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Niederlande stoppen ihre Gaslieferungen. Erdgasumstellung auf H‑Gas ist gestartet.
Erdgasumstellung auf H‑Gas ist gestartet
- Gasmonteure besuchen alle Verbraucher mit Erdgasanschluss, um Gasgeräte anzupassen.
- Großprojekt dauert noch bis 2027 und sichert Gasversorgung der Region.
- Rund 98 Prozent aller Geräte sind anpassbar.
- Nur nach der Umrüstung können Geräte auch das aus LNG gewonnene Erdgas verbrennen.
Die Niederlande müssen die Lieferungen ihres L‑Erdgases nach Deutschland, Belgien und Frankreich bereits in wenigen Jahren beenden. Daher erhielt EWE Netz einen gesetzlichen Bundesauftrag, den Nordwesten Deutschlands auf H‑Erdgas umzustellen. Das H‑Erdgas stammt aus einem Nordverbund, zum Beispiel aus Norwegen und Großbritannien. Bei den zwei Gassorten liegt der Unterschied im Energiegehalt: H‑Gas setzt bei der Verbrennung mehr Energie frei als das niederländische L‑Gas, daran muss EWE Netz auch nahezu alle Erdgasgeräte manuell anpassen.
In den nächsten Jahren erhalten alle Erdgasverbraucher in Ostfriesland mindestens zwei Besuche von EWE Netz — unabhängig davon, bei welchem Gaslieferanten sie letztlich ihre Gasrechnung bezahlen. Gestartet ist das Projekt jetzt in den Gemeinden Uplengen und Jümme, danach geht es in Ostfriesland weiter. Die Besuchstermine versendet EWE Netz immer einige Wochen zuvor auf dem Postwege, per Einschreiben.
Das geschieht bei den Besuchen
Bei dem ersten Besuch stehen zwei Fragen im Vordergrund: Zum einen welche Erdgasgeräte setzen die Kunden in ihrem Gebäude überhaupt ein? Betroffen sind alle Geräte, die mit Erdgas betrieben werden, zum Beispiel Herde, Heizungen oder erdgasbetriebene Waschmaschinen, Trockner oder Geschirrspüler. Ausgenommen sind Geräte, die zum Beispiel mit Flaschen- beziehungsweise Flüssig- oder Propangas betrieben werden. Gasbetriebene PKW müssen auch nicht umgerüstet werden. Zum anderen klären die Monteure vor Ort, ob die Kundengeräte das H‑Gas möglichst sauber und vor allem sicher verbrennen können. „Daher setzen wir an den Geräten immer eine wichtige Sicherheitsprüfung um und nehmen jeweils Daten vom Typenschild der Geräte auf, viel mehr geschieht während dieses ersten Besuchs noch nicht“, erklärt Jens Witthus, Sprecher des Projekts bei EWE Netz.
Sehr hohe Komplexität
Die Informationen vom Typenschild gleicht EWE Netz mit einer Datenbank ab, die vom „Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.“ (DVGW) geführt wird. Die Geräte-Hersteller hinterlegen hier insbesondere drei Informationen: Ist das vom Kunden eingesetzte Modell überhaupt an H‑Gas anpassbar? Wie kann es angepasst werden? Und zu welchem Zeitpunkt sollte EWE Netz das Gerät anpassen?
„Wenn notwendig, bestellen wir für jeden Kunden und jedes seiner Geräte einen individuellen Umrüstsatz für das H‑Gas“, so Witthus weiter. Und genau das macht das Projekt zu einer wahren Mammutaufgabe: Denn im Nordwesten nutzen Verbraucher nicht nur über 700.000 Erdgasgeräte aus verschiedenen Jahrzehnten. Die Geräte unterscheiden sich auch in weit über 22.000 Varianten. „Und nahezu jede Variante braucht eventuell eine individuelle Umrüstung. Hinzu kommen dann ja noch die unterschiedlichsten Reparatur- und Wartungszustände, daher müssen wir jedes Gerät persönlich prüfen“, ergänzt Witthus.
98 Prozent sind anpassbar
Über 200.000 Erdgasgeräte konnte EWE Netz bereits an das H‑Gas anpassen. „Mit der hier gemachten Erfahrung können wir sagen, dass sich insgesamt rund 98 Prozent aller Kundengeräte an das H‑Gas anpassen lassen“, berichtet Witthus. EWE Netz rechnet damit, diesen Wert auch in Ostfriesland erreichen zu können. „Sollte eine Heizung zum Beispiel heute 20–25 Jahre alt sein, muss man sich der Eigentümer in der Regel keine Sorgen machen“, beruhigt Witthus und ergänzt: „Auch bei noch älteren Markengeräten gelingt es meistens, diese an das H‑Gas anzupassen.“
Wenn sich ein Gerät doch einmal nicht mehr anpassen lässt, dann liegt es meistens daran, dass es den Geräte-Hersteller heute nicht mehr gibt und dieser daher kein Umrüstmaterial mehr liefern kann. In Einzelfällen haben die Hersteller auch den Support für bestimmte Geräte aufgegeben, auch dieses betrifft in der Regel nur sehr alte Geräte. Aber auch dann kann EWE Netz häufig kein Material mehr erhalten. Technische Probleme während des Umrüstens gab es laut Witthus unterdessen bislang nahezu ausschließlich bei alten Heizungen, die noch nie oder zu selten durch einen Fachbetrieb gewartet wurden. „Regelmäßige Wartungen der Heizungen unterstützen eine reibungslose Umrüstung auf das H‑Gas, sie sparen aber auch deutlich Erdgas und verlängern die Lebenszeit der Geräte.“
Keine Rechnungen
Grundsätzlich entstehen Kunden durch das Projekt keine direkten Kosten. Daher versendet EWE Netz weder für die Service-Besuche noch für das Material Rechnungen. Und die Gasmonteure verlangen vor Ort niemals Geld von Kunden. Eine Ausnahme gibt es bei den Service-Besuchen aber: Falls die Monteure vor Ort feststellen, dass ein Gerät eine Reparatur braucht oder gewartet werden muss, beauftragt der Eigentümer dafür wie gewohnt einen Fachbetrieb seiner Wahl und bezahlt ihn.
Erdgasgeräte und LNG
Nahezu alle Erdgasgeräte, die das Unternehmen bei Privatkunden derzeit auf das H‑Erdgas umrüstet, sollten anschließend auch das aus LNG gewonnene Erdgas zuverlässig verbrennen können. Die noch auf L‑Erdgas eingestellten Geräte können das in der Regel nicht. Denn LNG ist H‑Erdgas, das aus außereuropäischen Herkunftsländern stammt. Es wird bei einer Temperatur von ca. ‑161 °C flüssig – also zu LNG (Liquefied Natural Gas bzw. Flüssigerdgas) und lässt sich dann auch per Schiff transportieren. Für das Einspeisen in Gas-Pipelines wird LNG wieder in einen gasförmigen Zustand gebracht.
Um die Gasversorgung des Nordwestens darüber hinaus weiter zu sichern, plant EWE Netz parallel ein zweites Großprojekt: Das Unternehmen wird in Rekordzeit eine rund 70 Kilometer lange Pipeline vom Raum Sande (Friesland) zu den EWE-Gasspeichern in Ostfriesland bauen, um das Netz für die Aufnahme großer Mengen von in Wilhelmshaven anlandendem LNG vorzubereiten. Bereits 2023 soll diese Pipeline in Betrieb gehen. Perspektivisch hat die Leitung auch das Potential, eine der wichtigsten Hauptverkehrsadern für den Transport von per Schiff importiertem grünen Wasserstoff zu werden.
Schutzmaßnahmen gegen Trickbetrüger
Bei den Besuchen beachtet das Unternehmen nach wie vor die Vorgaben des Robert Koch-Instituts zum Schutz vor dem Corona-Virus. Zusätzlich entwickelte EWE Netz zusammen mit Polizeibehörden zahlreiche Schutzmaßnahmen gegen potenzielle Haustür-Trickbetrüger. Jeder Kunde erhält zusammen mit seinem Terminanschreiben einen Flyer, der darüber informiert, wie man den „echten“ Gasmonteur erkennt. Einige entwickelte Schutzmaßnahmen werden öffentlich nicht genannt. Verbraucher können sich auch hier informieren: www.ewe-netz.de/trickbetrug
Wie geht es weiter?
Ab Februar 2024 schaltet EWE Netz große Teile der Gemeinden Uplengen und Jümme auf das H‑Gas um. EWE Netz teilte auch Ostfriesland in Umstellbezirke ein, die man bis 2027 nacheinander auf das H‑Gas umstellen wird. Diese Umstellbezirke orientieren sich an den Gasleitungen, die bereits im Boden liegen und nicht an Orts- oder Landkreisgrenzen. Daher kann es geschehen, dass Gemeinden nur schrittweise auf H‑Gas umgeschaltet werden. EWE Netz kann jeden Bezirk in eine Art Gasinsel wandeln und jeweils entscheiden, ob schon das H‑Gas oder weiterhin das niederländische L‑Gas eingespeist wird.
Warum stoppen die Niederlande ihre Gaslieferungen?
Ein Auslöser ist das zunehmende Schwinden der Förderkapazitäten des niederländischen L‑Erdgases. Hinzu kommen rund 14.000 Erdstöße und Erdbeben insbesondere in der Region Groningen in den letzten Jahrzehnten. Niederländische Experten machen inzwischen die Gasförderung als Verursacher für die Beben aus.
Stand heute werden die Niederlande daher bereits ab 2023 in der Region Groningen kein L‑Erdgas mehr fördern. Bereits heute kaufen die Niederlande daher H‑Erdgas auf den Weltmärkten ein, wandeln dieses mittels Stickstoff in „Pseudo-L-Gas“ und liefern Anteile davon auch in den Nordwesten. So kann unser Nachbar seinen Lieferverpflichtungen nachkommen und gleichzeitig seine Einwohner besser vor weiteren Beben schützen. Ab Ende 2029 wollen die Niederlande (Stand heute) nahezu gar kein L‑Gas mehr liefern. In Deutschland sind von der niederländischen Entscheidung mehrere Millionen Gasverbraucher in zahlreichen deutschen Bundesländern betroffen. Der deutsche Gesetzgeber verpflichtete daher über 40 Gasnetzbetreiber, jeweils ihre Region auf das alternative H‑Gas umzustellen.
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Aus 350 Jahre alter Evenburg-Linde wächst eine neue Generation
Historische Schlosslinde der Evenburg lebt in ihren Nachkommen weiter
Ableger der rund 350 Jahre alten Linde wachsen im Schlosspark heran – Nachzucht „Evi“ soll das genetische Erbe des historischen Baumes bewahren
Leer. Eine rund 350 Jahre alte Linde an der Schlossbrücke der Evenburg bekommt eine besondere Zukunft: Im Schlosspark wachsen seit einigen Jahren junge Nachkommen des historischen Baumes heran. Das Gärtnerteam des Schlosses zieht die neuen Linden aus sogenannten Absenkern von Stockausschlägen der alten Linde.
Ziel des Projekts ist es, den charakteristischen und geschützten Baumbestand des Schlossparks langfristig zu erhalten und gleichzeitig das genetische Erbe des historischen Baumes zu bewahren.
Gärtnermeister Joachim Köster erklärt den Hintergrund: „Wenn ein Baum seit mehreren 100 Jahren erfolgreich an einem Standort wächst, muss er sich optimal an die örtlichen Begebenheiten und klimatischen Bedingungen angepasst haben.“ Das gelte auch für die historische Linde an der Evenburg. Sie habe sich nach Einschätzung des Gärtnermeisters auch unter den Bedingungen des Klimawandels bewährt.
„Deswegen ist es nur sinnvoll, die Gene zu erhalten und für weitere Pflanzungen im Park zu nutzen“, so Köster.

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Anzucht der jungen Linden begann 2016
Mit der Anzucht der Nachkommen wurde bereits im Jahr 2016 begonnen. Inzwischen konnten mehrere junge Linden erfolgreich herangezogen werden.
Ein Teil der Nachzuchten wurde bereits im Schlosspark eingesetzt. Dabei kommt ein besonderes Verfahren zum Einsatz: die sogenannte „Baum-im-Baum-Pflanzung“.
An Standorten, an denen zu Jahresbeginn aus Gründen der Verkehrssicherheit einzelne Linden gefällt werden mussten, wurden junge Nachzuchten der historischen Schlosslinde gepflanzt. Die jungen Bäume wachsen nun in den Überbleibseln ihrer Vorgänger heran und sollen deren Platz langfristig übernehmen.
Denkmalschutz und Klimaschutz miteinander verbunden
Für diese besondere Form der Nachpflanzung gibt es einen wichtigen Grund. Der Schlosspark der Evenburg steht ebenso wie das Schloss selbst unter Denkmalschutz.
„Jede Pflanzung muss mit der Denkmalschutzbehörde der Stadt Leer abgesprochen werden“, erläutert Köster. Wenn ein gefällter Baum an seinem bisherigen Standort durch einen Nachkommen eins zu eins ersetzt werde, erleichtere dies das Verfahren.
Denn das Ziel, das historische Erscheinungsbild des Schlossparks möglichst genau zu erhalten, könne auf diese Weise besonders gut umgesetzt werden.
Weitere Nachzuchten wachsen derzeit in den Streifenbeeten des Schlossparks heran. Sie können bei Bedarf an geeigneten Stellen verpflanzt werden.
Damit verbindet das Projekt auf ungewöhnliche Weise Denkmalschutz und Klimaschutz: Der historische Charakter des Parks soll erhalten bleiben, während zugleich Bäume nachgezogen werden, die bereits an die örtlichen Bedingungen angepasst sind.
Nachzucht erhält den Namen „Evi“
Die regionale Nachzucht der Evenburg-Linde ist inzwischen so besonders, dass die neu entstandene und selektierte Sorte einen eigenen Namen erhalten hat.
Beim diesjährigen Frühlingsmarkt taufte Landrat Matthias Groote die Nachzuchtgeneration auf den Namen „Evi“.
Die jungen Linden stehen damit sinnbildlich für die langfristige Bewahrung des historischen Baumbestandes der Evenburg. Aus einem Baum, der bereits seit rund 350 Jahren an seinem Standort wächst, entsteht auf diese Weise eine neue Generation, die künftig selbst Teil des Schlossparks werden soll.
Für Joachim Köster reicht der Blick dabei weit über die Gegenwart hinaus: „Schön wäre natürlich, wenn jemand in 350 Jahren dann Ableger aus unseren Nachzuchten nimmt.“
Dann könnte auch die „Evi“ weiterleben – und das genetische Erbe der historischen Evenburg-Linde über Jahrhunderte hinweg erhalten bleiben.
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CDU Ostfriesland fordert Zukunft für VW Emden und zweiten Marinehafen
CDU-Bezirksvorsitzender Ulf Thiele forderte in seiner Rede beim Bezirksparteitag im Fährhaus in Emden die Entwicklung eines „Ostfrieslandplans 2.0“. Dieser solle vor allem als Innovationsstrategie für die Region dienen und erneuerbare Energien, Industrie, Mittelstand, maritime Wirtschaft sowie die Hochschule Emden/Leer stärker miteinander verknüpfen.
CDU Ostfriesland beschließt Zukunftsprogramm für Landwirtschaft, Industrie und Häfen
Bezirksparteitag in Emden: CDU fordert klare Zukunftsperspektive für VW Emden, einen zweiten Marinehafen an der Ems und einen „Ostfrieslandplan 2.0“
Emden, 15. August 2026. Die CDU Ostfriesland hat auf ihrem Bezirksparteitag in Emden zentrale politische Leitlinien für die kommenden Jahre beschlossen. Unter dem Motto „Ganz klar für Ostfriesland“ verabschiedeten die Delegierten am Sonnabend im Fährhaus am Emder Borkumkai ein umfangreiches Arbeitsprogramm für die Region.
Im Mittelpunkt standen die Zukunft der Landwirtschaft, die Sicherung industrieller Arbeitsplätze, die Entwicklung der ostfriesischen Häfen, erneuerbare Energien und Wasserstoff sowie der Ausbau der Infrastruktur und die Stärkung der Kommunen und des ländlichen Raumes.
Als Gäste diskutierten unter anderem der Präsident des Landvolks Niedersachsen und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Holger Hennies, sowie der Generalsekretär der CDU Niedersachsen und agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Marco Mohrmann, mit den Delegierten. Auch die politische Lage vor der Kommunalwahl am 13. September spielte eine wichtige Rolle.
Landvolkpräsident Hennies fordert mehr Planungssicherheit für die Landwirtschaft
Dr. Holger Hennies verwies auf die besondere Bedeutung Niedersachsens als Agrarland. Die landwirtschaftlichen Betriebe seien leistungsfähig und innovativ, stünden gleichzeitig aber zunehmend unter wirtschaftlichem Druck.
Hohe Produktionskosten, wachsende Auflagen und fehlende Planungssicherheit würden Investitionen erschweren und damit die Zukunft vieler Familienbetriebe gefährden.
„Unsere Landwirtschaft braucht nicht immer neue Auflagen, sondern verlässliche Rahmenbedingungen, unter denen unsere Betriebe wettbewerbsfähig produzieren und investieren können. Wer heimische Lebensmittelproduktion will, muss den Familienbetrieben auch eine wirtschaftliche Zukunft ermöglichen“, sagte Hennies.
In der anschließenden Diskussion bestand nach Angaben der CDU breite Übereinstimmung darüber, dass Landwirtschaft, Natur- und Klimaschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Gefordert wurden praxistaugliche Lösungen, Planungssicherheit und eine stärkere Orientierung am Verursacherprinzip.
Mohrmann: Arbeit müsse sich wieder stärker lohnen
Dr. Marco Mohrmann forderte sowohl in der agrarpolitischen Diskussion als auch in seiner Rede zur politischen Lage einen grundlegenden Kurswechsel. Niedersachsen müsse seine wirtschaftlichen Stärken wieder stärker in den Mittelpunkt stellen. Unternehmen, Landwirtschaft und Beschäftigte sollten von unnötigen Belastungen entlastet werden.
Mit Blick auf die Landwirtschaft erklärte Mohrmann: „Wir müssen wieder dafür sorgen, dass diejenigen, die Lebensmittel erzeugen, investieren und Arbeitsplätze sichern, nicht durch immer neue Kosten und Auflagen ausgebremst werden. Landwirtschaft braucht unternehmerische Freiheit, Verlässlichkeit und faire Wettbewerbsbedingungen.“
Mit Blick auf die Kommunalwahlen stellte Mohrmann zudem das Thema Leistungsgerechtigkeit in den Mittelpunkt. Menschen, die arbeiten und mit ihren Steuern und Sozialabgaben zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen, müssten am Monatsende spürbar mehr von ihrem Einkommen behalten können.
Die CDU müsse insbesondere auf kommunaler Ebene zeigen, dass sie konkrete Probleme lösen könne, wirtschaftliche Vernunft mit sozialer Verantwortung verbinde und Städten, Gemeinden und Landkreisen wieder größere eigene Handlungsspielräume verschaffe.
CDU fordert langfristige Perspektive für VW-Werk in Emden
Der CDU-Bezirksvorsitzende Ulf Thiele MdL stellte die Zukunft des Industriestandortes Emden besonders heraus. Das Volkswagen-Werk sei von großer Bedeutung für die Stadt, aber auch für Beschäftigung, Kaufkraft, Zulieferer und die wirtschaftliche Stabilität der gesamten Region.
Thiele forderte den VW-Konzern auf, bestehende Vereinbarungen einzuhalten. Wenn die Beschäftigten und die Werkleitung in Emden ihren Teil der vereinbarten Kostenziele erfüllten, müsse auch der Volkswagen-Vorstand zu seinen Zusagen stehen.
„Der Tiguan gehört dann wie zugesagt nach Emden. Und für mich ist ebenso klar: Auch das künftige Nachfolgemodell des ID.7 muss in Emden gebaut werden“, sagte Thiele.
Die Forderung wurde auch in den beschlossenen Leitantrag aufgenommen. Die CDU Ostfriesland erwartet demnach ausdrücklich Vertragstreue des VW-Vorstandes und bei Erreichen der vereinbarten Einsparziele die zugesagte Produktion des ID. Tiguan am Standort Emden.
Emden soll zweiter Marinehafenstandort werden
Eine weitere zentrale Forderung betrifft die maritime Bedeutung Emdens. Thiele sprach sich dafür aus, den Emder Hafen neben Wilhelmshaven zu einem Marinehafenstandort der Deutschen Marine auszubauen.
Emden verfüge über geeignete Flächen, maritime Kompetenz, Hafeninfrastruktur und eine strategisch günstige Lage. Angesichts der veränderten Sicherheitslage in Europa seien zusätzliche maritime Fähigkeiten und belastbare Hafenstrukturen notwendig.
Auch diese Forderung wurde in den Leitantrag aufgenommen. Die Bundesregierung soll demnach die verfügbaren Außenhafenflächen Emdens, insbesondere am Rysumer Nacken, als strategischen Marinehafenstandort der Deutschen Marine neben Wilhelmshaven entwickeln. Gleichzeitig soll die Produktion von Defence-Gütern im ostfriesischen Mittelstand gestärkt werden.

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„Ostfrieslandplan 2.0“ soll Innovation und Arbeitsplätze schaffen
Mit dem Leitantrag „Ganz klar für Ostfriesland – Starker ländlicher Raum, verlässliche Infrastruktur und wirtschaftliche Dynamik“ verabschiedete die CDU ein umfangreiches politisches Arbeitsprogramm.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Idee eines „Ostfrieslandplans 2.0“. Dahinter steht eine neue Innovationsstrategie, die die unterschiedlichen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Stärken der Region stärker miteinander verbinden soll.
Genannt werden insbesondere erneuerbare Energien und Wasserstoff, die maritime Wirtschaft, die Automobilindustrie, der Mittelstand sowie die Hochschule Emden/Leer.
Nach den Vorstellungen der CDU soll Ostfriesland stärker als Modellregion für Innovation entwickelt werden. Geplant beziehungsweise gefordert werden unter anderem ein intensiverer Technologie- und Wissenstransfer zwischen Hochschule und Mittelstand, bessere Bedingungen für Unternehmensgründungen und Start-ups sowie neue Finanzierungsinstrumente.
Der Leitantrag sieht unter anderem Reallabore für Wasserstoffspeicher und Netzstabilisierung, Technologietransfer-Gutscheine für kleine und mittlere Unternehmen sowie einen regionalen Risikokapital-Gründerfonds vor.
„Wir brauchen jetzt einen Ostfrieslandplan 2.0. Er muss vor allem eine Innovationsstrategie für unsere Region sein“, erklärte Thiele. Ziel müsse es sein, aus der vorhandenen erneuerbaren Energie neue Innovationen, Investitionen, Wertschöpfung und sichere Arbeitsplätze entstehen zu lassen.
Das von der CDU formulierte Leitmotiv lautet dabei: „Industrie folgt der Energie.“ Der in Ostfriesland erzeugte Strom soll stärker vor Ort für industrielle Produktion, Wasserstoffwirtschaft und neue Arbeitsplätze genutzt werden.
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Landwirtschaft, Energie und Infrastruktur als weitere Schwerpunkte
In der Landwirtschaft bekennt sich die CDU zu den bäuerlichen Familienbetrieben. Gefordert werden weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und faire Bedingungen für regionale Lebensmittel. Außerdem spricht sich die Partei für ein aktives Wolfsmanagement und einen kooperativen Moorschutz anstelle dirigistischer Vorgaben aus.
Beim Wirtschaftsstandort setzt die CDU auf die Sicherung des industriellen Dreiecks aus VW Emden, Enercon und Meyer Werft. Gleichzeitig sollen neue Wertschöpfungsmöglichkeiten rund um erneuerbare Energien und Wasserstoff entstehen.
Für den Emder Hafen fordert die Partei neben der Fahrrinnenanpassung der Außenems neue Großschiffsliegeplätze sowie einen vom Land finanzierten Hafenpakt. Der Masterplan Ems müsse ökologische Sanierung und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbinden.
Weitere Forderungen betreffen den Lückenschluss der A20 und die B210n, den Ausbau von Schiene, Glasfaser und Mobilfunk sowie eine zukunftsfeste medizinische Versorgung. Auch die Hochschule und die berufliche Bildung sollen gestärkt und die Unterrichtsversorgung verbessert werden.
Zudem fordert die CDU größere finanzielle Handlungsspielräume für Städte, Gemeinden und Landkreise.
„Dieser Leitantrag ist kein Wunschzettel, sondern unser politischer Arbeitsauftrag für Ostfriesland“, sagte Thiele. Ostfriesland solle nicht Zuschauer des Wandels sein, sondern von den Veränderungen wirtschaftlich profitieren.
CDU legt Zukunftsplan für die ostfriesische Küstenfischerei vor
Mit einem weiteren Beschluss stellte sich der Bezirksparteitag hinter die ostfriesische Küstenfischerei. Gefordert wird ein ergebnisoffener Fischereidialog auf Grundlage transparenter wissenschaftlicher und sozioökonomischer Daten.
Dabei soll die wirtschaftliche Existenz der Fischereibetriebe stärker berücksichtigt werden. Bereits bestehende Fischereiverbotszonen sollen auf die europäischen Flächenziele angerechnet werden. Gleichzeitig fordert die CDU gesicherte Durchfahrtsrechte und praxistaugliche, dynamische Schutzgebiete.
Statt eines reinen Flottenabbaus verlangt die Partei einen verbindlichen Transformationsfahrplan. Dieser soll die Betriebe stabilisieren, die Modernisierung von Flotte und Häfen ermöglichen und langfristig eine ökologisch wie wirtschaftlich tragfähige Küstenfischerei sichern.
Dafür soll nach dem Beschluss ein mehrjähriges Investitionsprogramm von Bund und Land mit einem Finanzrahmen zwischen 90 und 135 Millionen Euro aufgelegt werden.
Zusätzlich fordert die CDU ein verbindliches Fischereihafen- und Standortkonzept. Im Beschluss heißt es: „Die Küstenfischerei gehört zu Ostfriesland wie die Deiche und das Meer.“
Ausbildung auf den Ostfriesischen Inseln soll verbessert werden
Auch die besonderen Bedingungen für Auszubildende auf den Ostfriesischen Inseln waren Thema des Parteitages.
Die CDU fordert, den Blockunterricht für wichtige Ausbildungsberufe auszubauen. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen die Ausbildungsgänge Hotelfachfrau/Hotelfachmann sowie Restaurantfachfrau/Restaurantfachmann für alle Ausbildungsjahre an der BBS Borkum eingerichtet werden.
Ergänzend soll geprüft und gefördert werden, ob theoretische Ausbildungsinhalte teilweise im Distanzunterricht vermittelt werden können.
Damit sollen Reisezeiten und Kosten reduziert, mehr praktische Ausbildungszeit in den Betrieben ermöglicht und die Nachwuchsgewinnung für Gastronomie und Hotellerie auf den Inseln verbessert werden.
Kommunalwahl am 13. September im Blick
Mit Blick auf die Kommunalwahl am 13. September stellte der Bezirksparteitag außerdem die Bedeutung der kommunalen Ebene heraus.
Die CDU würdigte die Arbeit der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker und fordert eine bessere finanzielle Ausstattung der Städte, Gemeinden und Landkreise. Bund und Land müssten für übertragene Aufgaben auch die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen.
Das Konnexitätsprinzip – vereinfacht: „Wer die Musik bestellt, bezahlt“ – müsse konsequent angewendet werden.
Thiele fasste den Anspruch der CDU Ostfriesland am Ende des Parteitages zusammen: „Wir haben heute deutlich gemacht, wofür die CDU Ostfriesland steht: für wirtschaftliche Stärke statt schleichenden Strukturverlust, für eine Landwirtschaft mit Zukunft, für sichere Arbeitsplätze, starke Häfen und Kommunen, die wieder handeln können.“
Die Partei wolle die anstehenden Veränderungen nicht lediglich begleiten, sondern aktiv aus Ostfriesland heraus gestalten. Das zentrale Motto des Bezirksparteitages lautete entsprechend: „Ganz klar für Ostfriesland.“
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Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: Klare Worte für Solidarität, Vielfalt und gleiche Rechte
Laut Sophie Koch sind Demonstrationen wie der CSD gerade für junge Menschen wichtig: Sie können Mut machen, zu sich selbst zu stehen, Sichtbarkeit zu zeigen und zu erfahren, dass sie mit ihrer Identität nicht allein sind.
Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: „Wir werden nie wieder leise sein“
Leer – Mit deutlichen Worten hat sich Sophie Koch, Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, beim 5. CSD in Leer an die queere Community und die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewandt. In ihren Grußworten würdigte sie das Engagement der Organisatoren und Helfer und machte zugleich deutlich, dass die politische Auseinandersetzung um Gleichberechtigung und Akzeptanz weitergeführt werden müsse.

Sophie Koch beim 5. CSD in Leer: „Wir werden nie wieder leise sein“
Sophie Koch, Mitglied des sächsischen Landtages und Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Sie sprach beim 5. CSD in Leer zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung. Foto: Ingo Tonsor @ LeserECHO
Koch betonte zunächst, dass sie als Queer-Beauftragte der Bundesregierung spreche, jedoch nicht als Sprecherin der Bundesregierung. Sie zeigte Verständnis für den teilweise deutlichen Unmut innerhalb der Community gegenüber der aktuellen Bundesregierung. Gleichzeitig stellte sie ihre persönliche Verbindung zum Thema heraus: Sie sei selbst queer, komme aus dem Osten Deutschlands und sei in einem kleinen Dorf aufgewachsen.
Besonders bewegt zeigte sich Koch angesichts der Größe und Sichtbarkeit des CSD in Leer. Sie erklärte, sie hätte sich in ihrer eigenen Jugend einen solchen CSD gewünscht. Veranstaltungen wie diese könnten für junge Menschen ein entscheidender Moment sein, erstmals offen zu sich selbst zu stehen und das Gefühl zu bekommen, mit der eigenen Identität nicht allein zu sein.
„Der Wind gegen uns wird rauer“
Mit Blick auf die zunehmende Queerfeindlichkeit sprach Koch von einem rauer werdenden gesellschaftlichen Klima. Gerade deshalb seien CSD-Veranstaltungen und politische Demonstrationen wichtiger denn je. Deutschlandweit gebe es inzwischen mehr als 250 entsprechende Veranstaltungen, an denen Millionen Menschen teilnähmen.
Die Queer-Community habe dabei eine besondere Stärke, so Koch: die Fähigkeit, immer wieder gemeinsam sichtbar zu werden und für ihre Rechte auf die Straße zu gehen. Sie rief die Teilnehmer dazu auf, sich von aktuellen Entwicklungen nicht entmutigen zu lassen. Trotz aller Widerstände müsse die Community selbstbewusst auftreten und deutlich machen, dass sie eine starke gesellschaftliche Mehrheit hinter sich habe.
Ein zentrales Anliegen ihrer Rede war die geplante Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes. Koch kündigte an, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass der Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität ausdrücklich im Grundgesetz verankert wird. Auch die vollständige rechtliche Anerkennung queerer Familien sei ein Ziel, für das weiter gekämpft werden müsse.
Dank an Organisatoren und Helfer
Ausdrücklich würdigte Koch die Arbeit der Menschen, die den CSD in Leer organisiert und möglich gemacht hatten. Sie dankte den Organisatoren, Standbetreibern, Ordnern und zahlreichen Helfern, die teilweise über Monate hinweg Zeit und Energie in die Veranstaltung investiert hätten.
Besonders positiv hob sie die sichtbare Unterstützung durch Eltern und Großeltern hervor. Die Präsenz von Initiativen wie „Eltern gegen Rechts“ und „Omas gegen Rechts“ habe für sie ein wichtiges Signal ausgesendet: Familie könne ganz unterschiedlich aussehen, und junge Menschen sollten unabhängig von ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität Unterstützung erfahren.
Auch das Selbstbestimmungsgesetz sprach Koch an. Sie bezeichnete dessen Einführung als einen wichtigen politischen Erfolg der Community und erklärte, dass dieses Gesetz bestehen bleiben werde. Grundsätzlich müsse die Richtung weiterhin nach vorne gehen, nicht zurück.
Appell: „Nutzt eure Stimme“
Mit Blick auf die anstehenden Wahlen rief Koch die Menschen dazu auf, ihre demokratische Stimme zu nutzen und auch im persönlichen Umfeld für Mehrheiten einzutreten, die die Rechte queerer Menschen unterstützen.
Zum Abschluss ihrer Grußworte richtete sie den Blick noch einmal auf die Menschenmenge vor der Bühne. Die Vielfalt innerhalb der queeren Community sei keine Schwäche, sondern eine besondere Stärke. Auch Menschen, die sich ansonsten vielleicht nie begegnen würden, verbinde beim CSD ein gemeinsamer Gedanke: Solidarität und der Einsatz für gleiche Rechte.
Koch bedankte sich abschließend erneut bei allen Beteiligten des 5. CSD in Leer und richtete einen persönlichen Gruß an die Community: „Leer, Happy Pride.“

Was bedeutet eigentlich „queer“? Ein Begriff für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt
Leer/Ostfriesland. Beim Christopher Street Day, kurz CSD in Leer Ostfriesland, ist der Begriff „queer“ allgegenwärtig. Doch was genau bedeutet er eigentlich? Wer ist damit gemeint und woher stammt das Wort? Gerade weil „queer“ heute ganz selbstverständlich in gesellschaftlichen Diskussionen verwendet wird, lohnt sich ein genauerer Blick auf seine Bedeutung und Geschichte.
„Queer“ wird heute vor allem als Sammelbegriff für Menschen verwendet, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht der klassischen gesellschaftlichen Vorstellung von Heterosexualität und einer eindeutigen Zuordnung als Mann oder Frau entspricht. Der Begriff umfasst damit unterschiedliche Lebensweisen und Identitäten.
Dabei ist „queer“ keine einzelne sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität. Vielmehr dient das Wort als Oberbegriff. Menschen können sich beispielsweise als lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell, trans, nicht-binär, intergeschlechtlich, asexuell oder aromantisch verstehen und sich gleichzeitig unter dem Begriff „queer“ wiederfinden.
Ein Begriff, der viele Menschen einschließt
Zum queeren Spektrum gehören unter anderem Lesben und Schwule, also Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen. Auch bisexuelle und pansexuelle Menschen können sich als queer verstehen. Bei ihnen spielt die sexuelle beziehungsweise romantische Anziehung zu Menschen unterschiedlicher Geschlechter eine Rolle.
Eine weitere Gruppe sind trans Menschen. Damit sind Menschen gemeint, deren geschlechtliche Identität nicht oder nicht vollständig mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
Auch nicht-binäre Menschen können unter den Begriff queer fallen. Sie verstehen sich nicht ausschließlich als Mann oder Frau und bewegen sich damit außerhalb der klassischen Einteilung in zwei Geschlechter.
Zum Spektrum gehören außerdem intergeschlechtliche Menschen. Bei ihnen weisen die körperlichen Geschlechtsmerkmale Varianten auf, die sich nicht eindeutig in die traditionellen Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ einordnen lassen.
Auch asexuelle und aromantische Menschen können sich als queer verstehen. Asexuelle Menschen empfinden wenig oder keine sexuelle Anziehung, während aromantische Menschen wenig oder keine romantische Anziehung empfinden.
Wichtig ist dabei: Queer ist in erster Linie eine mögliche Selbstbezeichnung. Nicht jeder Mensch, der einer dieser Gruppen zugerechnet werden könnte, bezeichnet sich selbst auch als queer.
Vom Schimpfwort zur Selbstbezeichnung
Die Geschichte des Begriffs ist besonders interessant. „Queer“ stammt aus dem Englischen und bedeutete ursprünglich unter anderem „seltsam“, „sonderbar“ oder „anders“. Über viele Jahrzehnte wurde das Wort vor allem im englischsprachigen Raum als abwertende Bezeichnung für homosexuelle Menschen verwendet.
Im Laufe der Zeit veränderte sich die Bedeutung. Teile der betroffenen Gemeinschaften begannen, den Begriff bewusst für sich selbst zu verwenden und ihm damit eine neue Bedeutung zu geben. Aus einer Beleidigung wurde zunehmend eine selbstbewusste Bezeichnung für Menschen, die sich außerhalb klassischer Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht sehen.
Heute wird „queer“ deshalb von vielen Menschen positiv verstanden. Gleichzeitig gibt es Menschen, die den Begriff aufgrund seiner früheren Verwendung nicht für sich verwenden möchten.

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Warum der Begriff beim CSD eine wichtige Rolle spielt
Besonders sichtbar wird die Bedeutung des Wortes beim Christopher Street Day. Der CSD erinnert an den historischen Kampf queerer Menschen gegen Diskriminierung und für gleiche Rechte. Gleichzeitig sind die Veranstaltungen heute Demonstration, politische Kundgebung und vielfach auch ein großes öffentliches Fest.
Auch beim 5. CSD in Leer standen Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Sichtbar. Laut. Jetzt erst recht!“ gingen Menschen auf die Straße, um für Vielfalt und gegen Ausgrenzung ein Zeichen zu setzen.
Dabei geht es für viele Teilnehmer nicht allein um die eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität. Es geht auch um die grundsätzliche Frage, wie eine Gesellschaft miteinander umgehen möchte: mit Respekt, Akzeptanz und der Möglichkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu führen.
„Queer“ ist kein festes Etikett
Der Begriff kann deshalb ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Für manche Menschen ist „queer“ eine persönliche Identität, für andere ein politischer oder gesellschaftlicher Begriff. Wieder andere nutzen ihn als praktische Sammelbezeichnung für unterschiedliche Formen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.
Was Menschen gemeinsam haben, lässt sich daher nicht auf eine einzelne Lebensweise reduzieren. Gerade diese Offenheit ist für viele ein Grund, den Begriff zu verwenden.
Queer beschreibt somit keine einzelne Gruppe, sondern ein breites Spektrum unterschiedlicher Menschen und Lebensrealitäten. Im Mittelpunkt steht dabei die Vorstellung, dass sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität vielfältiger sind, als es traditionelle gesellschaftliche Vorstellungen lange vermittelt haben.
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