitungen, die bereits im Boden liegen und nicht an Orts- oder Landkreisgrenzen. Daher kann es geschehen, dass Gemeinden nur schrittweise auf H‑Gas umgeschaltet werden. EWE Netz kann jeden Bezirk in eine Art Gasinsel wandeln und jeweils entscheiden, ob schon das H‑Gas oder weiterhin das niederländische L‑Gas eingespeist wird.
Warum stoppen die Niederlande ihre Gaslieferungen?
Ein Auslöser ist das zunehmende Schwinden der Förderkapazitäten des niederländischen L‑Erdgases. Hinzu kommen rund 14.000 Erdstöße und Erdbeben insbesondere in der Region Groningen in den letzten Jahrzehnten. Niederländische Experten machen inzwischen die Gasförderung als Verursacher für die Beben aus.
Stand heute werden die Niederlande daher bereits ab 2023 in der Region Groningen kein L‑Erdgas mehr fördern. Bereits heute kaufen die Niederlande daher H‑Erdgas auf den Weltmärkten ein, wandeln dieses mittels Stickstoff in „Pseudo-L-Gas“ und liefern Anteile davon auch in den Nordwesten. So kann unser Nachbar seinen Lieferverpflichtungen nachkommen und gleichzeitig seine Einwohner besser vor weiteren Beben schützen. Ab Ende 2029 wollen die Niederlande (Stand heute) nahezu gar kein L‑Gas mehr liefern. In Deutschland sind von der niederländischen Entscheidung mehrere Millionen Gasverbraucher in zahlreichen deutschen Bundesländern betroffen. Der deutsche Gesetzgeber verpflichtete daher über 40 Gasnetzbetreiber, jeweils ihre Region auf das alternative H‑Gas umzustellen.
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Friesenbrücke in Weener eröffnet: Wunderline zwischen Groningen und Leer fährt wieder
Friesenbrücke in Weener eröffnet: Wunderline verbindet Leer und Groningen wieder
Weener. Nach fast elf Jahren Unterbrechung ist die Friesenbrücke über die Ems wieder für den Bahnverkehr freigegeben. Mit einer Sonderfahrt wurde am Donnerstag, 1. Oktober 2026, die neue Verbindung zwischen Groningen und Leer offiziell eröffnet. Ab Montag, 5. Oktober, sollen die regulären Personenzüge wieder grenzüberschreitend verkehren.
Die Wiedereröffnung markiert einen wichtigen Schritt für die sogenannte Wunderline zwischen Groningen, Leer und künftig Bremen. Die rund 173 Kilometer lange Verbindung soll die Niederlande und Deutschland besser miteinander verknüpfen und insbesondere für Pendler, Studierende, Arbeitnehmer und Touristen eine wichtige grenzüberschreitende Verbindung darstellen.
Stephan Christ: „Nach fast elf Jahren ist die Friesenbrücke endlich fertig“
Zur Eröffnung äußerte sich Stephan Christ, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, erfreut über die Wiederaufnahme des Zugverkehrs.
Christ bezeichnete die Fertigstellung nach fast elf Jahren als wichtigen Schritt. Damit sei die Strecke für den internationalen Zugverkehr zwischen den Niederlanden und Deutschland wieder befahrbar. Der Zerstörung der alten Brücke durch einen Frachter im Dezember 2015 sei eine jahrelange Unterbrechung mit mehreren Verzögerungen gefolgt.
Umso größer sei die Freude darüber, dass die Wunderline nun wieder durchgängig fahren könne.
Besonders hob Christ auch die neue Bedeutung der Brücke für den Fuß- und Radverkehr hervor. Dieser werde nicht mehr lediglich geduldet, sondern habe nun offiziell einen eigenen Platz auf der Brücke. Neben der Bahntrasse befindet sich ein 2,5 Meter breiter Fuß- und Radweg. Das Land Niedersachsen habe dessen Bau mit mehr als sechs Millionen Euro gefördert.
Gleichzeitig richtet Christ den Blick bereits auf die nächste Aufgabe. Nun sei der Bund am Zug. Die Strecke zwischen Oldenburg und Leer müsse ausgebaut werden, damit die Züge wie geplant künftig bis Bremen durchfahren könnten.

Tammo Lenger: „Ein echter Meilenstein für die Region“
Auch Tammo Lenger, Fraktionsvorsitzender der Grünen-Kreistagsfraktion Leer, bezeichnet die Wiedereröffnung als bedeutenden Tag für die Region.
Für die Menschen vor Ort sei die Freigabe ein echter Meilenstein. Über zehn Jahre hätten Anwohner und Pendler mit Umwegen, Ersatzverkehren und Unsicherheit leben müssen.
Ursprünglich war die Wiederaufnahme des Zugverkehrs bereits für Ende 2024 vorgesehen. Die Eröffnung wurde jedoch mehrfach verschoben. Umso wichtiger sei es nun, dass dieses Kapitel abgeschlossen werden könne.
Lenger betont zudem die europäische Bedeutung der Verbindung. Die Wiedereröffnung sei ein wichtiges Zeichen für Europa, weil die Bahnstrecke Menschen und Regionen über die deutsch-niederländische Grenze hinweg miteinander verbinde.
Bahnhof Ihrhove wieder in Betrieb
Mit der Wiederaufnahme der Verbindung gibt es eine weitere wichtige Neuerung für die Region: Der Bahnhof Ihrhove wird nach mehr als fünf Jahrzehnten wieder als Halt genutzt. Nach Angaben von Lenger stärkt dies den ländlichen Raum spürbar.
Gleichzeitig sieht er weiteren Handlungsbedarf. Der Bahnhof in Ihrhove müsse zusätzlich an den RE15 in Richtung Münster angebunden werden.
Die Reaktivierung des Bahnhofs Ihrhove gehört zu den Maßnahmen im Zuge der Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs. Auch der Bahnhof Bunde wurde für die neue Verbindung reaktiviert.
Friesenbrücke nach Unfall 2015 komplett neu gebaut
Die neue Friesenbrücke war notwendig geworden, nachdem das Frachtschiff „Emsmoon“ am 3. Dezember 2015 mit der damaligen Klappbrücke kollidiert und diese schwer beschädigt hatte. Der Bahnverkehr zwischen Leer und Groningen war daraufhin für fast elf Jahre unterbrochen.
Die neue Konstruktion ist eine technisch aufwendige Hub-Drehbrücke und gilt als größte Eisenbahn-Hub-Drehbrücke Europas. Neben der Bahnstrecke verfügt sie über den neuen Fuß- und Radweg sowie eine separate Dienst- und Rettungsroute.
Für Fußgänger und Radfahrer war die neue Brücke bereits im September 2025 freigegeben worden. Seit dem 1. Oktober 2026 ist nun auch die wichtige Bahnverbindung wieder hergestellt.
Regulärer Zugverkehr startet am 5. Oktober
Die offizielle Eröffnung erfolgte zunächst mit einer Sonderfahrt. Ab Montag, 5. Oktober 2026, sollen wieder reguläre Personenzüge zwischen Groningen und Leer verkehren.
Damit ist ein entscheidender Abschnitt der Wunderline abgeschlossen. Für einen vollständigen Ausbau der Verbindung bis Bremen sind jedoch weitere Maßnahmen erforderlich.
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Silvia Sinning begeistert in Jemgum: Songpoetin sorgt für Standing Ovations
Songpoetin Silvia Sinning begeistert Publikum im Bürgerhaus Jemgum
Jemgum. Am Samstag, 26. September, wurde das Bürgerhaus Jemgum zum Schauplatz eines besonderen Konzertabends. Um 19.30 Uhr füllte sich der Saal zusehends mit Besucherinnen und Besuchern im Alter von etwa acht bis 80 Jahren. Das Interesse war so groß, dass kurzfristig noch Stühle für drei zusätzliche Reihen aufgestellt werden mussten.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Songpoetin Silvia Sinning aus Leer, die zahlreiche selbst getextete und komponierte Lieder aus ihrem umfangreichen Repertoire präsentierte.
Musikalische Vielfalt ohne Schubladen
Rund eineinhalb Stunden lang nahm Silvia Sinning ihr Publikum mit auf eine musikalische Reise. Dabei begleitete sie sich selbst am Klavier, an der Gitarre und am Saxofon.
Angekündigt war das Konzert als „stilistische Vielfalt auf hohem Niveau“. Tatsächlich erwies sich das Programm als musikalisches Crossover, das sich kaum in eine bestimmte Schublade einordnen lässt.
So präsentierte Sinning unter anderem einen Reggae auf Plattdeutsch sowie einen Folk-Song mit einem Bossa-Nova-Zwischenteil auf Portugiesisch. Ein weiteres Stück verband Pop, Rock und Latin und setzte sich inhaltlich mit dem Frieden und den Grundwerten unseres Grundgesetzes auseinander.
Die musikalische Bandbreite kam beim Publikum sichtbar gut an. Bei mehreren Liedern gab es bereits während des Vortrags Szenenapplaus. Teilweise stimmten die Konzertbesucher sogar direkt in die Refrains ein.
Überraschungsgäste sorgen für zusätzlichen Klang
Für eine besondere Überraschung sorgten weitere Musiker, die im Verlauf des Konzerts auf die Bühne kamen. Ingo Arndt unterstützte das Konzert an den Congas und am Cajón, während Markus Schoormann den E‑Bass übernahm.
Zusätzlich stieß der Friedens- und Freiheitschor aus Leer dazu. Gemeinsam präsentierten die Musiker zwei Hymnen, mit denen sie das Publikum ebenfalls begeisterten.
Aus dem ursprünglich als Soloauftritt angekündigten Konzert wurde damit zeitweise ein musikalisches Zusammenspiel aus Songpoetin, Band und Chor.
Standing Ovations für Silvia Sinning und ihre Mitstreiter
Am Ende belohnte das Publikum die Künstler mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations. Nach einer schwungvollen und einer besinnlichen Zugabe verabschiedete sich Silvia Sinning gemeinsam mit den Musikern und dem Chor von den Konzertbesuchern.
Doch auch nach dem letzten Ton war der Abend noch nicht vorbei. Im Anschluss an das Konzert entwickelte sich ein reger Austausch über das musikalische Erlebnis und die verschiedenen Facetten des Abends.
Weiteres Konzert in Leer geplant
Wer Silvia Sinning erneut live erleben möchte, soll dazu bereits im Januar 2026 Gelegenheit bekommen. Ein ähnliches Konzert ist im Musikatelier von Silvia Sinning in Leer geplant.
Der Konzertabend im Bürgerhaus Jemgum hat dabei gezeigt, dass selbst komponierte Musik, unterschiedliche Stilrichtungen und mehrsprachige Texte ein Publikum über Generationen hinweg erreichen können.
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Friesenbrücke über die Ems: Aus 30 Millionen Euro wurden 277 Millionen
Friesenbrücke: Aus 30 Millionen Euro wurden 277 Millionen Euro
Weener/Westoverledingen. Die Friesenbrücke über die Ems verbindet die ostfriesischen Kommunen Weener und Westoverledingen und ist ein wichtiger Bestandteil der Bahnstrecke zwischen Leer und Groningen in den Niederlanden. Nach der Kollision mit dem Frachtschiff „Emsmoon“ am 3. Dezember 2015 war die rund 335 Meter lange Eisenbahnbrücke nicht mehr nutzbar. Der Bund der Steuerzahler Deutschland kritisiert nun die Entwicklung von Kosten und Bauzeit beim Ersatzneubau.
Unfall machte wichtige Verbindung unpassierbar
In der Nacht zum 3. Dezember 2015 kollidierte das Frachtschiff „Emsmoon“ mit der Friesenbrücke. Die Eisenbahnklappbrücke wurde dabei so schwer beschädigt, dass sie anschließend nicht mehr genutzt werden konnte.
Die Folgen waren weitreichend. Die Friesenbrücke ist Bestandteil der Bahnstrecke zwischen Leer und Groningen und damit eine wichtige Verbindung zwischen Deutschland und den Niederlanden. Gleichzeitig stellt sie eine bedeutende Querungsmöglichkeit für Fußgänger und Radfahrer dar.
Insbesondere für den Fahrradtourismus sowie für die Menschen in der Region bedeutete der Ausfall erhebliche Einschränkungen. Die nächste Möglichkeit, die Ems zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu überqueren, liegt rund zehn Kilometer entfernt.
Ursprünglich waren rund 30 Millionen Euro vorgesehen
Nach dem Unfall plante die Deutsche Bahn als Eigentümerin der Friesenbrücke zunächst einen konstruktiv optimierten Ersatz der bisherigen Klappbrücke. Damit sollte die Bahnverbindung vergleichsweise schnell wiederhergestellt werden.
Nach damaligen Planungen wurde von einer Bauzeit von rund fünf Jahren ausgegangen. Die Wiederinbetriebnahme war für 2021 vorgesehen. Die Kosten wurden zunächst auf etwa 30 Millionen Euro geschätzt.
Nach Darstellung des Bundes der Steuerzahler änderte sich diese Planung jedoch grundlegend.
Land, Kommunen und Werft forderten größere Durchfahrtsbreite
Das Land Niedersachsen, die anliegenden Kommunen und eine große, an der Ems ansässige Werft setzten sich für eine deutlich größere Durchfahrtsbreite für Schiffe ein.
Statt der bisherigen 25 Meter sollte die neue Brücke eine Durchfahrtsbreite von 56 Metern ermöglichen. Dafür wurde eine neuartige Konstruktion als Hub-Drehbrücke ins Spiel gebracht.
Hintergrund waren unter anderem die Einschränkungen bei Schiffsüberführungen der Werft. Bei der bisherigen Brücke musste der mittlere Brückenteil bei entsprechenden Überführungen mit einem Schiffskran ausgehoben und anschließend wieder eingesetzt werden. Dadurch konnte die Brücke teilweise bis zu drei Tage für den Verkehr gesperrt werden.
Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler hätte allerdings auch der ursprünglich geplante 1:1‑Ersatz konstruktiv so optimiert werden können, dass sich die Sperrzeit auf etwa einen Tag reduziert.
Entscheidung für die Hub-Drehbrücke
Mitte 2017 entschied sich das Bundesverkehrsministerium für die Hub-Drehbrücke. Das Land Niedersachsen sagte gleichzeitig eine Beteiligung an den zusätzlichen Kosten zu.
Zu diesem Zeitpunkt wurden die Kosten für die neue Konstruktion auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Die Inbetriebnahme war nun für 2024 vorgesehen.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert insbesondere, dass nach seiner Darstellung zuvor keine Wirtschaftlichkeitsrechnung für unterschiedliche Brückenvarianten vorgelegen habe. Die Entscheidung für die aufwendigere Konstruktion sei vielmehr politisch getroffen worden.
Kosten steigen auf 66 und anschließend 96 Millionen Euro
Im April 2018 teilte die Deutsche Bahn mit, dass bei der geplanten Hub-Drehbrücke auch die vorhandenen Vorlandbrücken nicht weiter genutzt werden könnten. Deshalb mussten auch diese Bereiche neu gebaut werden.
Die Kostenprognose stieg dadurch auf 66 Millionen Euro.
Nur einen Monat später folgte bereits die nächste deutliche Erhöhung. Die Deutsche Bahn veranschlagte die Kosten nun auf 96 Millionen Euro. Dabei wurden unter anderem Risiken im Zusammenhang mit dem aufwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren berücksichtigt.
Der Ersatz der Friesenbrücke entwickelte sich damit zunehmend zu einem kompletten Neubauprojekt.
Bauarbeiten beginnen erst 2021
Die umfangreichen Planungs- und Genehmigungsverfahren führten dazu, dass die Bauarbeiten erst im Sommer 2021 beginnen konnten.
Auch die Kostenprognose stieg weiter an. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler wurden zunächst 125 Millionen Euro im Jahr 2021, anschließend 210 Millionen Euro im Jahr 2022 und schließlich 277 Millionen Euro im Jahr 2024 veranschlagt.
Als Gründe für die Kostensteigerungen wurden unter anderem gestiegene Material- und Personalkosten genannt.
Der Bund der Steuerzahler sieht allerdings auch einen Zusammenhang mit der außergewöhnlichen Konstruktion. Mit der neuen Friesenbrücke entstand eine europaweit einzigartige Hub-Drehbrücke. Dadurch habe man beim Bau technisch Neuland betreten.
Neue Friesenbrücke seit 2025 für Fußgänger und Radfahrer geöffnet
Eine erste wichtige Etappe wurde im September 2025 erreicht. Nach fast zehn Jahren war die neue Friesenbrücke wieder für Fußgänger und Radfahrer nutzbar.
Für den Bahnverkehr dauerte die Wiederherstellung noch länger. Die Freigabe für Züge ist nach der aktuellen Planung für Herbst 2026 vorgesehen.
Damit könnte die wichtige Bahnverbindung zwischen Leer und Groningen nach fast elf Jahren wieder vollständig hergestellt werden.
Kritik des Bundes der Steuerzahler
Der Bund der Steuerzahler Deutschland stellt bei seiner Kritik insbesondere die Entwicklung von Kosten, Bauzeit und Planung in den Mittelpunkt. Nach seiner Darstellung hätte ein deutlich günstigerer und schneller umsetzbarer Ersatz der ursprünglichen Klappbrücke zur Verfügung gestanden.
Aus den zunächst veranschlagten rund 30 Millionen Euro für einen 1:1‑Ersatz wurde eine Kostenprognose von zuletzt 277 Millionen Euro für die neue Hub-Drehbrücke.
Der Fall Friesenbrücke zeigt damit eindrucksvoll, wie stark sich Kosten und Zeitplan eines Infrastrukturprojekts verändern können, wenn sich die ursprüngliche Planung grundlegend ändert.
Beitragsbild: Ingo Tonsor @LeserECHO
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